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Uniklinik Mainz Neue Modellpraxis soll Notaufnahme entlasten

Bei Patienten mit akuten Beschwerden entscheidet seit dem 18. März 2019 das Team der neu eröffneten «Allgemeinmedizinischen Praxis am Campus» (APC), ob es sich um einen echten Notfall handelt oder ob dem Patienten empfohlen wird, einen niedergelassenen Arzt aufzusuchen.

Schwindel, Schmerzen in der Brust, hohes Fieber oder extreme Kopfschmerzen: Immer mehr Menschen wissen bei solchen Beschwerden nicht wohin – und gehen in eine Notaufnahme. Die Mainzer Uniklinik zählte 2012 noch etwa 12.000 Patienten in ihrer Notaufnahme, 2018 waren es schon mehr als 16.000. Etwa 40 Prozent dieser Menschen wären jedoch bei einem Hausarzt gut aufgehoben gewesen, berichtete der Leiter der Notaufnahme, Andreas Fischbach, am Montag, 18. März 2019, in Mainz. Eine bundesweit noch einzigartige Modellpraxis an der Unimedizin soll schnell klären, wo und wie ein Patient am besten behandelt wird. So sollen auch die Notaufnahmen entlastet und Wartezeiten kürzer werden.

Die von der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz (KV) in der Uni-Klinik getragene Allgemeinmedizinische Praxis am Campus (APC) sei Neuland in Deutschland, sagte der Medizinische Vorstand der Uniklinik, Prof. Norbert Pfeiffer. «Es musste Pionierarbeit geleistet werden.» Begonnen habe der Prozess schon Ende 2016. Rechtlich sei dies nur über ein Modellprojekt möglich gewesen, das zudem auch wissenschaftlich begleitet werde, sagte der Vorstandsvorsitzende der KV, Peter Heinz. Angelegt ist das Projekt auf vier Jahre.

Sofort oder nächste Woche?

Erwachsene, die ohne Einweisung oder Rettungsdienst in die Notaufnahme kommen, werden in der Praxis befragt und die Dringlichkeit ihrer Behandlung innerhalb weniger Minuten mit Hilfe eines Computersystems (Smed) eingestuft, wie die APC-Leiterin Birgit Schulz berichtete. «Je nachdem, wie ich antworte, öffnen sich weitere Fragen.» Die in der Schweiz schon fachlich getestete Software unterscheide zwischen vier Kategorien – von Notfall bis zu «in den nächsten Wochen einen Arzt sehen».

Die Software könne von einem der acht medizinischen Fachangestellten bedient werden. Es werde aber kein Patient weggeschickt, ohne zumindest von einem der drei Ärzte in der APC gesehen worden zu sein, betonte Schulz. Es gebe ein Ultraschallgerät, die Röntgengeräte und das Labor der Klinik könnten genutzt werden. Zudem verschreiben die Ärzte zur Überbrückung Medikamente. Die Patienten sollen sich nach der Behandlung von ihrem Hausarzt versorgen lassen.

Diese Leistung kostet das Haus

Bei der Behandlung der Patienten in der APC seien finanzielle Defizite nicht zu verhindern, heißt es bei der KV. Sie rechnet mit einem Defizit von bis zu 250.000 Euro pro Jahr, das jeweils zur Hälfte von ihr und den Krankenkassen getragen werde. Die Uniklinik hat die Räume nach eigenen Angaben für rund eine halbe Million Euro saniert.

Die APC ist montags bis samstags von 8 bis 20 Uhr für Patienten geöffnet, die von selbst zur Notaufnahme kommen. Die meisten Menschen kämen tagsüber, v.a. am späten Vormittag. Eine Telefonnummer gibt es nicht. Dafür ist der Ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 zu erreichen.

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