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Interview mit Prof. Dr. Jochen A. Werner Ohne Berührungsängste

Sie treffen ihn in den großen sozial Netzwerken wie Facebook und Xing. Häufig meldet er sich mit einer Videobotschaft zu Wort oder informiert über seinen Blog über neue digitale Themen aus dem Gesundheitswesen. Eigentlich ist er Vorstandsvorsitzender der Universitätsmedizin Essen (UME). Mit seiner Rolle als Medical Influencer will er aber v.a. eines: Die Digitalisierung in der Medizin voranbringen und Menschen für die Potenziale begeistern.

Themenseiten: Digitalisierung und Social Media
Ohne Berührungsängste
Der Medical Influencer Prof. Dr. Werner präsentiert sich auf seiner Website www.medical-influencer.de auch mit eigenem Blog und News zu digitalen Themen. -

HCM: Herr Prof. Werner, Sie sind der Medical Influencer. Beschreiben Sie sich doch einmal selbst in dieser Rolle.

Werner: Ich habe 14 Jahre die Marburger Universitäts-HNO-Klinik geleitet, war Präsident der Deutschen HNO-Gesellschaft und Studiendekan der Marburger Medizinfakultät. Dies ging einher mit diversen Ämtern in Wissenschaft und in der Krankenversorgung. So enthusiastisch ich mich diesen Aufgaben widmete, so kamen im Laufe der Zeit Zweifel am Entwicklungspotenzial der HNO-Chirurgie innerhalb des onkologischen Therapiekonzeptes auf. Dem Wunsch, wieder stärker Innovationstreiber zu sein, folgte eine über achtjährige Tätigkeit als ärztlicher Direktor einer Uniklinik, zunächst in Marburg, ab Oktober 2015 in Essen. In dieser Phase wuchs meine Faszination für die Chancen der Digitalisierung. Ich begreife die Digitalisierung als den für ­die UME alternativlosen Weg in eine neue Entwicklungsdimension.

HCM: Was hat Sie dazu inspiriert, die Marke Medical Influencer um sich zu bilden?

Werner: Ich möchte mich nicht als Marke ­verstanden wissen, sondern als Mediziner ­und Krankenhausmanager, der bewusst die Kommunikation sucht.

HCM: Warum der Name Medical Influencer?

Werner: Herleitend vom englischen Wort influence (beeinflussen), möchte ich in der Tat andere dazu beeinflussen, den Weg zur Digitalisierung im Gesundheitswesen mitzugehen. Die Bezeichnung Influencer wird heutzutage gerade im Kontext der Social Media meist für deutlich jüngere Personen verwandt. Ich meine aber, dass Themen wie Berufs- und Lebenserfahrung gerade in der Medizin nicht zu vernachlässigen sind und Begrifflichkeiten auch in einem anderen als dem originären Sinne eingesetzt werden dürfen.

HCM: Was zeichnet den Medical Influencer aus?

Werner: Offen im Denken, keine Berührungsängste mit anderen Gruppierungen, großes Interesse am Umgang mit Studierenden aller Fakultäten und Start-ups, werden es doch diejenigen sein, die die Digitalisierung vollziehen und im neuen System langfristig agieren müssen.

HCM: Und welche Ziele verfolgen Sie?

Werner: Medizin, Patientenversorgung und Zufriedenheit der Mitarbeiterschaft durch Digitalisierung zu verbessern und die Jugend auf alte und neue Berufsbilder neugierig zu machen. Ich möchte den Weg zur genombasierten Präzisionsmedizin und zur Präzisionsprävention begleiten und erleben, wie die diagnostischen Fächer und Bereiche von Fachdisziplinen datenbasiert stärker zusammengeführt werden. Ich räume der sich abzeichnenden Systemmedizin und der Disease Interception großes Potenzial ein.

HCM: Sind darunter auch Ziele, die Sie speziell für die UME verfolgen?

Werner: Die UME steht bei nahezu all den genannten Themen im Fokus meiner Aktivität.

HCM: Wie lautet die Strategie?

Werner: Kontinuierliche Verdeutlichung unserer Digitalisierungsinitiative nicht nur in meinem Büro oder Sitzungszimmer, auch auf Veranstaltungen und ganz besonders über die verschiedenen Medien.

HCM: Wie ist Ihre Social-Media-Arbeit organisiert?

Werner: Das mache ich selbst. Ich stehe um 5.00 Uhr auf, mache Frühsport und kümmere mich 90 Minuten um Social Media. Um 8.00 Uhr bin ich im Büro.

HCM: Welchen Kanal erachten Sie als besonders geeignet für Ihre Ziele und warum?

Werner: Die höchste Interaktivität mit der jüngsten Kommunikationsgruppe läuft auf Instagram, einen mitunter besonders fundierten Gedankenaustausch erlebe ich auf LinkedIn. Twitter ist sehr aktuell, quasi in Echtzeit und von vielen immer noch unterschätzt. Facebook hat die bei weitem meisten Nutzer und über Xing habe ich schon eine Reihe hochinnovativer Personen kennengelernt.

HCM: Haben Sie Berater für Ihre Soical-Media-Arbeit?

Werner: Nein. Aber ich lerne in Gesprächen von anderen und konsumiere reichlich Literatur.

HCM: Wie reagiert Ihr Klinikumfeld darauf?

Werner: In einem Unternehmen mit mehr als 8.300 Mit­arbeitern finden Sie solche, denen es gefällt, anderen gefällt es nicht. Die meisten, das würden Ihnen auch meine Vorstandskollegen bestätigen, erkennen eine dynamische Entwicklung unserer Smart-Hospital-Initiative.

HCM: Welche Reaktionen bekommen Sie abgesehen davon auf Ihren Auftritt als Medical Influencer?

Werner: Äußerst man sich in der Öffentlichkeit, bleiben Reaktionen selten aus; positiver oder negativer Art, wobei die positiven überwiegen.

HCM: Wie sieht Ihr Erfolg bisher aus?

Werner: Unser Projekt Smart Hospital hat eine breite Aufmerksamkeit erlangt, wir haben exzellente Kooperationen auch in die Start-up-Szene gewonnen. Das und vieles mehr hat primär nichts mit Medical Influencer zu tun, Letzteres brachte mich aber zu interessanten Projekten. Davon profitieren wir als UME.

HCM: Gibt es etwas, das Sie sich von den klassischen Influencern im Social-Media-Bereich abschauen?

Werner: Natürlich, z.B., dass man nicht über jedes gesprochene Wort dreimal nachdenkt, sondern in eine Natürlichkeit zurückkehrt.

HCM: Was fasziniert Sie an dieser Arbeit?

Werner: Die Dynamik und der Kontakt zu vielen Aktiven, zu Machern. Berufsbremser habe ich in meinem Berufsleben genug getroffen, ihnen widme ich nur noch bedingt Aufmerksamkeit.

HCM: Welche Bedeutung messen Sie dieser Tätigkeit im stattfindenden Wandel der Gesundheitswirtschaft zu?

Werner: Das Engagement auch in den sozialen Medien ist ein Baustein im komplexen Bauwerk Smart Hospital, das nicht als von Mauern durchzogenes Krankenhaus verstanden werden darf, sondern als intelligent arbeitende, sektorenübergreifende Steuerungsplattform. Genau deshalb muss über Institutionen hinaus mit denen kommuniziert werden, die das Projekt operativ umsetzen sollen.

HCM: Braucht es noch mehr Medical Influencer, die die Digitalisierung von der „erfahrenen“ Seite vorantreiben?

Werner: Ganz sicher! Es braucht eben auch Lebenserfahrene, die sich in diesen Medien engagieren und den Nachwuchs unterstützen. Jack Ma brachte es auf den Punkt, als er sagte: „If you are 50 to 60 years old, work for the young people because young people can do better than you.“

Die Fragen stellte Bianca Flachenecker.

Hier finden Sie den Medical Influencer in den sozialen Netzwerken:

sowie auf seiner eigenen Website www.medical-influencer.de.
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