DIVI Neues Positionspapier für Besuchsregelungen

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Die Sektionen Ethik sowie Psychologische Versorgungsstrukturen in der Intensivmedizin der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) haben gemeinsam ein Positionspapier veröffentlicht, das Krankenhäusern ab sofort eine Hilfestellung gibt, wie Angehörigenbesuche strukturiert und pandemiekonform ermöglicht werden können.

Bei erneuten Auflagen durch die Corona-Pandemie schägt die DIVI Punkte für Besuchsregelungen vor. – © Forgem (stock.adobe.com)

Schon jetzt werden wieder striktere Besuchsregeln in Krankenhäuser verhängt. Deshalb haben die Sektionen Ethik und Psychologische Versorgungsstrukturen in der Intensivmedizin der DIVI eine Hilfestellung zu Angehörigenbesuchen veröffentlicht. „Natürlich erfordert die Pandemie notwendige Einschränkungen. Dies darf aber keinesfalls zu einer Isolation von Patientinnen und Patienten führen“, erklärt Dr. Teresa Deffner, Mitautorin und Präsidiumsmitglied der DIVI sowie Psychologin in der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Universitätsklinikum Jena.

Höhere Belastung für alle Beteiligten

Fehlender Besuch wirkt sich negativ auf die Genesung der Patienten und Patientinnen aus. Dies zeigt sich in der intensivmedizinischen Behandlung. Aktuelle Studien belegen, dass reduzierter Angehörigenkontakt z.B. mit einem erhöhten Delirrisiko einhergeht und damit den Genesungsprozess verzögert.

Besuchsverbote stellen nicht nur für die erkrankten Menschen  eine große Belastung dar, sondern haben auch gravierende Folgen für die Angehörigen und können zu komplizierten Trauerreaktionen führen, beispielsweise wenn Angehörige sich nicht durch persönliche Begleitung von Sterbenden verabschieden konnten. Auch für das Personal stellen strenge Besuchseinschränkungen eine erhebliche Belastung dar, v.a. wenn Personen ohne Angehörigenkontakt sterben müssen.

Konzepte zu Ressourcen gefordert

Die Autoren fordern daher, dass Krankenhäuser verbindlich Konzepte vorlegen und umsetzen, die die außerordentliche Relevanz von Angehörigenbesuchen berücksichtigen und dementsprechend notwendige personelle und materielle Ressourcen zur Umsetzung eines patienten- und angehörigenfreundlichen Besuchskonzeptes bereitgestellt werden. „Im innerklinischen Pandemiemanagement ist das Thema Besucherregelung sehr wichtig und gehört immer auf die Tagesordnung bei den Entscheidungsträgern in den Krisenstäben, damit man stets die zum aktuellen Zeitpunkt besucherfreundlichste Regelung erarbeiten und umsetzen kann“, sagt Dr. Gerald Neitzke, Medizinethiker an der Medizinischen Hochschule Hannover und Mitautor des Positionspapiers.

Besuche sind Grundrecht

Die beiden DIVI-Sektionen bündeln dafür notwendige Neureglungen. Angehörigenbesuche werden als ein Grundrecht verstanden und sind integraler Bestandteil der Patientenbehandlung, insbesondere auf Intensivstationen, aber auch in anderen Krankenhausbereichen.

Folgende Punkte sollen für Besuche beachtet und umgesetzt werden:

  • Förderung von Terminmanagement 
  • Priorisierung von Besuchen  
  • Patientenorientierte Besuchszeitengestaltung  statt starre Einheitsregelung
  • Die Begleitung von Angehörigen
  • Angebot und die Durchführung von Videobesuchen
  • Abschiednehmen von sterbenden und verstorbenen Patienten generell ermöglichen 

Auch Lockerungen möglich

In der Konsequenz bedeutet die Umsetzung eines gut ausgearbeiteten und an die aktuellen Regelungen adaptierten Besuchskonzeptes minimale Einschränkungen für Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige und Entlastung für das Personal. „Die Einschränkungen von Besuchen müssen zudem regelmäßig auf das aktuelle Infektionsrisiko abgestimmt werden“, erklärt Deffner. „Das heißt: Sobald ein Beschränkungsgrund wegfällt, z.B. durch Impfung, sind Einschränkungen sofort wieder zu lockern.“