Hygiene -

Mit Zehn-Punkte-Plan gegen Krankenhauskeime

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will gegen die Entwicklung multiresistenter Keime vorgehen. Das Ministerium hat dafür jetzt einen Zehn-Punkte-Plan erarbeitet.

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Grund für den Vorstoß ist, dass ministeriumsintern mit einer Verschärfung des Problems gerechnet wird. Einerseits, weil mehr ältere und damit anfälligere Patienten in Kliniken kommen. Andererseits, weil die Zahl der Eingriffe und auch die Zahl der Keime steigt. Darüber hinaus sind bisherige Maßnahmen dem Papier zufolge, das der Presseagentur Gesundheit vorliegt, nicht ausreichend. Hygiene, Qualitätssicherung und Transparenz würden noch immer nicht mit der "nötigen Priorität" angegangen, wenn es um Infektionen gehe, die durch eine Behandlung in den Kliniken ausgelöst werden, heißt es.

Das Ministerium schlägt nun vor, dass das Robert Koch-Institut (RKI) stärker in die Kontrolle der Krankenhäuser einbezogen werden soll. Zu prüfen sei auch, ob Patienten vor einem planbaren Krankenhausaufenthalt verpflichtend ambulant auf multiresistente Keime getestet werden sollten. Damit die Gesundheitsämter wertvolle Zeit zum Handeln gewinnen, sollen die Meldepflichten verschärft werden. "Mit der Änderung der Meldepflichtverordnung müssen gefährliche resistente Erreger, wie etwa multiresistente gram-negative Erreger (4MRGN) sowie Clostridium difficile, künftig bereits beim ersten Nachweis des Erregers gemeldet werden", heißt es.

Der Zehn-Punkte-Plan sieht auch vor, dass Krankenhäuser ihre Qualitätsberichte durch einen Zusatzteil mit verständlichen Patienteninformationen zu den Hygienestandards ergänzen müssen. Ärzte und Pflegepersonal sollen an verpflichtenden Fortbildungen teilnehmen. Geplant ist zudem, die versorgungsnahe Forschung zu intensivieren. Über einen Zeitraum von drei Jahren sollen verstärkt Forschungsvorhaben zu den Themen nosokomiale Infektionen und Antibiotika-Resistenz gefördert werden. Das Papier mahnt neben nationalen Schritten an, die Ausbreitung resistenter Erreger weltweit zu bekämpfen. Deutschland will das Thema bei den Treffen der sieben wichtigsten Industrienationen (G 7) erörtern.

Vorschläge für Finanzierung fehlen

Die Bundesärztekammer nennt den Zehn-Punkte-Plan "ehrgeizig". Präsident Prof. Frank Ulrich Montgomery bemängelt v.a., dass tragfähige Vorschläge für eine solide Finanzierung fehlen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) macht deutlich, dass Hygienefachpersonal Mangelware ist. DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum fordert, bei Personalförderprogrammen nachzujustieren und ein Investitionsförderprogramm aufzulegen, das baulich-räumliche und medizin-technische Ausstattungen zur Infektionsprophylaxe fördert. Darüber hinaus verlangt er die Korrektur bestehender Richtlinien mit dem Ziel, dass "eine deutliche Ausweitung der Screeningmöglichkeiten durch die niedergelassenen Ärzte möglich wird".

Nach Ministeriumsangaben sterben in Deutschland pro Jahr 12.000 bis 15.000 Menschen in Kliniken an multiresistenten Erregern.

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