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Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus (TU Dresden) Onkologischer Campus wächst

Am 27. Mai 2019 fand das Richtfest des Neubaus für molekularbiologische Forschungslabors in Dresden statt. Dort sollen neue Analysemethoden für den nächsten Innovationsschub in der Krebsmedizin sorgen.

Auf dem Campus des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden wird bis Ende 2020 ein Laborgebäude errichtet, in dem an der Zukunft der Krebsmedizin geforscht wird. Im Mittelpunkt stehen die genetische und molekularpathologische Analytik. Experten der Pathologie, der Klinischen Genetik und der Onkologie werden dort gemeinsam Therapieoptionen für Tumorpatienten festlegen. Der Bau der rund 1.500 Quadratmeter Laborfläche kostete 12,7 Millionen Euro und liegt zwischen dem Forschungsgebäude der Universitätsprotonentherapie Dresden und dem Neubau des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen Dresden. Daran angrenzend befinden sich die Medizinische Klinik I und die Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie. Durch die räumliche sowie inhaltliche Nähe der Fachdisziplinen sollen neue Ansätze der Krebsmedizin schnellst möglich den Weg von der Forschung in die Krankenversorgung finden.

Durch den Neubau von Haus 137, dem Molekularbiologischen Forschungslabor (MFL), bekommt die Hochschulmedizin Dresden auf vier Etagen neue Labore. Diese entstehen direkt am Institut für Pathologie. Dort sollen die neuesten Analysemethoden für die Krebsmedizin eingesetzt werden. „Die patientennahe Forschung spielt hier eine Schlüsselrolle, sodass Sicherheit und Qualität der Arbeit einen besonders hohen Stellenwert einnehmen. Mit dem Neubau gewinnt die Medizinische Fakultät nicht nur zusätzliche, dringend benötigte Forschungsflächen, sondern erfüllt auch alle Voraussetzungen, die für eine Akkreditierung der Labore notwendig sind“, sagt Prof. Heinz Reichmann, Dekan der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden.

„Die Innovationsschübe auf den Gebieten der Genomanalytik und der Molekularpathologie haben das Tor zur individualisierten Medizin weit aufgestoßen. Viele der Ansätze sind heute noch experimentell, doch sie werden bereits in wenigen Jahren Diagnostik und Therapie von Tumorerkrankungen revolutionieren. Dank des engen Zusammenspiels von Ärzten und Wissenschaftlern gehört Dresden nicht nur bundesweit zu den Top-Standorten der Krebsmedizin. Um diesen Kurs fortsetzen zu können, brauchen wir dringend eine hochmoderne Infrastruktur, wie das des Molekularbiologische Forschungslabor“, sagt Prof. Michael Albrecht, medizinischer Vorstand des Dresdner Uniklinikums.

Nebenflächen wie Besprechungsräume entstehen im benachbarten Haus 43, dem Sitz des Instituts für Pathologie. Als zentrale wissenschaftliche Plattform des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) steht ein Teil der Labore und der Geräte allen onkologischen Forschungsgruppen des Zentrums zur Verfügung. Zu den Forschungsgruppen gehören

  • die Hochschulmedizin Dresden,
  • das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf und
  • das Deutsche Krebsforschungszentrum.

 Klinische Genetik und Pathologie arbeiten für eine personalisierte Onkologie

Die Hauptnutzer des molekularbiologischen Forschungslabors sind neben dem NCT/UCC zwei Institute, deren Aufgabengebiete sich in den vergangenen Jahren erheblich verändert haben. Noch vor 20 Jahren haben Genetiker kaum mehr leisten können, als einige wenige Erbkrankheiten anhand gezielter Genanalysen und körperlicher Untersuchungen zu diagnostizieren und die Behandlung von Symptomen zu begleiten. Mit der kompletten Entschlüsselung des menschlichen Genoms wurde es möglich, nach vererbbaren Krankheiten zu fahnden oder die Veranlagung z.B. für bestimmte Tumorerkrankungen zu identifizieren. Vor zehn Jahren dauerte eine solche Sequenzierung des Erbguts 24 Monate. Dank der „Next Generation Sequencing"-Plattformen reduziert sich diese Zeit nun auf wenige Tage. Die Bewertung der Sequenzdaten erfordert aber auch ein Umdenken in der Nutzung der IT-Technologie. Der Einsatz moderner Servertechnologien und bioinformatischer Software sowie nationaler und internationaler Datenbanken erfordern sogenannte in silico-Auswerteplätze und besonders beruhigte Arbeitsbereiche. „Unser Ziel ist es, diese Technologien für jeden im Uniklinikum behandelten Krebspatienten einzusetzen. Des Weiteren können wir inzwischen bei etwa 50 Prozent der Patienten mit einer genetisch bedingten Erkrankung die Ursache aufklären und damit den Weg zum Einsatz bereits vorhandener und Entwicklung neuer Therapien ebnen. Noch vor wenigen Jahren gelang das nur für etwa drei Prozent unserer Patienten“, sagt Prof. Evelin Schröck, Direktorin des Instituts für Klinische Genetik der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus und Direktorin der Core Unit für Molekulare Tumordiagnostik des NCT/UCC.

 

„Dank der molekularen Diagnostik wandelt sich auch das Aufgabenspektrum der Pathologie. Es geht nicht mehr allein darum, Grunddiagnosen durch das Anschauen von Gewebeproben zu stellen. Dank modernster Technologien können wir das Gewebe auf molekularer Ebene untersuchen. Bestimmte Veränderungen im Erbgut von Krebszellen ermöglichen den Einsatz zielgerichteter Therapien mit weniger Nebenwirkungen. Welche das genau sind, kann die Pathologie dank der morphomolekularen Diagnostik feststellen“, sagt Prof. Gustavo Baretton, Direktor des Instituts für Pathologie des Dresdner Uniklinikums und Direktor der Core Unit für Molekulare Tumordiagnostik des NCT/UCC. Dank dieser Entwicklung wurden in den USA bereits 50 Medikamente zugelassen, die vorab einer genetischen Tumordiagnostik bedürfen. Diese Untersuchungen, die eng in die Erforschung und die darauf aufbauenden Studien eingebunden sind, werden in den neuen molekularbiologischen Forschungslaboren konzentriert.

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