Versorgung Pandemie trifft Herzpatienten doppelt

Herz-Kreislauf-Patienten haben während der Pandemie mit besonders schweren Covid-19-Verläufen sowie mit unerwünschten Auswirkungen auf ihre Therapie zu kämpfen. Das geht aus dem Herzbericht 2020 der Deutschen Herzstiftung hervor.

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Der aktuelle Herzbericht der Deutschen Herzstiftung zeigt: Herzpatienten haben während der Pandemie mit besonders schweren Verläufen zu kämpfen. – © Monkey Business (stock.adobe.com)

„Die Pandemie hat besonders starke Auswirkungen auf Herzpatienten – zum einen, weil sie ein erhöhtes Risiko haben, einen schweren Verlauf zu erleiden oder zu sterben, zum anderen, weil Nicht-Infizierte zögern, bei akuten Beschwerden den Notarzt zu rufen“, warnt Prof. Thomas Voigtländer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung .

Eine Analyse der AOK-Versichertendaten von mehr als 10.000 stationär behandelten Covid-19-Patienten zeigt die Risikofaktoren für einen schweren Verlauf einer Erkrankung auf. So lag die Wahrscheinlichkeit einer Beatmung für Männer bei 22 Prozent und damit deutlich höher als für Frauen mit 12 Prozent.

Außerdem fiel auf, dass ein Großteil der Patienten unter einer Vorerkrankung litt. 55,6 Prozent der Patienten hatten arterielle Hypertonie, 27,9 Prozent Diabetes mellitus, 22,8 Prozent Nierenversagen und 19,6 Prozent Herzinsuffizienz. Die Behandlung von Vorerkrankungen sei darum während der Pandemie besonders wichtig, betont Voigtländer.

Erhebliche Langzeitfolgen befürchtet

Die Autoren des Berichts befürchten, dass die verzögerte oder überhaupt nicht durchgeführte Diagnostik „erhebliche Langzeitfolgen“ für die kardiovaskuläre Gesundheit haben werde. In hessischen Krankenhäusern wurde in der Zeit vom 23. März bis 26. April 2020, während des strikten Lockdowns, ein Anstieg der Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen verzeichnet. Dort starben 7,6 Prozent mehr Menschen als im selben Zeitraum des Vorjahres an einer Herz-Kreislauf-Komplikation, während die Sterblichkeit allein durch eine Herzerkrankung um 11,8 Prozent höher war.

Patienten kommen später in die Klinik

Im selben Zeitraum sank in den 26 Kliniken, die an der Untersuchung teilnahmen, die Zahl der Herzkatheter-Eingriffe um 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Sterblichkeitsanstieg sei nicht allein mit SARS-CoV-2-Infektionen zu erklären. Patienten seien viel später als üblich in die Kliniken gekommen, wodurch ihre Herz- oder Gefäßkomplikationen verzögert medizinisch versorgt wurden.

Der aktuelle Herzbericht der Deutschen Gerzstiftung kann hier online eingesehen werden.