Digital Health Lexikon -

Ordnungsrahmen: Kategorien von Digital Health

Bei der Vielzahl von Digital Health Lösungen ist es schwer, einen Überblick über das komplexe Themengebiet zu erhalten. Deshalb sind Ordnungsrahmen hilfreich, die Unterkategorien der Anwendungen kreieren und so das Thema handhabbar und verständlicher machen.

1. Synonyme:

Ein Ordnungsrahmen hilft dabei, in komplexen Systemen eine Vielzahl von einzelnen Elementen in Kategorien einzuteilen und die Beziehungen untereinander zu klären. Ähnlich verwendete Begriffe sind «Ordnungsmodell», «Taxonomie», «Kategorienlogik», «Klassifikationsschema» und der englische Begriff «framework».

2. Kurzhistorie:

Das letztendliche Aussehen von Ordnungsrahmen hängt davon ab, welche Klassifizierungskriterien priorisiert wurden. Dementsprechend finden sich in der Vergangenheit zahlreiche Variationen von Einteilungen. Manche Modelle betonen stark die Dimension Zielgruppe und unterscheiden beispielsweise zwischen Patienten- und Health-Professional orientierten Digital Health Lösungen. Für andere ist die dominante Dimension die Anwendungssituation, so beispielsweise entlang des Patientenpfades (Prävention – Kuration – Rehabilitation). Und wiederum andere Ordnungsrahmen messen der Strukturierung entlang technischer Aspekte essenzielle Bedeutung zu und unterscheiden zum Beispiel zwischen Web-, System- und mobilen Anwendungen.

3. Ziel:

Durch die Vielzahl an Dimensionen kann nicht von richtigen oder falschen Ordnungsrahmen gesprochen werden, sondern nur von nützlichen oder nicht nützlichen. Um diese Nützlichkeit beurteilen zu können, muss das Ziel der Klassifikation im Vorfeld klar bestimmt werden. Während sich eine Medizinerin z.B. ein Ordnungsmodell entlang der Krankheitsbilder wünscht, um Therapiemöglichkeiten zu entwickeln, wünscht sich ein Digital Health Start-up eventuell einen Ordnungsrahmen entlang von Geschäftsmodellen, um zu entscheiden, ob sein Produkt passend dazu vermarktet werden kann.

4. Wesentliche Merkmale:

Der im Folgenden vorgestellte Ordnungsrahmen von Angerer et al. (2017) teilt die Digital Health Lösungen in vier Felder auf, die von den zwei Kräften Technologie und Management massgeblich beeinflusst werden.

  • Bei Tech Health Lösungen steht die Technologie, insbesondere die Hardware, im Vordergrund. Typisch für Vertreter dieser Kategorie ist, dass die Technologien häufig schon in anderen Nicht-Gesundheits-Kontexten bekannt sind, und erst im Anschluss eine konkrete Anwendung im Gesundheitswesen gesucht wird (z.B. 3-D-Druck und Robotik).
  • Bei Data Health verhält es sich ähnlich, allerdings steht nicht die Hardware im Fokus, sondern die Daten und ihre Verarbeitung. So sind beispielsweise im Bereich künstlicher Intelligenz (deep learning) in der Radiologie nicht neue bildgebende Geräte im Vordergrund, sondern der Einsatz ausgeklügelter Software zur Erhöhung der Diagnostikqualität.
  • Die bekannteste Management-Dimension in dem Modell ist eHealth. So wurde die dort eingeordnete Anwendung "Telemedizin" schon in den 80er Jahren praktiziert.
  • Trend Health-Anwendungen verlassen das Kerngebiet der Medizin und sind tendenziell im Bereich Lifestyle und Fitness angesiedelt. Einfache Wearables wie Schrittzähler und Apps für den Amateursport sind typische Vertreter dieser Dimension.

5. Wesentliche Einsatzgebiete:

Ordnungsrahmen werden in zahlreichen Kontexten eingesetzt. In der Aus- und Weiterbildung von Gesundheitsexperten helfen diese Modelle dabei, einen ersten Überblick über die Vielzahl an Einsatzmöglichkeiten von Digital Health zu erhalten. Bei Gesundheitsorganisationen unterstützt die Strukturierung das Erkennen von möglichen Kompetenzlücken und schafft so die Grundlage, dass sie ihre Innovationsaktivitäten systematisch weiter entwickeln können. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht kann es spannend sein, mit solchen Ordnungsrahmen die attraktivsten Investitionsbereiche zu identifizieren. Und schlussendlich können solche Modelle aus Makrosicht auch wertvolle Dienste erweisen, indem sie z.B. für ganze Gesundheitssysteme Versorgungslücken oder -chancen aufdecken.

6. Unterscheidung von ähnlichen Begriffen:

  • Von den vier im obigen Modell verwendeten Dimensionsbegriffen ist lediglich eHealth ein etablierter Begriff, der schon seit vielen Jahren ein fester Bestandteil in der Digital Health Community einnimmt.
  • Der Begriff Ordnungsrahmen sollte nicht fälschlicherweise als Synonym von Business Model verwendet werden, da letzterer sich ausschliesslich auf betriebswirtschaftliche Aspekte fokussiert. .
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Autor:

Prof. Dr. Alfred Angerer

Leiter der Fachstelle Management im Gesundheitswesen am Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Winterthur (Schweiz)

digital@angerer.io

Angerer A. (2020) Ordnungsrahmen: Kategorien von Digital Health. In: Matusiewicz D. Kusch C. (Hrsg.) Digital Health Lexikon, Health&Care Management, URL: hcm-magazin.de, Holzmann Medien, 2020.

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