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Klinikum Stuttgart Neuer Behandlungspfad gegen Delir, Demenz und Depression

Aus dem Projekt „HuBerTDA: Handeln im Hier und Jetzt! Bereit zum Demenz- und Alterssensiblen Krankenhaus!“ hat das Klinikum Stuttgart gezielte Maßnahmen abgeleitet, um die "drei Ds" der Altersmedizin zu verhindern. Erste Umsetzungen finden bereits auf Pilotstationen statt.

Themenseite: Patientensicherheit

Etwa 20 Millionen Menschen werden in Deutschland jährlich im Krankenhaus stationär behandelt. Fast die Hälfte der stationären Patienten ist mindestens 65 Jahre alt. Die Wahrscheinlichkeit, im Krankenhaus ein Delir zu entwickeln, liegt nach Studien laut dem Klinikum Stuttgart bei den über 65-Jährigen nach einer OP bei 30 bis 50 Prozent, auf einer Intensivstation sogar bei 70 bis 87 Prozent. Das Klinikum Stuttgart stellt sich dem Kampf gegen Demenz, Delir und Depression, auch die „drei Ds“ der Altersmedizin genannt. Auf einem Symposiums der Einrichtung im März 2019 wurden die Ergebnisse eines Projekts vorgestellt, wonach gezielte Interventionen wie Bewegungsübungen oder Essensbegleitung die Behandlung verbessern und das Risiko für Komplikationen wie Delirien, Stürze und Dekubitus senken.

Aus dem Projekt „HuBerTDA: Handeln im Hier und Jetzt! Bereit zum Demenz- und Alterssensiblen Krankenhaus!“, das vor mehr als drei Jahren entwickelt wurde und zunächst in der interdisziplinären Notaufnahme und auf einer orthopädischen Pilotstation eingeführt wurde, hat das Klinikum Maßnahmen abgeleitet und auf Pilotstationen bereits umgesetzt.

Risikoscreening steht zu Beginn

Das heißt konkret: Auf den Pilotstationen wurde der gesamte Behandlungspfad älterer Patienten angepasst. Speziell geschulte Pflegefachkräfte identifizieren gefährdete Patienten schon bei der Aufnahme mit einem geriatrischen Risikoscreening und verordnen individuelle, nicht medikamentöse Interventionen wie tägliche Besuche, Gesellschaftsspiele, Bewegungsübungen, Mahlzeitenbegleitung etc. Bislang wurden mehr als 50 Patienten auf diese Art betreut. Bei Bedarf können Demenzkoordinatoren oder die Kollegen aus der Geriatrie beratend zur Seite stehen.

Betreut wird das Programm von Dr. Christine Thomas, ärztliche Direktorin, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie für Ältere, und Cathleen Koch, Diplom-Pflegewirtin, Leitung Pflegerisches Prozessmanagement. Dr. Thomas freut sich über den großen Erfolg der ergriffenen Maßnahmen: „Mit recht einfachen Mitteln erreichen wir eine enorme Wirkung bei den Patienten. Denn eine individualisierte Behandlung bedeutet für den Patienten deutlich mehr Lebensqualität“, erklärt die Chefärztin. Koch sieht auch eine Stärkung der Pflegekräfte hin zu mehr Verantwortung im Klinikalltag: „Pflegekräfte haben engen Kontakt mit den Patienten. Sie bekommen jetzt mehr Entscheidungskompetenzen und legen selbst fest, welche Maßnahmen für einen Patienten sinnvoll sind.“ Die von den Pflegekräften festgelegten Maßnahmen werden von Betreuungsassistenten und Freiwilligen (FSJ) gemeinsam mit den Patienten umgesetzt.

Alle (!) Mitarbeiter werden dafür geschult

Neben den Interventionen ist ein eigens entwickeltes Schulungskonzept Kernstück des Projekts. Alle Mitarbeiter, von der Reinigungskraft bis zum Arzt, wurden zu demenz- und altersspezifischen Themen geschult. Abgerundet wird das einzigartige Gesamtkonzept durch die Erstellung von laienverständlichen Informationsmaterialien sowie innovativen und farblich abgestimmten Orientierungshilfen auf den Patientenzimmern und auf der Station.

Das Projekt HuBerTDA ist Teil des Förderprogramms „Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus“ der Robert Bosch Stiftung und wird mit einem Volumen von rund 100.000 Euro gefördert. Die Projektlaufzeit beträgt 3,5 Jahre, welche am 30. April 2019 endet. Die Projektförderung beinhaltet auch die Weiterqualifikation im Masterstudiengang „Multiprofessionelle Versorgung von Menschen mit Demenz und chronischen Einschränkungen (M.A.)“ in Witten/Herdecke für drei Mitarbeiter des Klinikums.

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