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Studie Mehr als 3,7 Millionen Krankenhausfälle vermeidbar

Mit einer optimal koordinierten Versorgung lassen sich rund ein Fünftel aller Krankenhausfälle in Deutschland vermeiden. Zu diesem Ergebnis kommt Prof. Dr. Leonie Sundmacher, Gesundheitsökonomin an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), in einer Forschungsarbeit. Schlüsselrolle kommt dabei der Ambulanz zu.

Bei guter ambulanter Behandlung können Klinikaufnahmen weitgehend vermieden werden. Bei welchen Diagnosen das v.a. zutrifft, hat die Leiterin des Fachbereichs Health Services Management an der LMU-Fakultät für Betriebswirtschaft, Prof. Dr. Leonie Sundmacher, erstmals für Deutschland in einer Liste zusammengestellt. Diese Fälle werden als „ambulant-sensitive Krankenhausfälle“ (ASK) bezeichnet. Die an der dafür durchgeführten Studie beteiligten Experten schätzen rund ein Fünftel der stationären Behandlungen in deutschen Krankenhäusern als verzichtbar ein – Sundmacher zufolge kosten diese jährlich etwa 7,2 Milliarden Euro.

Welche Diagnosen sind betroffen?

Für die Studie wurden 40 Ärzte aus mehr als 15 Fachrichtungen aus dem ambulanten und stationären Bereich sowie aus dem städtischen und ländlichen Raum ausgewählt. Diese benannten 40 ambulant-sensitive Diagnosegruppen. Davon wurden 22 in einen Kernkatalog aufgenommen. Zum Katalog gehören:

  • Ischämische Herzkrankheiten (von 426.000 Fällen 260.000 vermeidbar – 61 Prozent),
  • Bronchitis und COPD (245.000 von 320.000 Fällen vermeidbar – 76 Prozent).
  • Bei Rückenbeschwerden wird der Anteil vermeidbarer Fälle sogar auf 81 Prozent geschätzt.
 

Zugrunde liegen Zahlen aus dem Jahr 2012. Es handelt sich um die erste umfassende Liste für Deutschland, die Bedeutung einer solchen Übersicht hatte der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen bereits 2012 betont.

Voraussetzung: die Kommunikation

Gefragt wurden die Beteiligten auch, durch welche systemischen Maßnahmen ASK am wirksamsten vermieden werden könnten. Die höchste Übereinstimmung gab es bei der Kategorie: kontinuierliche Behandlung verbessern. Dazu gehören laut Sundmacher die

  • intra- und intersektorale Kommunikation und Koordination,
  • die Telematik,
  • der Ausbau der integrierten Versorgung oder
  • das Qualitätsmanagement.
Es folgen die Kategorien: Erreichbarkeit verbessern und medizinische Unsicherheit reduzieren.

„Der deutsche ASK-Katalog ist der jüngste und daher international der umfangreichste“, stellt Dr. Dominik von Stillfried, Geschäftsführer des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi), fest. „Er zeigt Wege auf, wie die Krankenkassen trotz Alterung der Bevölkerung langfristig entlastet werden können.“ Der Katalog benenne hierfür entsprechende Handlungsfelder. Das Zi hat die Forschungsarbeit mit 72.000 Euro gefördert.

Ein Plädoyer für die ambulante Versorgung

Für Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), ist das Gutachten „ein klares Plädoyer für die Öffnung der Krankenhäuser z.B. für die ambulante spezialärztliche Versorgung und die Versorgung geriatrischer Patienten in entsprechenden Institutsambulanzen“.

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