Lesetipp: Heilung aus der Steinzeit?

Der Paleo-Trend erlebt einen Hype: Der Urgeschmack mit zucker- und kohlenhydratarmen Gerichten aus der Steinzeit soll gesund sein. Balász Bojkó, bei dem zuvor eine Autoimmunerkrankung diagnostiziert worden war, schildert, wie diese Ernährung ihn wieder fit gemacht hat.

© Allegria Verlag

Bis zum Alter von Anfang 20 war für Balász Bojkó die Welt in Ordnung. Zu Hause in Budapest trainierte er täglich mit dem Mountainbike und wurde sogar ungarischer Juniormeister. Parallel absolvierte er ein anspruchsvolles Maschinenbau-Studium und strebte die höchsten Prüfungen an. Ein Perfektionist. Als seine Eltern sich scheiden ließen, kam emotionaler Druck hinzu. Die Kombination aus physischer und psychischer Überlastung, gepaart mit ungesunder Ernährung, überwiegend mit Kohlehydraten und zuckerhaltigen Lebensmitteln, führte schließlich zu einem Zusammenbruch. Die Diagnose: colitis ulcerosa , eine unheilbare Autoimmunerkrankung.

Zurück zur Natur

Auf der Suche nach einer geeigneten Therapie stieß der Ungar u.a. auf Paleo, das steinzeitliche Ernährungskonzept. Das Prinzip, oft auch Paleo-Diät genannt, basiert auf dem Verzicht bzw. auf starker Reduzierung von u.a. Zucker und Kohlenhydraten, Getreide, Hülsenfrüchten, Kuhmilch und industriellen Milchprodukten. Umgekehrt geht es zurück zur Natur, zu den „Jägern und Sammlern“ der Steinzeit, die etwa Fleisch und Fisch aßen, dabei auch Innereien verwerteten. Allerdings: Tierische Proteine allein standen nicht im Mittelpunkt, sondern wurden beispielsweise mit Gemüse und Kräutern kombiniert. Da es – noch lange vor Einführung des Ackerbaus – keine Zivilisationskrankheiten gab, geht dieser Trend davon aus, dass eine reine Paleo-Ernährung für den Körper bekömmlicher und somit gesünder ist.

Paleo zieht einem die Schuhe aus

Damit ist es aber nicht getan. Denn am besten funktioniert Ernährung à la Paleo, wenn zugleich der Lebensstil angepasst wird. Weniger sitzen im Büro, mehr Sport, mehr Bewegung an der frischen Luft sind da noch die kleinsten Bausteine. Fast neidisch wird man bei Bojkós Schilderungen, wie er beim Barfußlaufen den Kontakt zu Mutter Erde wieder fand – nur ein exemplarisches Detail, um zu mehr Körperbewusstsein zu finden. Und zwar ohne schicke High Heels oder bequeme Slipper. Guter Nebeneffekt: Da zieht man beim Lesen gleich die Schuhe aus. Im Ernst: Dass wir in einer übertechnisierten Welt mit kaum mehr „natürlichen“ Umständen leben, was alles andere als gesund ist, ist der beste Beleg für dieses Umdenken.

So problematisch es erscheint, gleich (s)einen ganzen Lifestyle nur noch nach Paleo auszurichten – oder könnten Konferenzen auch auf Spaziergängen absolviert werden? –, so anregend hat Bojkó seine „Selbsttherapie“, die u.a. in einem Heilcamp stattfand, aufbereitet, zudem mit vielen wissenswerten Informationen und Fakten garniert.

Heute, mit Ende 20, arbeitet Bojkó in München als Simulationsingenieur, ist wieder top fit, leitet Skitouren und unterrichtet Ski alpin. Aus seinem „Wundermittel“ nährt sich eine ganze Firma, die er 2013 gründete und Paleo-Lebensmittel vertreibt.

Hirn für Anfänger

Sind Sie auf den Geschmack gekommen? Dann stöbern Sie auch im Beiheft mit 20 Rezepten für Paleo-Anfänger. Die Gerichte klingen auf jeden Fall interessant und recht einfach (etwa Blumenkohlcremesuppe mit Schinken und Chiliöl, Roher Broccolireis mit Minze) und zuweilen deftig, darunter Schweinshaxe mit bayrischem Krautsalat, Leberkäse in Bacon oder Paleo-Kaiserschmarren aus Kastanienmehl (der Autor lebt in München …). Zwischen exotisch bis gewöhnungsbedürftig lesen sich „Eierfladen mit grünen Gewürzen und Hirn gefüll“ und „Fleischbrühe mit Hirn und Gemüse“, wobei das Schweinehirn als gerollt-geschnittene Pasteten-Spezialität serviert wird. Guten Appetit!

Buchtipp
Bojkó B. (2015) Einfach Paleo. So wurde ich durch die Steinzeiternährung gesund. Berlin: Allegria Verlag.