Ökonomisch, ökologisch und sozial Nachhaltigkeit in der Krankenhausreinigung

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Nachhaltigkeit

Ökologische Verpflichtungen und soziale Verantwortung können beim Thema Reinigung im Einklang mit ökonomischem Handeln stehen – durch optimierte Prozesse, Betriebsabläufe und Produktinnovationen.

Reinigung in Krankenhäusern, Nachhaltigkeit
Die Reinigung in Krankenhäusern muss umweltschonenden Energie- und Ressourcenverbrauch beachten. – © mast3r (stock.adobe.com)

Die Gründe für die wachsende Bedeutung der Nachhaltigkeit sind vielfältig. Zum einen tritt eine zunehmend kritische Öffentlichkeit als Treiber auf. Zum anderen gibt es eine Vielzahl von Normen und Gesetzen, auch hinsichtlich der Sicherstellung einer nachhaltigen, das heißt umweltschonenden und -verträglichen Reinigung, und des Einsatzes nicht gesundheitsschädigender Mittel.

Drei Säulen tragen die Nachhaltigkeit

Dabei geht die Betrachtungsweise deutlich über das effiziente Nutzen von Ressourcen hinaus, denn Nachhaltigkeit hat drei Säulen: ökologische Verpflichtungen und soziale Verantwortung sowie optimierte Prozesse, Betriebsabläufe und Produktinnovationen. Dieser Mix trägt zu einem umweltschonenderen Energie- und Ressourcenverbrauch bei, was, ökonomisch betrachtet, die Betriebskosten senkt.

Transfer von Hygienestandards auf die operative Ebene

Reinigungsunternehmen müssen sich stets an gängige Zertifizierungen, Gütesiegel und DIN-Normen halten. So liefert die DIN-Norm 13063 Krankenhäusern und anderen medizinischen Einrichtungen einen einheitlichen Reinigungsstandard und gibt Hilfestellung beim Durchführen von Hygienemaßnahmen. Hierzu zählen Prozessaudits, um nicht nur am Ende zu prüfen, ob das Leistungsverzeichnis erfüllt wurde, sondern auch im Vorfeld die fachliche Qualifikation und Prozessqualität bei Reinigungsverfahren, Anwendung, hygienischer Reihenfolge, Materialgebrauch und Arbeitssicherheit qualitativ zu prüfen und zu bestätigen.

Umweltfreundlich reinigen

In der Gebäudereinigung beginnt Nachhaltigkeit schon mit der richtigen Einschätzung des Reinigungsauftrages für das Objekt und der frühzeitigen Kommunikation mit den relevanten Ansprechpartnern auf Kundenseite. Dabei gilt es, die örtlichen Gegebenheiten mit der Zieldefinition abzugleichen und anhand dieser Analyse das optimale Equipment für die jeweilige Reinigungsaufgabe auszuwählen, um bestmögliche Leistungswerte zu erzielen. Je nach Anwendung enthalten Reinigungsmittel verschiedene chemische Inhaltsstoffe. Ihre Herstellung wie auch ihre Entsorgung belasten jedoch Wasser, Luft und Böden.

„Umweltfreundliche Reinigungsmittel gibt es nicht, sondern lediglich mehr oder weniger umweltbelastende. Nur Reiniger, die nicht gebraucht werden, richten keinen Schaden an der Umwelt an“, sagt  Peter Hennig, Geschäftsführer von Visionclean. Das Landshuter Unternehmen befasst sich mit Qualitätssicherung und hier vor allem mit dem Transfer von Hygienestandards auf die operative Ebene. „Kennen Reinigungskräfte den Unterschied zwischen Trocken-, Feucht- und Nassreinigung, lässt sich viel Chemie einsparen, wenn lose aufliegender Schmutz nur trocken und leicht haftende Verschmutzungen nur feucht mit Mikrofasertüchern entfernt werden. Dann ist es nicht erforderlich, zweistufig nass mit Chemieprodukten vorzugehen.“

Was biologisch abbaubare Reinigungsmittel betrifft, wird die klassische Gebäudereinigung zunehmend chemiefrei. Das Besondere: Bei der Entwicklung neuer Produkte werden alle Stoffe wie Lösungsmittel und Weichmacher ausgeschlossen oder minimiert, die Mensch und Umwelt belasten können. Die Reinigungsleistung übernehmen Enzyme und Mikroorganismen, die sicher und schonend für Oberflächen und Anwender sind. Die meisten Produkte sind wenig allergen und in kurzer Zeit vollständig biologisch abbaubar. Mit der Ecologo- und Ecolabel-Zertifizierung erfüllen diese Mittel hohe internationale Umweltstandards .

Reinigungstextilien – robust, langlebig und umweltschonend

Häufig setzen Dienstleister Reinigungstextilien aus synthetischen Materialien wie Polypropylen und Polyester ein. Diese erdölbasierten Synthetikfasern enthalten jedoch Partikel aus Mikroplastik, die beim Waschen durch Abrieb freigesetzt werden und nahezu ungehindert in Gewässer gelangen. Damit tragen die Reinigungstextilien, die aus synthetischen Rohmaterialien bestehen, erheblich zum Umweltproblem bei. Dabei sind Textilien aus Vliesstoffen aus der Gebäudereinigung nicht mehr wegzudenken. Sie sind strapazier- und saugfähig, reißfest und können mehrfach verwendet werden. Es gibt sie, je nach Bedarf, in verschiedenen Stärken, Strukturen und Farben. „Inzwischen bieten die Hersteller zum Beispiel Fasern aus Biokunststoff an“, begrüßt Reinigungs- und Hygienefachmann Hennig diese Entwicklung. „Ein bereits häufig eingesetztes Substitut ist die Polylactidfaser, eine biobasierte Polyesterfaser, die aus Milchsäure hergestellt wird und industriell kompostiert werden kann.“

Eine Alternative können Viskosefasern sein, die aus dem natürlichen Rohstoff Cellulose gewonnen werden. Sie sind saugfähiger und weisen eine weichere Materialbeschaffenheit auf als synthetische Fasern, verfügen jedoch nicht immer über die nötige Stabilität. Überdies sind sie im Rohstoffbereich teurer als synthetische Fasern oder Fasergemische. Obwohl Cellulose biologisch abbaubar ist, stehen der chemische Herstellungsprozess und die Herkunft aus Regenwäldern in der Kritik. Zertifizierungssysteme und -labels wie PEFC und FSC geben Aufschluss über die Nachhaltigkeit bei Rohstoffabbau und -weiterverarbeitung.

Das unabhängige Produktlabel für schadstoffgeprüfte Textilien aller Art – vom Garn bis zum gebrauchsfertigen Artikel – ist die Zertifizierung Standard 100 by Oeko-Tex. Sie ist nicht auf den Rohstoff begrenzt und gibt Auskunft über den verantwortungsbewussten Umgang von Unternehmen mit Chemikalien – und damit über die gesundheitliche Unbedenklichkeit sowie sozial- und umweltverträgliche Produktionsbedingungen.

Antibakterielle Silberionen

Wenn es um die Reinigung großer Räume und stark frequentierter Bereiche geht, sind farbcodierte, vorgetränkte Reinigungstücher und Bodenwischbezüge aus Mikrofasern beziehungsweise diversen Spezialfasern häufig das Mittel der Wahl. Direkt nach Gebrauch können sie gewaschen, desinfiziert, gebleicht und aufbereitet, das heißt für den nächsten Einsatz in speziellen Waschmaschinen mit Reinigungschemie ausgerüstet, werden – zum Beispiel mit tensidfreien Allzweckreinigern zum Reinigen auch von Parkettböden. Die Praxiserfahrungen sind sehr positiv. Die Anwender sparen Zeit, verbessern den Hygienestandard und tun zugleich etwas für die Umwelt und Nachhaltigkeit. Ein zu hoher Verbrauch von Reinigungschemie ist bei vorgetränkten Mopps und Tüchern nahezu ausgeschlossen, außerdem wird weniger Wasser benötigt.

Neue Hightechmaterialien verbinden bei geringen Kosten eine hohe Reinigungsleistung mit Umweltfreundlichkeit und ermöglichen es dem Personal, den Verbrauch von Wasser und Chemikalien zu reduzieren. Die Einführung von Mikrofasern in Reinigungsprozesse hat diese grundlegend verändert. Mikrofasern lassen sich vielfältig – in Gastronomie, Gesundheitswesen und Industrie – einsetzen. Neue, mit Silberionen versehene Mikrofaserprodukte wirken sowohl bei der Anwendung als auch bei der Wäsche antibakteriell. Ohne Einsatz von Chemikalien.

Kontakt zur Autorin:
Simone Bittner-Posavec, Gründerin maintext, Kontakt: office@maintext.de