Die Kolumne von Eckhard Eyer New Work – durch Vergleiche lernen

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Personalentwicklung

HCM-Kolumnist Eckhard Eyer meint: Wenn es um kluge, neue Arbeitsgestaltung geht, macht Nachahmen durchaus Sinn.

Dipl.-Ing. Eckhard Eyer, Perspektive Eyer Consulting in Ockenfels. – © Eckhard Eyer

Konfuzius sagte: „Es gibt drei Wege, klug zu handeln: Durch Nachdenken – das ist der edelste, durch Nachahmen – das ist der leichteste, durch Erfahrung – das ist der bitterste.“ Wenn in unserer Gesellschaftsordnung der Markt oder der Staat etwas regeln, dann haben die Menschen bis sich etwas ändert nicht selten schon viele schmerzhafte Erfahrungen gesammelt. Unter marktwirtschaftlichen Aspekten kann das Nachahmen verbunden mit Benchmarking eine sinnvolle und preiswerte Strategie sein, um New Work zu etablieren.

New Work – Erfahrungen in Sachen Arbeitsgestaltung

New Work ist ein Konzept der Arbeitsorganisation und -gestaltung, das in den 1970er Jahren, von dem Österreicher Fritjof Bergmann, in den USA entwickelt wurde. Bergmann fragte sich, wie die Arbeit und die Arbeitszeitgestaltung der Zukunft aussehen wird. Bergmann entwickelte das Konzept der New Work das forderte, dass die motivierende Arbeit der Zukunft echte Handlungsfreiheit – auch in zeitlicher Hinsicht – haben sollte. Die Kennzeichen der New Work sind:

  • Selbstständigkeit der Mitarbeitenden,
  • Freiheit der Mitarbeitenden,
  • Teilhabe der Mitarbeitenden an der Gemeinschaft (Team) und
  • Freiräume der Mitarbeitenden für Kreativität und Entfaltung.

Die Arbeitszufriedenheit und Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stiegen, Krankenstand und Fluktuation nahmen signifikant ab.

Personalbemessung und Personaleinsatzplanung

Eine korrekte Personalbemessung, die nicht auf politischen Festlegungen beruht, die von Bundesland zu Bundesland je nach Kassenlage z.T. erheblich variieren, ist notwendig (von Not wenden!). Auf der Basis einer korrekten Personalplanung können dann Personaleinsatzpläne und Dienstpläne erstellt werden, die den Patientinnen und Patienten, Bewohnenden, Personal und Unternehmen der Gesundheitswirtschaft im Alltag Planungssicherheit geben.

Fehlende Mitarbeitende und die Folgen

In der Industrie, in der mit professioneller Personalbemessung gearbeitet wird, werden bei fehlenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weniger Produkte gefertigt oder – falls möglich – Überstunden geleistet um die Fehlzeiten zu kompensieren. In der Pflege erhöhen zum einen die Mitarbeitenden – soweit möglich – ihre Leistung und die Arbeitszeit. Zum anderen haben zu Behandelnde und Bewohnerinnen und Bewohner i.d.R. viel Verständnis dafür, dass nicht alle Arbeiten auf dem vertraglich vereinbarten und bezahlten Servicelevel aufgrund der gegebenen Situation erledigt werden können. Da das Absenken des Servicelevels stillschweigend akzeptiert wird und damit keine Preisabschläge bzw. Reduktion der Heimentgelte für die Krankenkassen, Pflegekassen und Bewohnenden einhergeht, ist das ein einträgliches Geschäftsmodell für die Unternehmen der Gesundheitswirtschaft. Aufgrund der Regeln des Marktes und den organisierten Interessen aller beteiligten Parteien wird sich – so gesehen – am Pflegenotstand in absehbarer Zeit nichts ändern.

Es stellt sich die Frage, ob dieses „erfolgreiche“ agieren am Markt nachhaltig ist. Bismarck sagte: „Ich ziehe es vor aus den Erfahrungen anderer zu lernen, um von vornherein eigene Fehler zu vermeiden“. In diesem Sinn reduzierte er gesellschaftliche Konfliktfelder durch die weitsichtige Einführung einer nachhaltigen Sozialversicherung.