Recruiting New-Work-Recruiting im Health-Care-Sektor

Unternehmen aus dem Health-Care-Sektor suchen kontinuierlich neue Mitarbeitende. Doch der Strukturwandel verändert auch hier den Zugang zu Talenten und Fachkräften. Das Recruiting im New Work erfordert neue Herangehensweisen.

Portrait von Eßmann
Hartmut Eßmann befasst sich mit New-Work-Recruiting. – © Eßmann Personalberatung

Durch die fortschreitende Digitalisierung muss sich auch das Recruiting anpassen: ein gezieltes Employer Branding, klare Kenntnis über das Nutzverhalten möglicher Kandidierenden sowie ein Verständnis über die Chancen, unterschiedliche Generationen im Unternehmen zu haben.

Arbeitswelt im Wandel

Um hochqualifiziertes Personal zu gewinnen, sollten sich Unternehmen aus dem Health-Care-Sektor auf die stetig wandelnde Arbeitswelt einstellen. Arbeit wird flexibler und zunehmend projektbasiert. Große Hierarchie-Pyramiden und starre Strukturen weichen flachen Hierarchien und dynamisch-flexiblen Organisationsformen. Die Digitalisierung verändert Arbeitsmärkte. Darauf sollten Personalzuständige in Krankenhäusern, Praxen, Apotheken, Biologie- oder Chemielaboren und Pharma-Unternehmen achten, wenn sie sich auf die Suche nach passenden Kandidierenden machen.

  • 1. Employer Branding professionalisieren:
    Vor dem Hintergrund von New Work sollten Unternehmen ihre Talentgewinnung und -bindung in ihre Gesamtstrategie einbinden. Es gilt, Talente auf sich aufmerksam zu machen und als attraktiver Arbeitgebende sichtbarer zu werden. Kandidierende suchen heute stärker denn je die Sinnhaftigkeit, den Purpose in ihrem Job. Diesen sollten Unternehmen herausarbeiten und kommunizieren. Dabei sollten sie auch Mitarbeitende in das Employer Branding einbeziehen: Auf Unternehmensbewertungsportalen können diese beispielsweise über den Arbeitgeber berichten. So werden die Unternehmen sichtbarer, vergrößern ihren Kandidierendenpool und bekommen vielfältigere Talente. Geschlechter- und Altersvielfalt, kulturelle Verschiedenheit, Bildungsvariabilität: All das fördert die Attraktivität des Unternehmens. 
  • 2. Schon in der Universität Talente suchen:
    Für Sichtbarkeit sorgen Unternehmen aus dem Health-Care-Sektor auch, wenn sie sich schon in den Universitäten als attraktiver Arbeitgeber positionieren und studienbegleitende Praktika anbieten. So können die Studierenden auf Tuchfühlung mit dem Unternehmen gehen – und die Unternehmen machen potenzielle Mitarbeitende ausfindig und können eine Kandidierenden-Pipeline aufbauen.  
  • 3. Generationen-Ansprache:
    Heutzutage arbeiten mitunter bis zu drei Generationen in einem Unternehmen. Das sollten Personalverantwortliche auf dem Radar haben. So sind Kandidierende der Genration Y und Z auf anderen Kanälen unterwegs als Kandidierende älterer Generationen. Je Generation stellt sich für Personalzuständige also die Frage, wie sie sie am besten erreichen. Von einer Stellenanzeige, über Business-Plattformen wie LinkedIn oder Xing bis hin zu Social Recruiting über Instagram und TikTok sollten Personalzuständige einen breiten Fächer an Kommunikationskanälen im Repertoire haben.

  • 4. Niedrige Hürden:
    Je mehr Bewerbungsmöglichkeiten ein Unternehmen anbietet und je einfacher der Prozess der Bewerbung ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Kandidierenden ihren CV auch einreichen. In einer Umfrage der Uni Bamberg gaben ca. 53 Prozent der Befragten an, dass sie sich dank der mobilen Bewerbungsmöglichkeiten einfach „on the go“ bewerben können. Jede dritte Person bevorzuge die mobile Bewerbung gegenüber einer klassischen Bewerbung. Unternehmen sollten den Bewerbenden also über jedes Endgerät eine Bewerbungsmöglichkeit bieten. Das bedeutet im Sinne des Mobile Recruitings, die Unternehmenswebsite auch mobile-freundlich zu gestalten und auf die User Experience und Usability der Seite zu achten.  
  • 5. Fachspezifisch suchen:
    Wichtig ist auch, auf fachspezifischen Plattformen nach Talenten zu suchen. Hier ist der Kandidierendenpool zwar kleiner, aber viel konkreter. In der Pharmaindustrie beispielsweise bieten sich die Plattformen Jobpharma.de, Pharmajobs.com, die Pharma-Zeitung oder spezialisierte Personalberatungen an.  
  • 6. Quereinsteigern eine Chance geben:
    Heute können sich Branchen und Märkte rasant verändern, Stellen können fast über Nacht obsolet werden. Wer arbeitsmarktfähig bleiben will, muss auch bereit für einen Wechsel sein – in eine andere Branche oder ein anderes Tätigkeitsfeld. Personalzuständige sollten also Quereinsteigenden gegenüber offen sein. Sie bringen neue Perspektiven aus anderen Branchen mit, was die Innovationskraft des Unternehmens stärken kann.

Fazit: Die Chancen des Wandels nutzen

New Work im Recruiting bedeutet, dass sich auch das Unternehmen bei Kandidierenden bewirbt – und nicht nur umgekehrt. Heute ist es wichtig, den Purpose zu kommunizieren und einen von Diversity geprägten Bewerbenden-Pool aufzubauen. Personalzuständige im Health-Care-Sektor sollten den Strukturwandel nicht scheuen, sondern die neuen Möglichkeiten und Chancen für eine noch zielgerichtetere Kandidierendensuche nutzen. Wer eine klare Employer-Branding-Strategie verfolgt, auf allen relevanten Kanälen unterwegs ist und die Anforderungen der Bewerbenden ernst nimmt, hat große Chancen, die besten Talente anzulocken .

Kontakt zum Autor: Hartmut Eßmann, Gründer und Geschäftsführer der Eßmann Personalberatung, info@essmann-beratung.de