Klinik -

Maßnahmen der "Schmerzfreien Stadt Münster" senken postoperative Schmerzen zu akzeptablen Interventionskosten

Die postoperative Schmerztherapie verbessern – eines der Ziele des 2010 gestarteten, einzigartigen Versorgungsforschungsprojektes "Aktionsbündnis Schmerzfreie Stadt Münster". Wie Professor Dr. Esther Pogatzki-Zahn, Münster auf dem Deutschen Schmerzkongress in Mannheim nun zeigte, konnten Optimierungsmaßnahmen im Rahmen des Projektes postoperative Schmerzen bereits nach einer relativ kurzen Phase reduzieren.

"In den sechs teilnehmenden Kliniken hat sich der von den Patienten angegebene Ruheschmerz am ersten postoperativen Tag von im Mittel 2,23 auf 1,98 auf der Numerischen Ratingskala (NRS) senken lassen – und das bei nur 180 Tagen Interventionsphase", sagt die Expertin. Durch die Optimie­rungsarbeit wüssten Pflegekräfte und Ärzte zudem nicht nur besser über Schmerz­grenzwerte Bescheid, sie kämen auch besser mit der Schmerzeinschätzung bei ver­wirrten, an Demenz erkrankten oder nicht deutsch-sprechenden Patienten zurecht. So resultiere aus einer leitliniengerechten Therapie eine bessere Versorgung. Optimierungsmaßnahmen in den Kliniken umfassten berufsgruppenübergreifende In-House-Schulungen, Arbeitsgruppen und Fortbildungen zum Schmerzmanagement sowie den intensiven Austausch der Projektkoordinatoren mit den Klinikmitarbeitern und mit externen Exper­ten. "Alle sechs Kliniken können voraussichtlich zu Krankenhäusern mit ‘Qualifizierter Schmerztherapie‘ zertifiziert werden."

Erstmalig von der gesundheitsökonomischen Analyse aus dem Forschungsstrang "Krankenhaus" berichtete Professor Dr. Matthias Augustin, Hamburg: "Die Optimie­rungsmaßnahmen konnten erreichen, dass von den chirurgisch und palliativ behandel­ten Patienten drei Prozent mehr schmerzkontrolliert waren.". Die Schmerzversorgung am ersten postoperativen Tag sei dabei verbessert worden, ohne höhere Ausgaben für Arzneimittel zu verursachen. "Das heißt weniger Schmerzen ohne Mehrkosten", betonte Augustin. An Interventionskosten – den durch das Aktions­bündnis getragenen Kosten für Optimierungsmaßnahmen – seien für einen zusätzlich im Ruhezustand schmerzkontrollierten Patienten 77 Euro angefallen. "Eine akzeptable Summe für die gewonnene Lebensqualität", sagt der Experte. Diese Investition werde sich weiter auszahlen, so dass sehr viele Patienten in Münster zusätzlich von einer ge­zielten Schmerzkontrolle profitieren könnten. Projektleiter Professor Dr. Dr. h.c. Jürgen Osterbrink, Salzburg, berichtete zuletzt aus weiteren Untersuchungssträngen: Opti­mierungsmaßnahmen liefen bei den Hausärzten und seien in der stationären Altenhilfe abgeschlossen. Hier könnten bald neue Ergebnisse erwartet werden.

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