Telemedizin -

Medizinische Qualität und wirtschaftlichen Erfolg durch E-Health

Digital Health und Big Data sind Themen, die die Gesundheitsbranche bewegen. Auch beim MARA-Kongress 2015 in Bonn stehen sie auf der Agenda. Der Medizinökonom Prof. Dr. Dr. von Eiff erläutert vorab, was E-Health in puncto medizinischer Qualität und wirtschaftlichem Erfolg bringt.

Themenseite: Telemedizin

Auch vor den Krankenhäusern macht der rapide Anstieg des Datenvolumens nicht halt. Big-Data-Anwendungen medizinischen Bereich zielen darauf ab, die diagnostische Präzision zu erhöhen, die Zeit zwischen Primärdiagnose und Therapie zu verkürzen sowie die therapeutische Präzision zu steigern.

Der immer größer werdenden Datenflut begegnen immer mehr Krankenhäuser mit der Konsolidierung ihrer IT-Infrastruktur. Hierbei werden Server- und Desktopsysteme sowie Anwendungen und Datenbestände vereinheitlicht und zusammengeführt. Das Ziel sei laut des Medizinökonom Prof. Dr. Dr. Wilfried von Eiff von der HHL Leipzig Graduate School of Management die Flexibilisierung der IT-Infrastruktur, indem man physische Systeme reduziert und durch virtuelle ersetzt. Dies bringt neben den Vorteilen für den Patienten einen konkreten monetären Nutzen, der sich u.a. durch die Reduzierung von Schnittstellen oder des Wartungsaufwands der IT-Infrastruktur ausdrückt.

Neben der technischen Seite der Konsolidierung der Healthcare-IT weist von Eiff auf die nutzenorientierte Seite hin. "Da verlassen wir die Sphären der klassischen Krankenhaus-IT-Systeme und gehen über zu neuen bis hin zu wirklich innovativen Technologien", sagt der Krankenhausökonom. Im Kontext von Digital Health nennt von Eiff das Beispiel der elektronischen Gesundheitskarte.

Die Vor- und Nachteile der Elektronischen Gesundheitskarte

Vorteile sieht der Medizinökonom u.a. in der Reduzierung der Behandlungskosten durch die Vermeidung von Doppeluntersuchungen sowie der zielorientierten, medizinisch geeigneten Behandlung durch die Verfügbarkeit von Laborbefunden, bildgebenden Daten und Verlaufskontrollen wichtiger Parameter. Kosteneinsparungen könnten durch die direkte Abrechnung zwischen Ärzten, Apothekern und Krankenkassen – Schätzungen gehen von etwa 200 Mio. Euro pro Jahr aus – sowie durch die Vermeidung von geschätzten jährlich einer Milliarde Euro Versicherungsbetrugs realisiert werden. "Die Kosten der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte werden mit circa. 1,5 Mrd. Euro beziffert. Demgegenüber gehen Experten davon aus, dass durch die elektronische Gesundheitskarte Einsparungen im erreichbar sind, die einer Reduktion des Beitragssatzes der gesetzlichen Krankenversicherung in Höhe von 3,7 Prozentpunkten entspricht", sagt von Eiff.

Die Realisierungshindernisse bei der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte wie auch einer auf Konsolidierung, Integration und Prozessorientierung ausgerichteten IT-Strategie liegen nach Einschätzung des Krankenhausökonomen in den Bereichen ungeklärte Finanzierung, Datensicherheit sowie Umsetzungshindernisse.

Was mit der Elektronischen Gesundheitskarte möglich sein könnte

So führten laut von Eiff ungeklärte Finanzierungsfragen dazu, dass einzelne Gruppen (z.B. niedergelassene Vertragsärzte, Kostenträger) befürchteten, die Finanzlast alleine stemmen zu müssen und von daher ablehnendes Verhalten – trotz sachlicher Richtigkeit eines Konzepts - zeigten. Bestes Beispiel sei die elektronische Gesundheitskarte, die in der Variante der Versichertenkarte eingeführt, aber weit entfernt von den Möglichkeiten sei, die sie birgt, um

  • diagnostische und therapeutische Effektivität zu erhöhen,
  • Patientenrisiken zu senken und
  • Wirtschaftlichkeitseffekte, z.B. in Form der Vermeidung von Doppeluntersuchungen oder der Behandlung chronisch Kranker, zu zeigen.

Die einseitige Überbetonung des Datenschutzes in Deutschland hält von Eiff für ein weiteres Realisierungshindernis. "Überspitzt formuliert gilt in Deutschland der Grundsatz ‘Datenschutz vor medizinischer Behandlungseffektivität und klinischen Patientenrisiken‘. Die Furcht vor dem Missbrauch sensibler Daten durch Arbeitgeber oder Versicherer wiegt oft höher als der Nutzen für den individuellen Patienten im Notfall", so der Krankenhausökonom. Die Diskussion um die Vorratsdatenspeicherung in Deutschland zeige, wie Ideologie beladen und unsachlich die Debatte geführt würde.

10. MARA-Kongress in Düsseldorf

Hindernisse sieht von Eiff aufgrund der mit der Umsetzung innovativer IT-Strukturen verbundenen veränderten Arbeitsprozesse, Formen der Zusammenarbeit sowie Berufsbildstrukturen. Solche grundlegenden Veränderungen erzeugten bei den betroffenen Mitarbeitern Ängste, die zu Realisierungswiderständen führen. Hilfreich könnten hier nach Einschätzung des Medizinökonomen Change-Management-Interventionen sein. Sie würden seiner Ansicht nach gerade in Institutionen des Gesundheitswesens noch viel zu wenig genutzt mit der Begründung, sie seien zu zeitaufwendig und zu teuer. Erfahrungen aus der Industrie zeigten aber, dass gerade mit Interventionen wie Open Space, Try Out, Produktklinik, Benutzer-Service sowie Key-User-Unterstützung Prozesse grundlegenden organisatorischen Wandels beherrschbar seien.

Mara-Kongress 2015
Der Management- und Strategie-Kongress findet am 18. Und 19. September 2015 in Bonn statt und richtet sich insbesondere an Politiker, Geschäftsführer, leitende Ärzte, Radiologe, Kassenvertreter und Industrierepräsentanten. Weitere Infos zur Veranstaltung finden Sie unter www.ioe-wissen.de.
© hcm-magazin.de 2021 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar angeben zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen