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Über die Innovationspartnerschaft eines Kommunalen Krankenhauses Medizintechnik mit Extras

Für den kaufmännischen Geschäftsführer des Städtischen Klinikums Münchens, Dietmar Pawlik, ist die im Mai 2018 gestartete Partnerschaft mit Philips eine wichtige Weichenstellung für die digitale Zukunft des Hauses und die Steigerung der Qualität. Ein Einblick in den Start einer Systempartnerschaft, die Innovationen heben soll.

Topic channels: Medizintechnik, Digitalisierung und Klinikmarktentwicklung

Die Fakten: Nach der europaweiten Ausschreibung im zweiten Quartal 2017 hat das Städtische Klinikum München Philips im Mai 2018 den Zuschlag für die Systempartnerschaft gegeben. Über einen Zeitraum von acht Jahren sollen mehr als 300 diagnostische Systeme erneuert werden. Das Volumen des europaweit ausgeschriebenen Verfahrens lag bei 100 Millionen Euro, 67 Millionen davon sind für die Geräteanschaffung eingeplant, der Rest entfällt auf die Wartungsgebühren und Dienstleistungen. Die Mindesteinsparung auf die gesamte Laufzeit gesehen wurde mit 15 Prozent beziffert.

Dietmar Pawlik, kaufmännischer Geschäftsführer, war federführend an der Organisation der Systempartnerschaft für die bildgebende Diagnostik, einer von sechs Medizintechnikbereichen des Hauses, beteiligt. Sie ist die erste ihrer Art am Städtischen Klinikum München und laut Pawlik treffender als Innovationspartnerschaft zu bezeichnen. Denn es gehe dabei um mehr als den reinen Austausch von Medizintechnikgeräten, nämlich um das Schöpfen aus externem Expertenwissen, das Heben neuer Potenziale in der Digitalisierung, der Wirtschaftlichkeit sowie der Qualitätssteigerung und der Mitarbeiterbefähigung.

Die Erweiterung des europäischen Vergaberechtes 2016 erlaubte es dem Haus, die ersehnte verhandelbare Partnerschaft mit der Industrie zu suchen, die sich gänzlich nach dessen medizinischem (Zukunfts-)konzept richtet. „Für die Verhandlungen haben wir zeitweise unsere Chefärzte der Kardiologie, der Radiologie und anderer beteiligter Abteilungen an den Tisch geholt und sie in den Gestaltungsprozess miteinbezogen“, sagt Pawlik. Ein aufwendiger Prozess, der zwar Ressourcen und Zeit gekostet hat, doch durch den Charakter des gemeinsamen Diskurses eine hocheffiziente Vertragsgrundlage geschaffen hat, die auf den Anforderungen beider Seiten gründet. Das Resultat ist ein Commitment der Einrichtung und Philips zur Erfüllung gemeinsamer Ziele im Sinne der Prozessoptimierung und Qualitätssteigerung des Hauses, die in einer detaillierten Planung definiert worden sind. Ein Beispiel ist die Radiologie: Workflow und Schnittstellenmanagement sollen künftig übergreifend an den Standorten Bogenhausen, Schwabing, Neuperlach und Harlaching mit einer einheitlichen Software unterstützt werden. Das soll eine schnellere Diagnostik mit weniger Folgeuntersuchungen und kürzeren Wartezeiten für die Patienten ermöglichen.

Laut Pawlik eine „wesentliche Grundlage dafür, wenn man als Haus digital werden möchte“. „Ich bin nicht bereit, in Schnittstellen eines heterogenen Systems zu investieren. Es macht viel mehr Sinn, auf Homogenität und eine Systemfamilie zu setzen und diese kontinuierlich aufzubauen. Ich möchte nicht mehr darüber nachdenken müssen, wie eine Information von einem Gerät zu den Ärzten kommt.“ Durch die Bindung an einen festen Partner könne das gelingen und habe zusätzlich den Vorteil noch vor der offiziellen Markteinführung davon zu erfahren, wenn neue Techniken einsatzfähig werden. Ein Aspekt, der so im normalen Anschaffungsprozess nicht gegeben sei, aber einen wichtigen Wettbewerbsvorteil bringen kann.

Taktgeber bleibt die Klinik

Angst vor einer Industrieabhängigkeit hat Pawlik nicht. „Natürlich sind wir in gewisser Weise aneinander gebunden und in der Laufzeit von acht Jahren kann vieles passieren – aber für Krisenfälle sind Vorgehensweisen vertraglich geregelt. Generell gilt zusätzlich, dass wir als Geschäftsführung immer die finale Entscheidung darüber behalten, welche Techniken tatsächlich implementiert werden“, sagt Pawlik. Dass sich durch die Bindung an Philips andere Hersteller vom Haus abwenden könnten, wird nach Pawliks Einschätzung nicht geschehen. Vielmehr habe er bereits beobachtet, dass die Partnerschaft aufmerksam beobachtet werde und auf Interesse stoße. Die Klinikleitung pflegt weiter den Kontakt mit anderen Industrieunternehmen, auch zu denen, die im Vergabeprozess gegen Philips verloren haben. Für diese wird Pawlik einen Workshop organisieren, in dem die Einrichtung ihren Entscheidungsprozess offen darlegen wird. „Beide Seiten haben viel Arbeit in den Ausschreibungs- bzw. Bewerbungsprozess investiert – diese gilt es wertzuschätzen und mit fairem Feedback anzuerkennen“, so der Geschäftsführer.

Neue Rollenverteilung

Weiterer positiver Nebeneffekt: Für die Einrichtung fällt das Erstellen einer Vertragsorganisationsstruktur weg. Das sorgt in der Beschaffungsabteilung für Entlastung und Ressourcen, die in anderen Bereichen gebraucht werden. Eine Entwicklung, die zugleich ein Beispiel dafür ist, dass sich mit der Partnerschaft Veränderung in den Rollen der Mitarbeiter ergeben – nicht nur auf Klinikseite. Mental seien die betreuenden Experten von Industrieseite Mitarbeiter des Klinikums, so Pawlik. Für die Klinikmitarbeiter eröffnet sich externes Expertenwissen, dass sie zum Wohl der Patienten sinnvoll in die Behandlungsabläufe integrieren können. Wenn die ersten Geräte Ende 2018 ausgetauscht werden, wird HCM wieder berichten. bf

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