Personal&Führung -

Wandel des Managements Neue Führungspersönlichkeiten nach COVID-19

Seit Wochen erleben Führungskräfte und Teams in deutschen Krankenhäusern ganz neue Belastungen. Fast überall manifestiert sich der Wunsch, wieder in das alte Fahrwasser zurückzukehren.

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Mitarbeiter mit unmittelbarem Patientenbezug drohen unter der Doppelbelastung von Beruf und Familie einzuknicken, wenngleich kurz vor den Ferien „Schnupperschultage“ stattfanden. Sie sind physisch und psychisch am Ende ihrer Kräfte. Und auch das Management versinkt mancherorts in eine Schockstarre ob der immensen Herausforderungen nach dem Ende des Rettungsschirms. Doch wird es kein Zurück geben.

Nach der Gesundheits- folgt die Wirtschaftskrise

Denn die Gesundheitskrise COVID-19 ist nur Vorspiel zu dem, was noch auf uns zukommt. Es wird immer klarer, dass die sich anschließende Wirtschaftskrise gewaltig sein wird. Auch stehen Herausforderungen, wie sie der Klimawandel und die Digitalisierung adressieren, zwar aktuell nicht ganz oben auf der Agenda, doch ist ihre Relevanz ungebrochen. Das Zusammentreffen dieser Epoche bestimmenden Themen, lassen es gewiss nicht zu, nur aus einem Blickwinkel heraus betrachtet zu werden. Isoliert abgearbeitet können sie ohnehin nicht werden. Wenn jetzt das Krankenhaus einen Digitalisierungsschub erhält, so sind sämtliche Abteilungen betroffen. Unzählige Fragestellungen sind aufgeworfen – von Datenschutz und Sicherheit über die gesamte Wertschöpfungskette bis hin zum Management. Gleiches gilt für das Turnaround aufgrund der zu erwartenden wirtschaftlichen Verwerfungen nach der Gesundheitskrise.

Hier braucht es Führungspersönlichkeiten, die es vermögen, Experten ins Boot zu holen, interdisziplinär zu denken und entscheidungsfreudig zu agieren. Für Manager, die nur ein Feld bedienen und sich wundern, dass das liebgewonnene Controlling nicht alleinseligmachende Eigenschaften ausweist, ist bereits die heutige Welt zu komplex – und die „post coronam“ wird es allemal sein.

Wer in der aktuellen Situation sagt, er wisse, wo es lang gehe, der hat schon verloren. Denn wer zukünftig erfolgreich sein will, muss imstande sein, das (bröckelnde) Bestehende zu hinterfragen – inklusive der probaten Erfolgsrezepte. Gerade in Zeiten fundamentaler Umbrüche wie heute lässt sich Zukunft nicht gestalten, indem Erfahrungen aus der Vergangenheit auf das Morgen projiziert werden. Die Epoche des allwissenden Managers, der andere bei der Umsetzung anleitet, ist zwar nicht erst seit COVID-19 vorbei, doch sind hiernach solche Persönlichkeiten endgültig ein unkalkulierbares Risiko für das Krankenhaus. Aufgabe moderner Führungskräfte ist es, verschiedene Perspektiven zusammenzubringen und zu koordinieren. Dabei geht es nicht einzig um multiperspektivisches Denken und interdisziplinäres Tun. Gefragt sind auch korrespondierende Persönlichkeiten innerhalb des Führungsteams. Ein Manager, der z.B. selbst eher dem Controlling zugewandt ist, tut daher gut daran, sich Menschen an seine Seite zu holen, die anders ticken – kreativer, offener, dynamischer.

Schonungslose Selbstreflexion nötig

Natürlich sind Zahlen wichtig, doch hierrüber aus der COVID-19-Krise heraus zu führen, funktioniert sicher nicht. Intrinsisch motivierte Menschen, die vielerorts die Gesundheitskrise eigentlich gemeistert haben und deren Helden sind, tragen auch die zukünftige Entwicklung in den Kliniken. Sie wollen wertgeschätzt und eingebunden sein. Das können nur Führungskräfte leisten, die Persönlichkeit haben. Sie leben vor, worauf es jetzt ankommt.

Heißt das nun, dass die Managementpersönlichkeit mit einem Faible für Zahlen, die vor der Krise das Krankenhaus gut geführt hat, abdanken muss? Das ist mit einem klaren Jein zu beantworten.

Wenn es ihr/ihm gelingt, eine schonungslose Selbstreflexion zuzulassen, dann könnte der Aufbruch in die neue Zeit gelingen. Hierzu gehört es, sich Fragen zu stellen, auch wenn die Antworten schwer zu ertragen sind: Warum habe ich ein ausgeprägtes Kontrollbedürfnis? Weshalb kann ich keine Schwäche zulassen – weder bei mir noch bei anderen? Worauf fußen die Annahmen meiner Sichtweisen und Verhaltensmuster? Wie kann ich diese Annahmen modifizieren?

Auf dieser Grundlage kann vorhandene Souveränität positiv genutzt und klar entschieden werden, wie mit den Menschen und den neuen Bedingungen umgegangen wird. Solche Persönlichkeiten werden ihren Platz behalten. Sie können glaubwürdig und nahbar sein, andere wahrnehmen und auch selbst als Mensch erkennbar sein. Damit ist mitnichten gemeint, dass man sich zum hilflosen Opfer widriger Umstände machen würde. Managementpersönlichkeiten sind sich ihrer begrenzten Ressourcen bewusst, agieren besonnen und fokussieren auch in Situationen von Unsicherheit und Ambiguität. Der Irrglauben, alles „im Griff“ zu haben, drängt sich ihnen nicht auf.

Fazit

Es kann also konstatiert werden, dass es ein Weiterso nach COVID-19 nicht geben kann, auch wenn „Systemrelevanz“ das Mantra des Jahres 2020 geworden scheint. Auch die weitere Optimierung auf der Grundlage alter Gesetzmäßigkeiten verfängt nicht mehr. Erst durch das Zusammenbringen verschiedener Perspektiven und Fähigkeiten erlangt das Management von heute den Schlüssel für wirkliche Transformation. Nur dann vermag dieses es, ihre Mitarbeiter und ihr Krankenhaus auf die neuen Zeiten einzustellen.

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