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Erfolgreiche erste „Wörlitzer Parkgespräche“ Maßnahmenkatalog für die Pflegepolitik

Unter dem Motto „Lust auf Zukunft – wie kann das Image der Pflege in der Gesellschaft nachhaltig verbessert werden?“ fanden Mitte Juni die ersten „Wörlitzer Parkgespräche“ statt. Auf der hochkarätig besetzten Veranstaltung der WiBU-Gruppe erarbeiteten die Teilnehmer einen Maßnahmenkatalog, der jetzt der Politik übergeben wurde.

Das Ziel im romantischen Wörlitz-Oranienbaum war hoch gesteckt: Konkrete Maßnahmen zu definieren, um das Image der Pflege endlich zu verbessern. Dazu hatte die WiBU-Gruppe als Initiatorin nach Sachsen-Anhalt geladen. Das Besondere war, dass die Teilnehmer – rund 40 Geschäftsführer und Vorstände der Pflegewirtschaft – verschiedenen Trägergesellschaften angehörten, ob frei gemeinnützig, privat oder kommunal. Die Diskussionen und Open-Space-Workshops dienten hier v.a. dazu, die Grenzen zu überwinden, Zukunft zu gestalten und sich v.a. zu verbünden.

Die inhaltliche Vorbereitung der Veranstaltung am Rande des Wörlitzer Parks (bekannt als UNESCO-Weltkulturerbe mit seinem Schloss und den Elb-­Seen) sowie die Moderation erfolgten durch Karla Kämmer und Friedrich Trapp von der Karla Kämmer Beratungsgesellschaft Essen. Nach einer Begrüßung durch die Gastgeber – André Scholz, Regionalleitung und André Prentkowski, Vorstand der WiBU Gruppe – und Grußworten des stellvertretenden Wörlitzer Bürgermeisters Ronald Seebert versammelten sich die Teilnehmer am nahegelegenen Boots-Landungssteg am See im Park. Hier wurde dem Leiter des Gartenreichs der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Michael Keller, vom WBU-Vorstand im Namen der Teilnehmer ein Scheck für eine Baumpflanzung im Park übergeben. Die Pflanzung wird als Symbol für den Start der Initiative „Lust auf Zukunft“ im Herbst im Wörlitzer Park vorgenommen. Keller informierte die Gäste über die Geschichte und Weiterentwicklung des Parks und spannte so den Bogen zur Pflegewirtschaft mit einer langen Tradition für Menschen und die beständige Anpassung an die fortwährenden Veränderungen in der Gesellschaft.

Den fachlichen Teil läutete Dr. Albert Weiler, MdB und Bürgermeister in der Region Jena, ein. In seinem Vortrag legte er dar, was die Politik für die Pflegewirtschaft bisher erreicht hat: Sie habe auf viele Fragen der Pflegeorganisation geantwortet und gäbe nun grünes Licht für eine gute Pflegezukunft in Deutschland. Es komme jetzt v.a. darauf an, wie die nächsten Schritte und Maßnahmen seitens der Politik aussehen sollen, um die Zukunft der Branche weiter zu sichern – diese Schritte und Maßnahmen sollten bei den „Wörlitzer Parkgesprächen“ von den Teilnehmern definiert werden. Das CDU-Mitglied appellierte an die Fachleute, dass es nun auch auf die Initiative der Pflegewirtschaft selbst ankäme, wie sie sich in der Gesellschaft zukünftig darstellen wird, um auf dieser Ebene eine nachhaltige Verbesserung des Images der stationären Pflege zu bewirken. Dr. Weilers Vortrag entfachte eine rege Diskussion, in der die Gäste die Gelegenheit nutzten, ihre Fragen und Anliegen direkt an den Vertreter der Politik zu richten. Er versicherte dem Auditorium, die konkreten Anliegen, die in den Workshops der Veranstaltung definiert werden würden, aktiv in den Bundestag mit einzubringen.

Im anschließenden Impulsvortrag unter dem Motto „Gemeinsam sind wir stolz und stark“ brachte Friedrich Trapp das Anliegen zum Ausdruck, mit dieser Veranstaltung eine gemeinsame Initiative zur Verbesserung des Images der Pflege zu starten. „Zersplitterung schwächt, nur zusammen sind wir stark! Die Politik soll uns begleiten, Zukunfts­impulse kommen von uns“, so Trapp. Seine Ansprache war überaus appellierend, poetisch, aber v.a. authentisch durch die eigene Vita, die ihn als Koryphäe und innovativen Unternehmensentwickler in der stationären Altenhilfe im Auftrag unterschiedlicher Träger beschreibt. Dieser Appell, den Trapp in Augenhöhe mit den Teilnehmern an diese richtete, bekam großen Zuspruch und Applaus, bildete zudem einen guten Übergang in die erste Runde der geführten Tischdiskussionen unter der Leitung von Karla Kämmer.

Am zweiten Tag waren die Teilnehmer eingeladen, gemeinsam mit den Referenten und Moderatoren in Gesprächsrunden und Open-Space-Workshops Maßnahmen zur Erreichung des gemeinsamen Zieles zu definieren. Kämmer startete den Workshopteil mit einer kritischen Status-quo-Betrachtung unter dem Titel „Disruptives Denken ist gefordert – machen Sie sich bewusst auf den Entwicklungsweg“. Dabei ging sie darauf ein, wie eine disruptive Innovation aussehen könnte: „Es geht um das Bewahren und Verändern, vom Säulendenken zum Netzwerk und um Führungskräfte als Vermittler der neuen Welt, in der die Digitalisierung eine große Rolle spielen wird.“ Danach folgten Impuls- und Best-Practice-Vorträge von Matthias Beine (Cultus Dresden), Matthias Sachse (ASB Zwickau), Malte Wulbrand (St. Seniorenheime Krefeld), Frank Zwinscher (BPA Sachsen) sowie Elisabeth Scharfenberg (Team Scharfenberg Rehau, vormals pflegepolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen). Dann wurde es spannend: Das Team von Karla Kämmer präsentierte die Ergebnisse der Workshoprunden. Das Maßnahmepapier, das an Dr. Weiler übergeben wurde, formuliert zum einen das Ziel, „gemeinsam stolz und stark“ zu werden, um „für alle Pflegenden und Pflegebedürftigen in der Gesellschaft neue Werte zu schaffen“. Zum anderen seien für die Zukunft der Pflege u.a. folgende Rahmenbedingungen seitens der Politik notwendig:

  • Eine Gesetzgebung für Seniorenheime, nicht 16 unterschiedliche Landesregelungen.
  • Gleiche Bewertung der Pflegebedürftigkeit bundesweit.
  • Gleiches, angemessenes Lohnniveau im Krankenhaus und in der Langzeitpflege.
  • Top Ausbildungsbedingungen, die das Arbeitsfeld attraktiv machen.
  • Gute Arbeitsbedingungen und Aufstiegschancen in der Altenpflege.
  • Mehr übergreifende Versorgungsstrukturen.
  • Eine Beitragsstabilität, die nicht zu Lasten der pflegebedürftigen Bürger geht.
  • Entkopplung der Gehälter vom Heimentgeld.
  • Refinanzierung der Gehälter durch den Kostenträger.

Um diese Forderungen zu unterstützen, wollen die Teilnehmer nun ihrerseits u.a. unkonventionelle Lösungen verfolgen, ihre Einrichtungen ins Quartier öffnen und Handlungsfelder vernetzen sowie Sektorengrenzen aufbrechen. Prentkowski bedankte sich im Namen der WiBU Gruppe und der Karla Kämmer Beratung mit den Worten: „Die Pflegewirtschaft ist einer der größten Arbeitgeber Deutschlands. Allein hier bei den ‚Wörlitzer Parkgesprächen‘ wurden von Ihnen rund 23.000 Mitarbeiter in der Pflege vertreten. Sie können stolz darauf sein, selbstbewusst und stark!“

Eine Fortsetzung der „Parkgespräche“ im Jahr 2019 ist bereits in Planung.

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