Onlinekolumne Man muss das Eisen schmieden, so lange es heiß ist

Man muss das Eisen schmieden, so lange es heiß ist, sagt der Volksmund, der dem Schmied über die Schulter geschaut hat. Unternehmen wie Adidas haben das begriffen.

Dipl.-Ing. Eckhard Eyer, Perspektive Eyer Consulting in Ockenfels, Kontakt: info@eyer.de – © Eckhard Eyer

Adidas hat gleich nach der Ankündigung der Bundesregierung, dass Mieten gestundet werden können, verkündet, dies auch zu tun. Zwischenzeitlich ist das Unternehmen – nach einem großen Imageverlust – zurückgerudert. Aber das Unternehmen hat gezeigt, wie man das Eisen schmiedet. Es hat einen Corona-Kredit von über drei Milliarden Euro bekommen, wovon die Bundesrepublik über 2,4 Milliarden trägt und das, obwohl nur rund zehn Prozent der rund 60.000 Mitarbeiter in Deutschland arbeiten, also rund 6.000 Menschen.

Verband der Automobilindustrie

Der Verband der Automobilindustrie engagiert sich nach eigenen Angaben für rund 800.000 Beschäftigte in der deutschen Automobilindustrie. Er hat Zuschüsse für jeden neuen Pkw – bis zu 10.000 Euro je Fahrzeug – gefordert und dieses Anliegen der Bundesregierung gegenüber lautstark vorgetragen. Nachdem die Zuschüsse (noch) nicht genehmigt sind, beklagt der Verband der Automobilindustrie über die Kaufzurückhaltung der Kunden, die auf den staatlichen Zuschuss warten. „Die ich rief, die Geister, Werd‘ ich nun nicht los“, heißt es in Goethes Zauberlehrling.

Gesundheitswirtschaft

In der deutschen Gesundheitswirtschaft arbeiten rund 5,6 Millionen Menschen in wertschöpfenden Arbeitsverhältnissen z.B. in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Rehakliniken, Praxen und in der ambulanten Pflege. Ein Großteil von ihnen arbeitet in systemrelevanten Bereichen und trägt den Titel „Helden der Arbeit“. Für sie wurde im Bundestag – und nicht nur dort – geklatscht. Pflegefachpersonen sollen einen einmaligen steuer- und sozialversicherungsfreien Corona-Zuschuss   in Höhe von 1.500 Euro erhalten können. Die Finanzierung war lange umstritten. 1.500 Euro Zuschuss für die letzten sechs Monate, so lange begleitet uns die Corona-Krise mindestens, bedeutet eine Zulage für die Gefährdung der Mitarbeiter am Arbeitsplatz von 250 Euro im Monat. Dauert die Corona-Krise neun Monate, bis zum November 2020, beträgt die Zulage 167 Euro/Monat.

Und was dann? Kehrt nach der Corona-Krise wieder der bekannte Alltag ein und es ist alles so wie vorher? Was bedeutet das von der Politik häufig formulierte „neue Normal“ nach Corona für die Pflege? Welchen Stellenwert werden die Gesundheitswirtschaft, die Pflege und die dort arbeitenden Mitarbeiter nach Corona haben?

Fazit

Es reicht nicht, ein glühend heißes Eisen, einen Amboss und einen Hammer zu haben, man muss auch die Schmiedetechnik beherrschen, den Hammer richtig und mit Kraft führen können, um das Material beim Freihandschmieden wie gewünscht zu formen. Die Menschen in der Gesundheitsbranche und ihre Vertreter – unabhängig ob Arbeitgeber oder Gewerkschaften, ob in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen, in Praxen oder ambulant tätig – sollten sich solidarisieren und gemeinsam für die Gesundheitswirtschaft und Pflege eine Vertretungsmacht organisieren, um das Eisen zu schmieden solange es heiß ist.

Kontakt zum Autor:
Dipl.-Ing. Dipl.-Kfm. Eckhard Eyer ist Gründer von Perspektive Eyer Consulting in Ockenfels, Kontakt: info@eyer.de, www.eyer.de