Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie/Deutsche Krebsgesellschaft Leitlinie für Vulvakarzinom überarbeitet

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Krebserkrankungen des äußeren Genitales treten immer häufiger auf. Für die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe und die Deutsche Krebsgesellschaft war dies mit ein Grund, die Leitlinie zu überprüfen. Die Neufassung liegt nun vor.

„In vielen Bereichen von Diagnostik, Therapie und Nachsorge von Vulvakarzinomen gab es offene Fragen, die eine Überarbeitung der zuletzt 2009 veröffentlichten Leitlinie notwendig gemacht haben“, sagt Prof. Hans-Georg Schnürch, Mitglied des Beirates der Deutschen Gesellschaftf ür Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). Eine interdisziplinäre Kommission von Experten der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie, koordiniert von Schnürch und Prof. Dr. Monika Hampl, Universitätsfrauenklinik der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, erarbeitete deshalb insgesamt 68 Empfehlungen. Dazu gehören u.a. klare Anforderungen an die pathologisch-histologische Aufarbeitung und Befundung von Biopsien.

Hampl weist darauf hin, dass nur mit einer feingeweblichen Untersuchung festgestellt werden kann, ob bei einer Patientin eine vulväre intraepitheliale Neoplasie (VIN) vorliege. „Bei allen verdächtigen Läsionen sollte deshalb eine Biopsie durchgeführt werden“, fordert sie. Werde ein Karzinom entdeckt, müsse in einer Umgebungsdiagnostik „Staging“ die Ausdehnung erfasst werden. „Die in vielen Fällen mögliche Beschränkung der Untersuchung auf die Wächter- oder Sentinel-Lymphknoten hat hier die Belastung der Frauen deutlich gesenkt“, erklärt Schnürch. Auf die Entfernung aller Lymphknoten in der Leiste könne mit dieser Technik heute häufig verzichtet werden. Bei einem Befall der Lymphknoten wird neben der Operation häufig eine Bestrahlung notwendig. Auch dafür gibt die neue Leitlinie erstmals klare Empfehlungen.

Ein Schwerpunkt der Leitlinie liegt in der Rekonstruktion der Vulva nach der Tumorentfernung. Sie erfolgt laut Hampl heute häufig gleich während der Tumoroperation: „Das Ziel ist ein funktionell und anatomisch zufriedenstellendes Ergebnis, das v.a. bei sexuell aktiven Frauen von großer Bedeutung ist.“

Neue Therapiestandards

Die überarbeitete Leitlinie setzt nach Einschätzung der DGGG für alle Stadien des Vulvakarzinoms neue Therapiestandards. „Dabei war uns wichtig, dass diese Standards auch an allen Kliniken eingehalten werden können“, sagt Schnürch. Die Leitlinien enthielten daher erstmals einen Abschnitt zu Qualitätsmerkmalen. Dieser ermögliche es, einzelne Kliniken im Hinblick auf die Anforderungen der Leitlinie zu bewerten. Nach Einschätzung der Leitlinienautoren werden die Kriterien am besten von zertifizierten gynäkologischen Krebszentren erfüllt.

Steigende Erkrankungsrate erwartet

Der DGGG zufolge haben sich die Erkrankungszahlen in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. In Deutschland erkrankten 2015 mehr als 4.000 Frauen an einem Vulvakarzinom. Die Fachgesellschaft rechnet damit, dass schon bald mehr Frauen am Vulvakarzinom als am Zervixkarzinom (maligne Entartung des Gebärmutterhalses) erkranken.

Zur Leitlinie geht es hier.