Personal&Führung -

Onlinekolumne Mechatroniker in der Pflege

In dieser Kolumne beschäftigt sich Eckhard Eyer mit der Frage, warum die Verdienste von Pflegefachkräften mit denen von Mechatronikern und nicht mit denen von Erziehern, Werkzeugmachern oder Kfz-Handwerkern verglichen werden. Könnte ein Grund darin liegen, dass zukünftig wegen der Pflege 4.0 verstärkt Medizin-Mechatroniker in der Gesundheitswirtschaft eingesetzt werden?

In den letzten Monaten lese ich häufiger in Fachartikeln und Newslettern das Ergebnis von Vergütungsstudien zwischen Mitarbeitern in der Pflege und Mechatronikern. Ich fragte mich, warum die Verdienste von Pflegefachkräften mit denen von Mechatronikern und nicht mit denen von Erziehern, Werkzeugmachern oder Kfz-Handwerkern verglichen werden. Könnte ein Grund darin liegen, dass zukünftig – aufgrund der Pflege 4.0 – Medizin-Mechatroniker verstärkt in der Gesundheitswirtschaft eingesetzt werden?

Mechatroniker –die Edelfacharbeiter der Industrie

Ich rinnerte mich dann, dass die Mechatroniker die „Edelfacharbeiter“ in der Metall- und Elektroindustrie (M+E-Industrie) sind. Für diese hochqualifizierten Mechatroniker, d.h. Mitarbeiter mit einer Ausbildung als Mechaniker und Elektroniker wurde im Lohnrahmentarifvertrag Nordwürttemberg-Nordbaden in den 1980er Jahren der Tarifvertrag um das Berufsbild des Hybridfacharbeiters – eben dem Mechatroniker – ergänzt und eine zusätzliche, höhere Lohngruppe eingeführt. Mittlerweile wurde das Berufsbildungsgesetz weiterentwickelt und aus den ursprünglich zwei Ausbildungsabschlüssen die des Mechatronikers entwickelt. Der Mechatroniker steht – historisch und aktuell – in der öffentlichen Wahrnehmung für einen klassischen, hochqualifizierten Männerberuf und die „Männerbranche“ der Metall- und Elektroindustrie. So gesehen wird die Wahl des Mechatronikers für den Vergleich plausibel, ja geradezu genial, wenn sich zeigen sollte, dass in dem „Männerberuf“ Mechatroniker in der „Männerbranche“ Metall- und Elektroindustrie nicht mehr verdient wird, als in der „Frauenbranche“ Pflege.

Kognitive Dissonanzen führen zur Aktivität

Die mir vorliegenden Vergütungsstudien zeigen, dass die Pflegefachkräfte mit erfolgreich abgeschlossener dreijähriger Ausbildung im Vergleich zu den Mechatronikern relativ gut verdienen, d.h. die Pflegefachkräfte verdienen in den Studien – insbesondere nach einer 15-jährigen Berufserfahrung – etwa gleich viel. Die Grundverdienste der Pflegefachkräfte in den verschiedenen Studien entsprechen sich im Wesentlichen. Die Vergütung der Mechatroniker differiert in den Studien um circa 33 Prozent, was ebenso nachdenklich macht wie der Hinweis in einer Studie, dass die Berücksichtigung der durchschnittlichen Zulagen dazu führt, dass die Pflegefachkräfte mehr verdienen als die Mechatroniker. Die Aussage ist wahrscheinlich nicht falsch, aber wenn man bedenkt, dass die hohen Zulagen, die die Pflegefachkräfte erhalten, an die regelmäßigen Früh-, Spät- und Nachtschichten sowie an die Wochenendarbeit geknüpft sind, dann sieht das Bild schon anders aus. Mechatroniker haben im Handwerk als Kfz-Mechatroniker i.d.R. nur Tagschicht und in der Industrie arbeiten selten in der Nachtschicht und haben i.d.R. keinen Wochenenddienst.

Die Studie

Um meine kognitiven Dissonanzen zu beseitigen, führte ich – aufgrund der vorliegenden Daten – eine ve rgleichende Vergütungsstudie zwischen Pflegefachkräften und Mechatronikern durch und legte das methodische Design fest. Berücksichtigt wurden zum einen die in den Vergütungsstudien genannten Vergütungen der Pflegefachkräfte, z.B. die vom Deutschen Caritasverband in Freiburg erarbeitete Studie über Grundentgelte, Stufenentgelte, das Leistungsentgelt und die Jahressonderzahlung aufgrund der AVR der Caritas. Zum anderen wurde die Eingruppierung von Mechatronikern im Handwerk und in der Industrie – nicht zuletzt in den Tarifverträgen der Metall- und Elektroindustrie – berücksichtigt.  

Um nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen, wurden neben den monatlichen Grundentgelten das durchschnittliche Leistungsentgelt  in Höhe von durchschnittlich zwei Prozent in der AVR Caritas und zehn Prozent (Basis Metall NRW), das tarifliche Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie die Arbeitszeit von z.B. 35 Stunden/Woche in der Metall- und Elektroindustrie berücksichtigt. Die vermögenswirksamen Leistungen, die Altersversorgung/Metallrente und die 30 Tage Urlaub im Jahr wurden bei dem Vergleich ausgeklammert.  

Ergebnis der Studie

Das Ergebnis der Studie für Pflegefachkräfte – hier habe ich mich an den Ergebnissen der erwähnten Studien aus dem Jahr 2017 orientiert – zeigt, dass die Pflegefachkräfte bei 40 Stunden/Woche in Westdeutschland ein durchschnittliches Monatsentgelt von 3.260 Euro bzw. 2.982,32 Euro haben, das entspricht inklusive Jahressonderzahlungen einem Jahresentgelt von 41.728,00 Euro bzw. 35.787,84 Euro.

Mechatroniker in Instandhaltung der M+E-Industrie Nordrhein-Westfalens hatten 2017 ein Einkommen von durchschnittlich 3.163,90 Euro bei 35 Stunden/Woche, d.h. von 3.615,89 Euro bei 40 Stunden/Woche – was tarifvertraglich möglich und nicht selten der Fall ist. Das entspricht bei 13,27 Monatsentgelten (12 Monatsentgelte; Urlaubsgeld: 0,72 Monatsentgelte;  Jahressonderzahlung: 0,55 Monatsentgelte) insgesamt 47.982,80 Euro im Jahr. Im Handwerk (z.B. dem Kfz-Handwerk) sind die Gehälter etwas geringer.

Fazit

Es ist nur schwer nachzuvollziehen, wie Vergütungsstudien, bei dem Vergleich der Vergütung von Pflegefachkräften und Mechatronikern, zu dem Ergebnis kommen, dass Mitarbeiter in der Pflege im Vergleich zu den Mechatronikern ähnlich viel – oder gar mehr – verdienen.

Es wird interessant sein zu beobachten ob und wenn ja wie, im Zuge der Pflege 4.0, die technischen Berufe, wie Medizin-Mechatroniker das Vergütungsgefüge in der Gesundheitswirtschaft verändern und wie zukünftige Entgeltsysteme die zunehmende Technisierung und Digitalisierung der Pflege berücksichtigen.

Kontakt zum Autor:
Dipl.-Ing. Dipl.-Kfm. Eckhard Eyer ist Gründer von Perspektive Eyer Consulting in Ockenfels, Kontakt: info@eyer.de, www.eyer.de

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