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Pflege-Report Pandemie trifft Heimbewohner doppelt hart

Während der ersten und zweiten Pandemiewelle 2020 lag die Sterblichkeit in Pflegeheimen trotz Schutzmaßnahmen deutlich über dem Durchschnitt der vorangegangenen Jahre. Doch auch die Maßnahmen selbst haben Schäden angerichtet. Das belegt der Pflege-Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO).

Themenseite: Corona-Pandemie

Laut dem Pflege-Report des WIdO lag die Sterblichkeit in Pflegeheimen bereits zur Zeit des ersten Lockdowns zwischenzeitlich 20 Prozent über der der Vorjahre 2015 bis 2019. Besonders deutlich zeigten sich die Auswirkungen der Pandemie während der zweiten Welle. Zwischen Oktober und Dezember 2020 beobachteten die Experten des WIdO 30 Prozent mehr Sterbefälle als üblich, in der Spitze betrug die Übersterblichkeit mehr als 80 Prozent. "Die Infektionsschutzmaßnahmen während der Pandemie reichten nicht aus, um die im Heim lebenden pflegebedürftigen Menschen ausreichend zu schützen", bilanziert Dr. Antje Schwinger, Leiterin des Forschungsbereichs Pflege im WIdO und Mitherausgeberin des Pflege-Reports, bei der Vorstellung der Zahlen. Generell belegen die WIdO-Daten die deutlich höhere Vulnerabilität von Pflegeheimbewohnern gegenüber Gleichaltrigen, die nicht vollstationär gepflegt werden. Unter den über 60-jährigen Heimbewohnerinnen und -bewohnern, die zwischen April und Juni 2020 mit Covid-19 im Krankenhaus behandelt wurden, lag die Sterblichkeit laut Report bei 45 Prozent und damit fast doppelt so hoch wie unter den übrigen über 60-jährigen Covid-19-Patientinnen und Patienten in Kliniken (25 Prozent).

Einsamkeit on top

Zusätzlich enthält der Pflege-Report die Ergebnisse einer Befragung von Angehörigen pflegebedürftiger Menschen zu den Auswirkungen der Corona-Schutzmaßnahmen. Letztere bewertet das WIdO durchaus kritisch: "Maßnahmen, die die pflegebedürftigen Menschen vor einer Ansteckung mit Covid-19 schützen sollten, führten gleichermaßen zu erheblichen Einschnitten in der Versorgung sowie […] zu starker sozialer Isolation und einer Zunahme psychischer Belastungen." Besonders häufig beobachteten Angehörige in 2020, dass Pflegebedürftige infolge der strengen Hygiene- und Schutzmaßnahmen stärker als sonst unter Einsamkeit, Traurigkeit und Einschränkungen der geistigen Fitness litten.

Zum Download des Pflege-Reports 2021 gelangen Sie mit einem Klick hierauf.

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