Versorgungsforschung Nachholbedarf bei Nutzung von Gesundheitsdaten

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Versorgungsforschung

Die Versorgungsforschung untersucht, wie gravierend die Folgen der Pandemie sind und welche Lehren daraus gezogen werden können. Auf dem Forschungs- und Versorgungskongress 2021 diskutierten Expertinnen und Experten, wie das gelingen kann.

Gesundheitsdaten nutzen
Pandemie verdeutlicht Bedeutung von Gesundheitsdatensätzen. Diese besser zu nutzen ist das Ziel. – © vegefox.com (stock.adobe.com)

Jana Holland, Leiterin des Referates Medizinische Datenbanken und Register im Bundesgesundheitsministerium, sieht „Nachholbedarf“ bei der Nutzung von Gesundheitsdaten. Diese schlummerten oft in Silos oder seien nicht mehr aktuell. Mit Blick auf die Pandemie resümiert sie: „Wir konnten wichtige Fragen nicht schnell genug beantworten.“ Allerdings sei vielen durch die Pandemie die Bedeutung der Gesundheitsdaten bewusst geworden. Jetzt müsse es einen schnelleren Austausch zwischen Versorgung und Forschung geben.

Die Abrechnungsdaten der gesetzlichen Krankenkassen liegen in einheitlichen Strukturen vor, betont Barmer-Chef Prof. Christoph Straub. Man müsse sie nur zusammenführen. „Ich wünsche mir, dass wir diese Daten zukünftig nutzen.“ Mithilfe der Kassendaten zu Komorbiditäten hätte man etwa die Impfpriorisierung zielgerichteter gestalten können.

Gesundheitsdaten besser vereinen

Die GKV-Daten haben eine gute Qualität, bestätigt Prof. Jonas Schreyögg vom Sachverständigenrat Gesundheit. Allerdings gebe es keinen Volldatensatz und die Daten stünden erst mit einem Verzug von sechs bis neun Monaten zur Verfügung. Die Verlinkung verschiedener Datensätze ist „sehr aufwendig und dauert lange“. Bis Ende der ersten Pandemie-Welle hätten sich Forscher hierzulande hauptsächlich auf Daten aus dem Ausland verlassen, zum Beispiel Israel oder Großbritannien. „Wenn wir diese Länder nicht hätten, wüssten wir nicht viel über die Effekte der Impfung.“

Die Pandemie hat die Notwendigkeit der Forschung in die Öffentlichkeit gerückt, sagt Bertram Raum, Referatsleiter beim Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit. Allerdings seien alle Gesundheitsdaten persönliches Eigentum von jemandem, was dessen Zustimmung nötig mache. Raum plädiert dafür, die Menschen zu informieren, warum Daten für die Forschung wichtig seien.