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Vereinbarkeit von Pflege und Beruf Familienpflegegeld für pflegende Angehörige

Der Paritätische Wohlfahrtsverband fordert angesichts der extrem hohen Zahl pflegender Angehöriger ein „Familienpflegegeld“, damit sich Pflege und Beruf besser vereinbaren lassen. Zudem müssen laut Verband die Angebote zur Entlastung pflegender Angehöriger gestärkt werden.

„Neben verlässlichen Entlastungsangeboten brauchen pflegende Angehörige einen einklagbaren Rechtsanspruch, Zeit und materielle Absicherung“, betont Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. Es könne nicht sein, dass pflegende Angehörige deutlich schlechter gestellt werden als junge Eltern. Der Paritätische Wohlfahrtsverband fordert deswegen einen verbindlichen Rechtsanspruch für Arbeitnehmer auf eine drei Jahre befristete Familienpflegezeit. Die Höhe der Lohnersatzleistung würde wie beim Elterngeld im Regelfall 65 Prozent des letzten Nettoeinkommens betragen, höchstens jedoch 1.800 Euro. Laut Statistischem Bundesamt werden 1,76 Millionen pflegebedürftige Menschen von Angehörigen zu Hause gepflegt. Das ist etwa die Hälfte aller Pflegebedürftigen in Deutschland (3,41 Millionen Menschen).

Geltende Regelungen werden bislang kaum genutzt

Die geltende Regelung zur Pflegezeit werde den praktischen Anforderungen nicht gerecht, kritisiert der Paritätische. Dies zeige sich u.a. in der geringen Inanspruchnahme. „Menschen dürfen nicht genötigt werden, ihr Arbeitsverhältnis aufzugeben oder sich durch die Aufnahme eines Darlehens verschulden zu müssen, um ihren Angehörigen beizustehen“, so Schneider. „Der derzeitige Anspruch auf befristete Freistellung ohne jegliche finanzielle Absicherung nützt den Betroffenen im Ernstfall wenig.“ Alarmierend sei, dass mehr als 280.000 Menschen auf Grund von Pflegetätigkeiten dem Arbeitsmarkt nicht bzw. nur teilweise zur Verfügung stünden und pflegende Menschen auf Hartz IV angewiesen seien. Auch der unabhängige Beirat des Bundesfamilienministeriums habe für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf in seinem jüngsten Bericht einen entsprechenden Handlungsbedarf formuliert. Auch habe er eine Regelung empfohlen, die sich am Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz orientiert.

Die Politik muss Handeln

Neben einem Familienpflegegeld seien mehr und verlässlich finanzierte Entlastungsangebote notwendig. „Kurzzeitpflege- und Verhinderungspflegeplätze sind derzeit Mangelware, dabei tragen sie nachweislich enorm zur Entlastung pflegender Angehöriger bei. Die häusliche Pflegesituation fordert alle Beteiligten heraus und strapaziert auf Dauer selbst die innigste Beziehung. Die professionell abgesicherte, temporäre Auszeit bietet sowohl Pflegenden als auch Pflegebedürftigen Entspannung“, erläutert Schneider. Der Verband begrüße, dass im Koalitionsvertrag von SPD und Union entsprechende Maßnahmen verankert seien. Die Große Koalition habe u.a. ein jährliches Budget angekündigt, über das pflegende Angehörige zukünftig in der Lage sein sollten, Entlastungsangebote flexibel in Anspruch nehmen zu können. Darüber hinaus sollen Angebote für eine verlässliche Kurzzeitpflege gestärkt werden. Entsprechende Eckpunkte gäbe es jedoch noch nicht.

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