Aus dem Markt -

Pflegeimmobilien Expertenrunde analysiert Marktentwicklungen

Investitionen in Pflegeimmobilien haben auch in der Pandemie an Attraktivität gewonnen, heißt es aus der Branche. Die Nachfrage nach Pflegeplätzen hält an. Dennoch steht die Branche vor Herausforderungen.

Topic channels: Neubau & Sanierung und Finanzen & Investieren

Pflegeimmobilien haben während der Covid-19-Pandemie ihre Ertragsstabilität unter Beweis gestellt und damit noch einmal deutlich an Attraktivität als Immobilieninvestment gewonnen. Das schreiben das Pflegeimmobilienunternehmen Cureus, die Vermögensverwaltung Swiss Life Asset Managers und das Dienstleistungsunternehmen Cushman & Wakefield in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Dennoch stünde die Branche vor großen Herausforderungen. Zwar steige der Bedarf an Pflegeimmobilien auch aufgrund des demografischen Wandels weiter, steigende Grundstückspreise, politische Risiken und ein Mangel an Pflegekräften stellten aber Hürden für eine Versorgung mit Pflegeimmobilien dar.

Bisherige Prognosen verschiedenster Stellen und Institute hätten die Entwicklung der Pflegebedürftigen in Deutschland deutlich unterschätzt. Die meisten Prognosen ließen, laut Jan-Bastian Knod, Head of Healthcare Advisory bei Cushman & Wakefield, bis 2030 circa 3 bis 3,5 Millionen Pflegedürftige erwarten, 2019 gab es aber bereits fast 4,2 Millionen Pflegebedürftige. Für diese Pflegebedürftigen müssten ausreichend Pflegeplätze geschaffen werden. Das dafür notwendige Kapital stünde zur Verfügung. "2020 verzeichnete der Pflegeimmobilieninvestmentmarkt mit 3,6 Milliarden Euro ein neues Rekordvolumen", sagte Knod. Auch im ersten Quartal 2021 setzte sich der Nachfrageüberhang fort. Mit fast 850 Millionen Euro wurde das Vorjahresergebnis um 111 Prozent übertroffen. Gleichzeitig würden immer mehr Akteure in den Markt eintreten.

Politische Risiken bremsen Pflegeimmobilienmarkt aus

Trotz großer Nachfrage und ausreichend Kapital, könne eine flächendeckende Versorgung nicht sichergestellt werden. "Der Pflegeimmobilienmarkt wird durch ein politisches Risiko ausgebremst", sagt Marc-Philipp Martins Kuenzel, Head of European Health Care Competence Center bei Swiss Life Asset Managers. Gesetze einzelner Bundesländer, die z.B. eine Einzelzimmerpflicht in Bestandsimmobilien, sorgten dafür, dass Pflegeplätze wegfallen würden. Fehlende Pflegekräfte seien ein weiteres Problem und eine Überregulierung bei den Bauvorschriften, brächte laut Martins Kuenzel einen Neubau finanziell beinahe auf Luxusniveau. Das würde am Bedarf vorbei gehen.

In diesem Umfeld stehen die in Pflegeimmobilien Investierenden zusätzlich vor der Herausforderung, sich bei der Grundstücksakquise vor allem in innerstädtischen Lagen aufgrund der seit Jahren steigenden Grundstückspreise gegenüber anderen Assetklassen durchzusetzen. "Sowohl Grundstückspreise, als auch Baukosten beeinflussen am Ende in Verbindung mit der Pacht die Wirtschaftlichkeit des Betriebes einer Pflegeimmobilie", erläutert Gerald Klinck, CFO der Cureus. "Mit dem Wissen, dass zu hohe Pachten für Betreiber nur schwer refinanzierbar sind, können wir also nur Grundstücke zu angemessenen Preisen in dementsprechenden Lagen in Betracht ziehen." Darüber hinaus sei eine Standardisierung des Entwicklungs- und Bauprozesses notwendig, um die Investitionskosten gering und so die Pacht angemessen zu gestalten.

Pflegeimmobilien als Investition etabliert

Der wirtschaftliche Druck auf die Betreiberfirmen führt zu einer Vielzahl großer Übernahmen, sagt Knod und nennt die Käufe der Mohring Gruppe und der Vital Wohnen durch die Alloheim-Gruppe, die Übernahme der Qualivita Ag durch Korian sowie den Kauf der Deutsche Pflege und Wohnen durch die Argentum Gruppe.

Für die, die in Immobilien investieren, erleichtere und ermögliche das den Bau von ganzen Portfolios, ergänzt Klinck. Aber auch der Investorenmarkt habe sich verändert. In den vergangenen zehn Jahren hätten sich Pflegeimmobilien als Assetklasse bei Menschen, die investieren möchten etabliert. Einmal in Pflegeportfolios investiert, seien sie davon überzeugt und Verkäufe häufig nicht attraktiv.

© hcm-magazin.de 2021 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar angeben zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen