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Universität und Universitätsklinikum Augsburg Neue Studie zu bildgebenden Verfahren

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) fördert ein Projekt am Universitätsklinikum Augsburg, das mit dem eine Über- und Unterversorgung von Patienten bei bildgebenden Verfahren künftig vermieden werden soll.

Die Anzahl der bildgebenden Verfahren in der Medizin ist heute größer denn je. Doch welches Verfahren ist das richtige für den jeweiligen Patienten? Prof. Dr. Thomas Kröncke, Direktor der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Universitätsklinikum Augsburg (UKA), hat gemeinsam mit vier Kooperationspartnern ein Projekt entwickelt. Damit sollen Fehlentwicklungen vermieden und Probleme der Unter- und Überversorgung mit medizinischer Bildgebung analysiert werden. Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) fördert die MIDAS-Studie im Rahmen des Innovationsausschusses mit rund einer Million Euro.

Geeignete Verfahren für den Patienten

Nicht immer sind nötige Informationen über das Für und Wider einer bildgebenden Untersuchung für Ärzte sofort verfügbar. Ein Zuviel oder auch ein Zuwenig kann die Folge sein und zu unnützen Untersuchungen, zusätzlicher Belastung der Patienten bzw. hohen Kosten führen. Eine unterlassene oder falsch ausgewählte Untersuchung hingegen kann im schlimmsten Fall die Behandlung verzögern oder dem Patienten schaden. „Zwischen den Jahren 2000 und 2018 verzeichnen wir einen deutlichen Anstieg an bildgebenden Untersuchungen“, erläutert Prof. Dr. Kröncke. „Das ist nicht nur deutschland- und europaweit sondern auch weltweit der Fall.“ Ein treibender Faktor sei die Aussagekraft der modernen radiologischen Bildgebung. In vielen klinischen Bereichen gelte eine besonders hohe Zahl an Eingriffen als Indiz für die Qualität des Eingriffes. Als Radiologe müsse sich Kröncke fragen, welche Bildgebung zu welchem Zeitpunkt die Richtige für den Patienten sei.

Unterstützungssoftware als „Navigationssystem für Ärzte“

Es gelte „Qualität vor Quantität“. Das heißt, die Untersuchung muss gezielt auf den einzelnen Patienten ausgerichtet werde. Eine elektronische Entscheidungshilfe ( Clinical Decision Support System, CDSS) auf Basis von Leitlinien und Empfehlungen medizinischer Fachgesellschaften ermöglicht es, sich je nach Situation schnell über die richtige Bildgebung zu informieren. Kröncke vergleicht ein CDSS mit einem Navigationssystem. „Das Navi ist schnell, zuverlässig und gibt einem die Information, wenn man sie braucht. Unserer Studie soll untersuchen, ob ein Navi für medizinische Bildgebung auch den Weg weisen und medizinische Umwege bzw. falsche Wege vermeiden kann“, so Kröncke.

Verbesserung der Qualität medizinischer Versorgung

In den USA werden diese Unterstützungssysteme seit einigen Jahren angewendet. „Offenbar sind die Amerikaner vom positiven Nutzen von CDSS so überzeugt, dass die Einführung dieser Systeme ab 2021 dort für jede Klinik zur Pflicht wird“, erklärt Kröncke. Die MIDAS-Studie prüfe nun, ob sich Über- und Unterversorgung bei bildgebenden Verfahren mit Hilfe der elektronischen Entscheidungshilfe auch am Universitätsklinikum Augsburg vermeiden und die Qualität der medizinischen Versorgung verbessern lasse. Weitere Teilnehmer und Kooperationspartner der Studie sind

  • die Universitätsklinika der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel,
  • der Universität Lübeck,
  • das Erasmus University Medical Center Rotterdam sowie
  • das Universitätsklinikum Mainz.

Die Laufzeit der Studie beträgt zwei Jahre und beginnt ab diesem Herbst. 

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