AOK erweitert Angebot für Migranten „Multikulti“ auch in der Selbsthilfe

Menschen mit Migrationshintergrund nutzen deutlich seltener Angebote der Selbsthilfe. Die AOK geht deshalb neue Wege: „Wir sehen eine wichtige Aufgabe der Integration darin, Menschen mit Migrationshintergrund einen guten Zugang zu den Angeboten des Gesundheitssystems zu ermöglichen“, sagte Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. Als Ansporn hat der AOK-Bundesverband gemeinsam mit der Ärztekammer Berlin und der AOK Nordost den Berliner Gesundheitspreis zum Thema „Migration und Gesundheit“ ausgelobt.

Auf dem Podium der AOK-Selbsthilfe-Fachtagung diskutierten (v.li.) Derya Karatas, Aynur Celikdöven, Prof. Dr. Hajo Zeeb, Hans-Bernhard Henkel-Hoving, Azra Tatarevic und Nurten Ataman. – © AOK-Bundesverband

Überdie Frage „Multikulti in der Selbsthilfe – nur ein Traum?“ diskutierten letzten Freitag etwa 130 Experten und Vertreter von Selbsthilfeorganisationen auf der 12. Fachtagung im AOK-Bundesverband in Berlin. Im Mittelpunkt standen dabei u.a. chronische Erkrankungen.

Angebote und Selbsthilfe bisher kaum bekannt

Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, auf der AOK-Selbsthilfe-Fachtagung am 25. November 2016 in Berlin. – © AOK-Bundesverband

„Die Selbsthilfe hat einen großen Anteil daran, dass sichdie Gesundheitskompetenz von chronisch kranken und behinderten Menschen verbessert hat“, lobte Claudia Schick das Engagement der Aktiven. Die Referentin für Selbsthilfe im AOK-Bundesverband bedauerte, dass chronisch kranke und behinderte Menschen mit Migrationshintergrund oder Flüchtlinge bislang deutlich seltener Unterstützung in einer Selbsthilfegruppe suchen als Einheimische.

Die Gründe dafür seien vielfältig: Viele Zuwanderer würden solche Angebote aus ihrer Heimat nicht kennen, könnten mit dem Begriff „Selbsthilfe“ nichts anfangen oder sich nicht vorstellen, in einer Selbsthilfegruppe über ihre Krankheit oderdie eines Familienmitglieds zu sprechen. Eine Rolle spiele auch, dass das Verhältnis zum eigenen Körper, zur Gesundheit und der Umgang mit Krankheit kulturell geprägt sei, heißt es im Nachbericht auf der AOK-Homepage. So sähen manche Zuwanderer Krankheit als Schicksal an oder seien der Meinung, dass nur ein Arzt ihnen helfen könne, aber kein Laie.

Mehr Unterstützung durch neue Gruppen und Informationen

Die AOK will daher ein Umdenken erreichen. Zum einen ruftdie Krankenkasse Migrantenorganisationen auf, Gruppen zu gründen; zum anderen unterstützt sie Selbsthilfeorganisationen dabei, Infomaterial und Beratungsangebote auch in anderen Sprachen anzubieten und Mitstreiter aus unterschiedlichen Kulturkreisen zu gewinnen. Außerdem lädtdie Gesundheitskasse Betroffene mit Migrationshintergrund ein, sich bestehenden Gruppen anzuschließen.

Die AOK bietet bereits spezielle Informationen an – etwa das Zuwandererportal, die AOK-Vorsorge-App und sogenannte Faktenboxen zu Themen wie Impfen oder Krebsvorsorge in mehreren Sprachen. „Wir sind auf einem guten Weg, uns Zuwanderern zu öffnen“, resümierte Schick.

© AOK-Medienservice

Gesundheitspreis „Migration und Gesundheit“ ausgelobt

Neu ist auch, dass der AOK-Bundesverband gemeinsam mit der Ärztekammer Berlin und der AOK Nordost den Berliner Gesundheitspreis zum Thema „Migration und Gesundheit“ ausgelobt hat.

Ausführliche Informationen zur Tagung finden Sie auf der Internetseite des AOK-Bundesverbandes .