ZUKE Green Nachhaltiges Wirtschaften gehört an die Spitze der Agenda

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Nachhaltigkeit

Neben der vierten Pandemiewelle und dem Pflegenotstand gibt es noch ein anderes Thema, das Healthcare-Einrichtungen derzeit massiv umtreibt und dringenden Handlungsbedarf erfordert: Nachhaltigkeit. Was zu tun ist, wurde auf dem Digitalkongress ZUKE Green deutlich.

Auf dem ZUKE Green drehte sich alles rund um die Herausforderungen, die ein stärkerer Nachhaltigkeitsfokus für Healthcare-Einrichtungen mitbringt, und wie man diesen begegnen kann. – © Robert Kneschke (stock.adobe.com)

Es gibt viele Gründe, warum das Thema Nachhaltigkeit im Klinikeinkauf bisher oft nur am Rande mit aufgegriffen wurde: keine gesetzlichen Vorgaben, zu viele andere Herausforderungen, zu teuer … Die Liste ist lang. Dass der Einladung zum ersten nachhaltigen Kongress in der Nische Krankenhaus-Einkauf Ende November 2021 so viele Teilnehmende aus Politik, Klinik und Industrie gefolgt sind zeigt, dass Nachhaltigkeit als wichtiges Thema auf die Agenda rückt. Zur großen Freude der Veranstalter des ZUKE Green.

Erstmalig beschäftigte sich ein Kongress ausschließlich mit dem Thema Nachhaltigkeit im Klinikeinkauf. Durch den hohen Interaktionsgrad des Online-Kongresses mit Umfragen und Netzwerkpausen entstand eine Community, die das Thema Nachhaltigkeit stark in den Klinikalltag integrieren möchte.

Nachhaltigkeit gemeinsam verstehen

Der Erfolg von Nachhaltigkeit braucht in erster Linie ein gemeinsames Verständnis. Nachhaltiges Wirtschaften heißt, dass ökologische, soziale und ökonomische Belange immer wieder neu gegeneinander abgewogen und in ein vernünftiges Verhältnis gebracht werden müssen. Die Brisanz dieser Grundlagen machte Dr. Christian Schulz , Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V. (KLUG), in seinem Vortrag sehr bewegend deutlich. Er erklärte, wie eng die Veränderung unserer Lebensbedingungen durch unsere Umwelt mit unserer Gesundheit verknüpft ist. „Eigentlich wissen wir alle um die Folgen des Klimawandels. So haben wir es in diesem Jahr in Nordrhein-Westfalen mit dem Hochwasser und den Flächenbränden in vielen Ländern Europas direkt vor unserer Haustür wieder spüren müssen“, ermahnte Schulz und forderte auf, jetzt ins Handeln zu kommen.

Der Gesundheitssektor spielt dabei eine wichtige Rolle. Er weist einen Anteil von 4,4 Prozent an den globalen Treibhausgasemissionen auf. Krankenhäuser zählen dabei zu den ressourcenintensiven Großverbrauchern.

Die Agenda von Einrichtungen nachhaltig aufstellen

Einrichtungen, die sich das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahne schreiben wollen, sind gut beraten, für sich die Brisanz der Thematik aufzuarbeiten und anschließend zu priorisieren. Wer einen signifikanten Beitrag leisten möchte, sollte beim Bewusstsein für Nachhaltigkeit im Management anfangen. Meist erfolgen bedeutende Entscheidungen Top-Down, wie der Austausch auf dem ZUKE Green deutlich machte. Thomas Lemke, CEO der Sana Kliniken, ging sogar noch weiter und empfahl: „Nachhaltigkeit muss eine Größe in der KPI-Bewertung der Kliniken werden.“ Andere Vertreterinnen und Vertreter des Klinikmanagements, die die Relevanz des Themas erkannt haben und als Vorreiter in der Branche handeln sind u.a. Alexander Pröbstl, Uniklinikum Bonn, Burkhard Göke, Uniklinikum Hamburg Eppendorf oder Petra Becker, Dr. Becker Klinikgruppe. Diese Kliniken haben Nachhaltigkeitsmanager beschäftigt und direkt an der Geschäftsführung angesiedelt.

Dennoch sollten Klinikmitarbeitende nicht auf eine Strategie von oben warten, darin waren sich die Teilnehmenden des ZUKE Green einig. Denn auch bei ihnen müsse ein entsprechendes Umdenken stattfinden. Wie das mit Leidenschaft und viel Energie, aber nicht zwangsläufig mit großen Investitionen, möglich ist, haben folgende Referentinnen und Referenten in ihren Beiträge eindrucksvoll gezeigt:

  • Michael Schmitz, Uniklinikum Bonn,
  • Michael Sutter, Kantonspital St. Gallen,
  • Dr. Christian Grah, Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe,
  • Dr. Christian Abshagen, Unispital Basel,
  • Jacqueline Kreismayr, Uniklinikum St. Pölten.

Nachhaltigkeit ungleich höhere Kosten

Die zahlreichen Praxisbeispiele auf dem ZUKE Green haben gezeigt, dass es ein Irrglaube ist, dass nachhaltiges Wirtschaften immer mit höheren Kosten verbunden ist. Folgende Kongresspartner haben z.B. Lösungsansätze vorgestellt, die sich bereits in der Praxis bewährt und gleichzeitig die Ausgaben geschohnt haben:

  • Medizinprodukte: Johnson & Johnson, Mölnlycke
  • Speisenversorgung: Procuratio,
  • Wäsche: Sitex,
  • Einkauf: P.E.G. eG,
  • Reinigung & Hygiene: igefa,
  • Medizintechnik & IT: CHG-Meridian und
  • Narkose: Dräger.

Um nachhaltige Anreize für die Kliniken und die Industrie zu setzen ist aber auch die Politik gefragt. Es müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, dass sich ein verantwortungsvolles Wirtschaften auch lohnt. Dr. Alexander Schmidt-Gernig, Referatsleiter im Leistungsstab des Bundesumweltministeriums, sieht die Politik hier auch im Zugzwang, wie er auf Kongress berichtete. Aber auch im Bundesgesundheitsministerium arbeite man daran, attraktive Anreize für Nachhaltigkeit im Healthcare-Bereich zu schaffen.

Einweg und Mehrweg ökologisch vergleichen

Markus Loh, Stiftung viamedica, hat am Beispiel einer Aluminiumschüssel gezeigt, dass Mehrweg wesentlich nachhaltiger und auch kostengünstiger ist und dass es sich lohnt die Prozesse im Einrichtungsalltag dahingehend zu überdenkenund auf den Prüfstand zu stelen. Andererseits haben Untersuchungen der Firma Dräger ergeben, dass bei bestimmten Artikeln auch das Einwegprodukt nachhaltiger sein kann, z.B. Beatmungsschläuche. Für die ökologische Vergleichbarkeit zwischen Einweg und Mehrweg sollten Krankenhäuser alle Umwelteffekte berücksichtigen und den gesamte Lebenszyklus der Produkte im Blick haben – von der Herstellung, der Verwendung, über die Desinfektion und Sterilisation bis zur Entsorgung). Ebenso braucht es eine genaue Analyse der gebrauchten Rohstoffe, Energie, der Transportwege usw. – für jedes Produkt.

Hindernis: Datenverfügbarkeit

Neben der Finanzierung und gesetzlichen Anforderungen ist die Verfügbarkeit von Daten bzw. Informationen für Kliniken noch ein Hindernis, um zu starten. Das beginnt beim Know-how zu Nachhaltigkeit und endet bei der Verfügbarkeit von Informationen zu Produkten in ihren Lieferketten. Das globale Angebot erschwert es, die nötige Transparenz zu schaffen. Plattformen, die diese wichtigen Daten liefert, sind ein guter Start für Transparenz und Vergleichbarkeit. Die Digitalisierung ist laut einem Fazit auf dem ZUKE Green auch als Enabler für mehr Nachhaltigkeit zu sehen, der es ermöglicht, die notwendigen Daten zur ökologischen Optimierung zu analysieren.

Die Teilnehmenden erhalten im Anschluss an den Kongress im internen Bereich der Kongress-Webseite weitere Inputs und Insights aus der Nachhaltigkeitspraxis zur Verfügung gestellt, u.a. vom Nachhaltigkeitsmanager der Dr. Becker Kliniken. Alle weiteren Informationen rund um den ZUKE Green gibt es mit einem Klick hierauf.

Kontakt zum Autor:
Stefan Krojer, ZUKE Green, Kontakt: office@zuke-green.de