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Psychiatrie-Mitarbeiter des Weimarer Klinikums initiieren Protestmittagspause Mehr Zeit und Personal für psychiatrische Patienten gefordert

Etwa 1,2 Millionen Menschen sind jährlich wegen einer psychischen Erkrankung auf eine stationäre Behandlung und damit auch auf fachkundiges Personal angewiesen. Zum 1. Januar 2020 soll eine neue Personalrichtlinie für psychiatrische, psychotherapeutische und psychosomatische Kliniken in Kraft treten. Diese ersetzt die 30 Jahre alte Personalverordnung Psychiatrie, die auf dem damaligen medizinischen Kenntnisstand basiert. Seitdem haben sich die therapeutischen Standards enorm weiterentwickelt.

Aus Sicht von Dr. Richard Serfling, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Sophien- und Hufeland-Klinikum, ist die neue Personalverordnung unzureichend. Er unterstützt gemeinsam mit seinem Team eine Petition, die der „Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen“ an den Deutschen Bundestag gerichtet hat. In einer Protestmittagspause haben rund 50 Mitarbeiter der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie auf die Missstände der neuen Regelung aufmerksam gemacht. Sie fordern neben einer zukunftsfähigen Personalbemessung eine schlankere Dokumentation und mehr Zeit für die Behandlung der Patienten. „Die neue Richtlinie können wir nicht akzeptieren. Sie sieht zwar eine Personalaufstockung um drei Prozent vor, doch gleichzeitig kommt es zu einer gewaltigen Vermehrung der Dokumentation, die alle Berufsgruppen betrifft und damit mehr personelle Kapazitäten bindet, als die Aufstockung vorsieht. Dadurch würde noch weniger Zeit für Gespräche mit psychisch kranken Menschen zur Verfügung stehen“, erklärt der Chefarzt.

Schlüssel zum Behandlungserfolg

Sollten tatsächlich die geplanten Dokumentationspflichten und die Qualitätsanforderungen an die Behandlungen umgesetzt werden, dann wäre aus Sicht des Mediziners eine Personalaufstockung um 20 Prozent vonnöten. „Während es vor einigen Jahrzehnten noch üblich war, psychiatrische Patienten zu verwahren, sehen die aktuellen Leitlinien umfassende Behandlungen, etwa in Form von Gesprächstherapien, vor. Der wichtigste Schlüssel zum Behandlungserfolg liegt darin, ausreichend Zeit für die Patienten zu haben.“ Auch um angespannte Situationen zu deeskalieren oder um Zwangsmaßnahmen zu minimieren, seien genügend Zeit und Personal unerlässlich. Darüber hinaus führt der Mediziner einen weiteren Aspekt an: „Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, sollten wir attraktive Arbeitsbedingungen gewährleisten – doch mit der neuen Richtlinie ist das Gegenteil der Fall.“

Die Petition zielt auf eine verbindliche Weiterleitung der Richtlinie ab. Damit sie in öffentlicher Sitzung des Petitionsausschusses des Bundestags behandelt wird, sind bis zum 24. Dezember 50.000 Unterschriften erforderlich.

Weitere Information erhalten Sie über die Internetseite des Weimarer Klinikums.

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