Klinikum Frankfurt Höchst „Operation“ Passivhausklinik

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Einrichtung & Ausstattung, Energie und Nachhaltigkeit

In Frankfurt entsteht derzeit eine Passivhausklinik; laut dem Passivhaus Institut, das erste weltweit. Das bisherige Gebäude des Klinikums Frankfurt Höchst wird dafür durch einen Neubau ersetzt, mit dem zukünftige interne Betriebsabläufe optimiert und die Betriebskosten drastisch reduziert werden sollen.

Spatenstich für den Bau der weltweit ersten Passivhausklinik in Frankfurt-Höchst. – © Klinikum Frankfurt Höchst

Im Frankfurter Stadtteil Höchst wird gerade das weltweit wohl erste Krankenhaus in Passivhaus-Bauweise errichtet. Das bisherige Klinikgebäude wird für diese Zwecke durch einen Neubau ersetzt. Auf sechs Geschossen sind zehn Operationssäle und 666 Betten vorgesehen. Begleitet wird das Klinikum Frankfurt Höchst bei Planung und Umsetzung vom Passivhaus Institut.  

Abläufe optimieren, Kosten reduzieren

Krankenhäuser zählen beim Energiebedarf aufgrund ihres 24-Stunden-Betriebes zu den Spitzenverbrauchern unter den Gebäuden. Hessens Sozialminister Stefan Grüttner rechnete bei der Feier zum symbolischen Spatenstich in Höchst vor, dass in Hessen pro Jahr und Krankenhausbett 3.350 Euro an Energiekosten anfallen. Mit dem Neubau will das Klinikum Frankfurt Höchst sowohl die internen Betriebsabläufe optimieren als auch die Betriebskosten minimieren. „Die Grundidee des Passivhaus-Konzeptes, bei verbessertem Komfort den Bedarf an Energie deutlich zu reduzieren, ist bei einem Krankenhaus besonders lohnenswert, muss jedoch in einer Klinik spezielle Anforderungen erfüllen“, erläutert Oliver Kah vom Passivhaus Institut. Besondere Anforderungen gelten u.a. für hygienisch sensible Bereiche wie die Operationssäle. Was die Raumtemperatur angeht, empfinden Patienten eine erhöhte Temperatur von rund 23 °Celsius in Krankenzimmern als komfortabel.

Gebäudeausstattung komplett betrachten

Im Auftrag des Landes Hessen untersuchte Kah zusammen mit Kollegen im Vorfeld, wie die hoch energieeffiziente Passivbauweise in einer Klinik umgesetzt werden kann. Diese Erkenntnisse könnten auch anderen Krankenhäusern in Deutschland zu Gute kommen, von denen viele sanierungsbedürftig sind. Wie die Untersuchung u.a. zeigt, hat die Ausstattung des Krankenhauses einen wesentlichen Einfluss auf den Energiebedarf. In konventionellen Bilanzverfahren (wie der DIN V 18599) wird ausschließlich der Energiebedarf für Heizung, Trinkwasser, Beleuchtung und Kühlung betrachtet. In einer Klinik sollte jedoch auch die komplette Gebäudeausstattung und damit auch der Bedarf für medizinische Geräte berücksichtigt werden. „Wird die Gebäudeausstattung nicht betrachtet, entgeht den Planern rund die Hälfte des gesamten Energiebedarfs der Klinik. Gleichzeitig sparen effiziente Geräte Energie ein und verringern den Kühlbedarf“, erklärt Kah.

2019 geht es los

240 Millionen Euro hat die Stadt Frankfurt für den Neubau des Klinikums Frankfurt Höchst veranschlagt. Das Land Hessen beteiligt sich mit 46 Millionen Euro. „Wir statten einen hochkomplexen Bau mit Sondernutzung durch modernste Technologien aus und tragen damit unserer Zielvorgabe Rechnung, 2050 eine klimaneutrale Stadt zu sein“, erläutert Frankfurts Umwelt- und Sozialdezernentin Rosemarie Heilig. Der Passivhaus-Neubau soll im ersten Halbjahr 2019 bezogen werden.