Gebäude&Technik -

Betreiberpflichten im Facility Management Nichts wird man so schwer los wie Verantwortung

Das Erste, was Ermittler nach einem Arbeitsunfall sehen wollen, sind Gefährdungsbeurteilungen und Nachweise über ordnungsgemäß durchgeführte Unterweisungen. Diese Unterlagen sollten Sie unbedingt vorweisen können.

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Gleich danach werden die Leute von der Berufsgenossenschaft (BG) überprüfen, ob das Unfallopfer womöglich überarbeitet war. „Sie sollten dann nachweisen können, regelmäßig darauf aufmerksam gemacht zu haben, dass nicht mehr als zehn Stunden am Tag gearbeitet werden darf und auch nicht wurde.“ Auf einer Fortbildungsveranstaltung der FKT-Regionalgruppe NRW-Süd erörterten Detlef Niehues und Bernd Lausch die umfassenden Betreiberpflichten im Facility Management. Dass man gerade als Technischer Leiter nichts so schwer los wird wie Verantwortung, dürften die Zuhörer als zentrale Erkenntnis aus diesem aufrüttelnden Vortrag mitgenommen haben. Um Haftungsrisiken abzugeben, müssen alle Pflichten eindeutig und v.a. schriftlich delegiert werden.

Rechtlich sauber zu bleiben, werde angesichts der Masse immer neuer Gesetze, Normen, Verordnungen, technischer Regeln und anderer Vorgaben, die das Gesundheitswesen regelrecht überfluten, immer schwieriger, berichtete der Geschäftsführer der Apleona HSG Rhein-Ruhr. „Wenn man dann mit der Umsetzung nicht hinterherkommt, flattert einem schnell mal ein Bußgeldbescheid auf den Schreibtisch. Für den Staat ist das eine sichere Einnahmequelle, von der zunehmend Gebrauch gemacht wird.“ Eigentlich bräuchten die technischen Abteilungen in den Krankenhäusern längst einen Mitarbeiter, der nur für die Legal Compliance zuständig ist. Tatsächlich leisten können sich das aber, wenn überhaupt, nur die ganz Großen. Zusätzlich kompliziert werde die Thematik durch die vielfältigen Nutzerverhältnisse in modernen Gesundheitseinrichtungen. Wer haftet beispielsweise für die Sicherheit auf dem Dach einer an einen Belegarzt vermieteten Radiologie? „Personen, die das Dach betreten, bilden eine der häufigsten Unfallquellen überhaupt“, ergänzte Niehues in diesem Zusammenhang. „Wer die Sicherheit an diesem neuralgischen Punkt verantwortet, sollte deshalb klar geregelt sein.“

Mit einem Fuß im Gefängnis

Die Erklärung „das habe ich nicht gewusst“ sei bei der Aufarbeitung von Arbeitsunfällen der denkbar schlechteste Ansatz für die erhoffte Exkulpation. Von haftungsrechtlichen Konsequenzen verschont zu bleiben, könne nur hoffen, wer sich vorher schlüssig mit der Materie Sicherheit befasst, entsprechende Maßnahmen ergriffen und diese auch dokumentiert hat. Eine Fachkraft oder ein externes Unternehmen mit einer Aufgabe betraut zu haben, bringe den Technikverantwortlichen nicht aus der Schusslinie. Um Verantwortung wirklich delegieren zu können, muss sich der Technische Leiter von der Fachkunde der Fachkraft oder des beauftragten Unternehmens überzeugen und im Arbeits- oder Servicevertrag dezidiert festhalten, wie die jeweiligen Tätigkeiten durchgeführt werden sollen. Dabei gilt: „Jemand, der nur sporadisch zu Wartungsarbeiten in der Klinik vorbeischaut, kann keine Betreiberverantwortung übernehmen“, betonte Niehues. Der Technische Leiter bleibt trotz umfassender Serviceverträge in der Pflicht. Er muss kontrollieren, dass die Leistung korrekt erbracht wird und dass dabei nach dem aktuellen Stand der Technik gearbeitet wird. In den Intervallen zwischen den Wartungsmaßnahmen steht er ohnehin für die Sicherheit der jeweiligen Anlagen oder Gebäudeteile gerade.

„In der Berufungsanlage zum Arbeitsvertrag meiner Gesamtverantwortlichen Elektrofachkraft (GVEK) ist auf rund 70 Seiten genau beschrieben, wie diese bei ihrer Arbeit vorgehen muss, und welche Verantwortung sie dabei konkret übernimmt“, führte Niehues dazu weiter aus. Um sicherzustellen, dass die darin festgehaltenen Vorgaben verstanden wurden, müssen diese vor der Unterschrift durchgesprochen und ebendies dokumentiert werden.“ Niehues geht davon aus, dass nur wenige Krankenhäuser diesen sicherheitsrelevanten Aufwand betreiben und beispielsweise vorschreiben, welche Arbeitskleidung Elek­trofachkräfte bei ihrer Tätigkeit tragen müssen. Zumindest, ob eine Fachkraft tatsächlich die erforderlichen Kenntnisse für die ihr zugedachten Aufgaben mitbringt, sollten Technische Leiter jedoch genauestens hinterfragen. Das Zeugnis einer vor vielen Jahren abgeschlossenen Ausbildung reiche alleine nicht aus, um die Eignung einer Fachkraft für die jeweilige Tätigkeit im Krankenhaus zu überprüfen.

Tools für mehr Sicherheit

Um rechtlich auf der sicheren Seite zu stehen, sollte in einem Organigramm festgehalten sein, welcher Mitarbeiter in Objekten für welche Aufgabe zuständig ist. Verantwortlichkeiten dürfen sich nie überschneiden. Im Idealfall werden sie in einer Verantwortungsmatrix dargestellt. Prozesse, Befugnisse und Vertretungen im Abwesenheitsfall sollten ebenfalls klar geregelt sein. Auch dann gilt: Eine Delegation entbindet nie von Aufsichts- und Überwachungspflichten. Wie oft und welche Maßnahmen zur Überwachung erfolgen sollten, muss bedarfsgerecht definiert werden. Kriterien zur Beurteilung sind dabei das Gefährdungspotenzial der übertragenen Aufgabe sowie Qualifikation und Erfahrung des eingesetzten Mitarbeiters oder der beauftragten Fremdfirma. Die Überwachung muss nicht übertrieben (i.d.R. stichprobenartig), aber dokumentiert werden. 100 Prozent Sicherheit seien nicht, oder nur mit einem unverhältnismäßig hohen Aufwand zu realisieren, räumt Niehues ein. Mut zur „vertretbaren“ Lücke wird bei diesem Thema jeder haben müssen. Dennoch braucht jeder Betrieb eine Sicherheitskultur. Wie ausgeprägt diese ist, lässt sich mit über die „Bradley Kurve“ unmittelbar ermitteln. Ein Mittel zur Steigerung der Sicherheitskultur sind kurze Sicherheits-Checks durch Vorgesetzte, die schnell ihre Wirkung zeigen. Auch hier gilt es Maßnahmen im Anschluss umzusetzen und zu überwachen.

                Maria Thalmayr

Mehr dazu auf der BuFaTa 2018

Auf der diesjährigen Bundesfachtagung der Fachvereinigung Krankenhaustechnik am 19. und 20. Juni 2018 in Gelsenkirchen wird Detlef Niehues den Weg zu einer betrieblichen Sicherheitskultur und vor allen Dingen auch den rechtssicheren Umgang mit Haftungsrisiken weiter erörtern. Unter dem Motto „Innovationsmanagement: Heute wissen, was morgen gefragt ist“ widmet sich die BuFaTa 2018 ferner den Möglichkeiten und Grenzen der Digitalisierung. Wieviel Technik und vor allen Dingen welche Technik macht Sinn, wie nutzt man neue Tools wie BIM oder CAFM möglichst effizient, wo geht die Entwicklung hin, sind hier zentrale Fragestellungen. Auch neue Risiken wie die wachsende Bedrohung durch Terror greift das praxisorientierte Programm der BuFaTa 2018 auf. Kliniken sollten hier sowohl in ihrer Rolle als Helfer als auch als mögliches Zielobjekt gewappnet sein. Viel lernen können wir hier von einer Gesellschaft, die seit vielen Jahren mit Terror lebt: Israel. Neueste Erkenntnisse rund um das Thema Legionellen werfen Zweifel auf, ob die Forderungen der Trinkwasserverordnung womöglich ebenso teuer wie sinnlos sind. Auch dazu mehr auf der diesjährigen BuFaTa in Gelsenkirchen, die wie schon im letzten Jahr parallel zur 3. Fachmesse Krankenhaus Technologie stattfindet. Das Branchentreffen bietet einen kompakten Überblick über neue und bewährte Techniken und Services für das Krankenhaus.

Weitere Infos: www.fktmesse.de

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