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Monitor Patientenberatung: Patienten fühlen sich allein gelassen

Krank, nicht arbeitsfähig und in Sorge um die eigene Existenz. Denn beim Thema Krankengeld fühlen sich viele Patienten von den Krankenkassen unter Druck gesetzt. Doch der Monitor Patientenberatung legt noch andere Probleme im deutschen Gesundheitssystem offen.

Bei behandelnden Ärzten und Krankenkassen fühlen sich Patienten nicht immer gut aufgehoben. Viele von ihnen suchen bei der Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPF) rat. 80.000 Beratungsgespräche wurden nun im Rahmen des Monitor Patientenberatung 2014 untersucht. Das Ergebnis: Patienten fühlen sich allein gelassen, betrogen und viele haben Angst.

"Der Bericht spiegelt wider, wie Patienten das Gesundheitssystem erleben", sagt UPD-Geschäftsführer Sebastian Schmidt-Kaehler. Er übergab den Report in Berlin an den Patientenbeauftragten der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann.

Die häufigsten Themen in der Beratung

Das Thema, zu dem mit 28.000 Mal am häufigsten beraten wurde, waren die Ansprüche gegen die Kostenträger. Hier ging es vor allem um Krankengeld und stationäre medizinische Rehabilitation.

Bei den erfassten Diagnosen der Patienten dominierten psychische Erkrankungen. Mit fast 15.000 Gesprächen nahmen die Beratungen zu Patientenrechten im Vergleich zum Vorjahr deutlich zu. Themen waren dabei vor allem die Einsicht in die Krankenakte und die Zweitmeinung. Dritter größerer Bereich waren die Geldforderungen der Patienten. Dabei ging es vor allem um Mehrkostenvereinbarungen mit dem Zahnarzt, Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) von Fachärzten sowie Beitragsschulden von Patienten.

Patienten fühlen sich allein gelassen und betrogen

"Unser komplexes Gesundheitswesen kann überforderte Patienten immer weniger unterstützen – sei es infolge von Zeitmangel oder administrativen Vorgaben", betont Schmidt-Kaehler. Was bleibe, sind Patienten mit dem Gefühl, nicht zu bekommen, was ihnen zusteht. "Sie fühlen sich allein gelassen, betrogen und viele haben Angst", so Schmidt-Kaehler. Information und Aufklärung seien daher das Querschnittsthema überhaupt.

Laumann: Handlungsbedarf beim Krankengeld

Für Staatssekretär Laumann liefert der UPD-Bericht wichtige Hinweise: "Beim Anspruch auf Krankengeld gibt es ganz offensichtlich Handlungsbedarf bei den Krankenkassen." Mitarbeiter von Kassen dürften nicht bei einem Erkrankten anrufen und fragen, wann er wieder arbeiten könne. Es sei Sache des GKV-Spitzenverbandes, das abzustellen.

Der Monitor Patientenberatung zeigt jedoch, dass sich viele Patienten beim Thema Krankengeld von den Krankenkassen unter Druck gesetzt fühlen. Sind Patienten länger arbeitsunfähig und ihnen womöglich der Arbeitsplatzverlust droht, melden sich laut Report bei vielen Patienten auch noch die Krankenkassen. Folgt auch noch die Ablehnung des Krankengeldes durch die Krankenkassen, empfinden Patienten das als Bedrohung. Schließlich geht es um ihre wirtschaftliche Existenz.

Nach Ansicht von Laumann ist es zudem unhaltbar, dass Ärzte Patienten erst dann ins Wartezimmer ließen, wenn sie sich mit einer IGeL-Behandlung einverstanden erklärten. "Die Selbstverwaltung muss dafür sorgen, dass so etwas nicht einreißt und dass solche Einzelfälle korrigiert werden", so der Patientenbeauftragte der Bundesregierung. Ein weiteres großes Problem sei für viele Bürger laut Bericht zudem die Einsichtnahme in ihre Patientenakten. Dabei sei das durch das Patientenrechtegesetz klar geregelt. "Das muss endlich von allen Ärzten akzeptiert und umgesetzt werden", so der Staatssekretär weiter. Auch bei den Behandlungsfehlern müssten "alle, auch die Politik, prüfen, ob man die Verfahren nicht beschleunigen kann, damit die Menschen schneller zu ihrem Recht kommen".

Den vollständigen Monitor Patientenberatung 2014 finden Sie auf der Website der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland.

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