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Über den Wachstumsmotor des 21. Jahrhunderts Megatrend Gesundheitswirtschaft

Bisher haben Wellen technologischer und sozialer Neuerungen der globalen Ökonomie zu wiederholten Wachstumsschüben verholfen. Seit dem letzten Jahrzehnt kommt ein neuer Megatrend auf, der das physische und psychische Wohlergehen des Menschen in den Mittelpunkt stellt: die moderne Gesundheitswirtschaft.

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Paradoxerweise bestehen in den weit entwickelten und hochtechnisierten Ökonomien ein in der Geschichte nie dagewesenes Wohlstandsniveau und zugleich ein enges Netz an öffentlicher Gesundheitsversorgung. Letzteres reicht jedoch immer weniger aus, um den immer komplexer werdenden Anforderungen des modernen Alltags- und Arbeitslebens an die menschliche Physis und Psyche sowie den Herausforderungen durch den demografischen Wandel Herr zu werden.

Das derzeitige Gesundheitswesen steht vor großen Herausforderungen: Der medizinisch-technische Fortschritt sowie die Demografie führen dazu, dass die bruttopflichtigen Einnahmen und die Leistungsausgaben immer weiter auseinander gehen. Als Konsequenz entsteht eine stark wachsende Nachfrage nach ­Diagnose-, Behandlungs-, Therapie- und Pflegeleistungen sowie nach mehr und immer neueren Medikamenten und medizintechnischer Ausstattung und somit nach immer mehr hochqualifiziertem medizinischen Personal.

Die sektorale Trennung und mangelhafte Koordination trägt ebenso zur angebotsinduzierten Nachfrage, rekordverdächtigen Operationszahlen und auch zur Multimedikation bei. Darüber hinaus gibt es ein veraltetes Wissen, fehlende Evidenz und Hinterfragung von Routinen, Zeitmangel, Defensivmedizin, Ignoranz von Patientenbedürfnissen, Ressourcenverschwendung, Lobbyismus und Unterordnung von Qualität, um noch ein paar weitere Effizienzreserven zu nennen.

DER NÄCHSTE KONDRATJEW-ZYKLUS

Die Hypothese, dass die Gesundheitswirtschaft im 21. Jahrhundert eine ökonomische Leitfunktion und somit eine zentrale Stellung als Wachstumsmotor einnehmen wird, wurde erstmalig von dem Ökonomen und Zukunftsforscher Leo A. Nefiodow aus einer globalen Perspektive untersucht. Mit Bezug auf die deutsche Gesundheitswirtschaft lässt sich diese Hypothese durch eine Analyse zentraler statistischer Eckdaten, insbesondere der Wertschöpfungs- und Beschäftigungsentwicklung, untermauern: So belief sich die Bruttowertschöpfung der Gesundheitswirtschaft in Deutschland im Jahr 2016 auf fast 340 Milliarden Euro. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) und das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) mitteilen, entspricht dies einem Anteil von etwa zwölf Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Somit wurde mehr als jeder achte Euro für Gesundheit ausgegeben. Im Vergleich zu 2015 stieg diese Bruttowertschöpfung um 13,4 Milliarden Euro, was einem Wachstum von rund vier Prozent entspricht. Damit war die Wachstumsrate der Gesundheitswirtschaft in Deutschland das fünfte Jahr in Folge höher als die der Gesamtwirtschaft. Auch lag die durchschnittliche Wachstumsrate der Gesundheitswirtschaft mit 3,8 Prozent zwischen 2005 und 2015 höher als die der vergleichbar großen Wirtschaftszweige des verarbeitenden Gewerbes (durchschnittlich 2,8 Prozent) und des Dienstleistungssektors (durchschnittlich 2,6 Prozent). Damit lässt sich ein deutlicher Trend hin zu einem höheren gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfungsanteil der Gesundheitswirtschaft in Deutschland erkennen.

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