Politik -

DKG Kurswechsel in Richtung regionaler Versorgungsnetzwerke

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft e.V. (DKG) hat am Freitag, 16. April 2021, ihre gesundheitspolitischen Positionen für die neue Legislaturperiode vorgestellt. Ziel ist ein gezielter Strukturwandel für die Versorgung der Zukunft.

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Die DKG hat es sich zum Ziel gesetzt, die Diskussion in der Gesundheitspolitik der 20. Legislaturperiode maßgeblich zu beeinflussen. "Wir wollen nicht auf die Vorschläge anderer reagieren, sondern die Hand reichen, um zu notwendigen Reformen zu gelangen", erklärte Dr. Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der DKG, bei der Pressekonferenz am 16. April 2021. Dort hat der Bundesverband der Krankenhausträger sein aktuelles Positionspapier vorgestellt und zugleich Reformbausteine mitgeliefert.

Laut Gaß gehe es v.a. darum, nach der Bundestagswahl im September 2021 einen Kurswechsel zu schaffen, der die deutsche Krankenhauslandschaft weg vom "kalten Strukturwandel ohne klares Zielbild" führt. Im Rahmen der anstehenden und notwendigen Strukturveränderungen sei man sich seitens der DKG darüber bewusst, dass es zu Veränderungen von Standorten in Form von Fusionen aber auch Schließungen kommen werde und damit auch die Anzahl der Krankenhäuser abnimmt. In diesem Veränderungsprozess wolle man aber die Menschen vor Ort mitnehmen und ihnen zeigen, dass ihre Versorgungsbedarfe abgebildet und sogar verbessert werden.

Regionale Versorgungsnetze schaffen

Die zentrale Botschaft und Marschrichtung der DKG zielt auf regionale Versorgungsnetzwerke ab. "Wir möchten mehr Kooperation in den Regionen, trotz Vielfalt, ein Stück weit weniger Wettbewerb und stärker aufeinander abgestimmte Versorgungsaufgaben", erklärte Gaß das Vorhaben. Man sehe weiterhin die Grundversorger in ihrer Rolle – allerdings in einer engeren Zusammenarbeit mit den Schwerpunkt- und Maximalversorgern. Das Stichwort an dieser Stelle: " Sektorenübergreifender Behandlungsauftrag mit Einbezug der Ambulanten Versorgung".

Einbezug der Ambulanten Versorgung meint auf der einen Seite ein stärkeres gemeinsames Agieren, auf der anderen Seite aber auch, dass Krankenhäuser zu Orten der ambulanten Versorgung werden.

In diesem Zusammenhang wies Gaß darauf hin, dass Krankenhäuser eine adäquate Finanzierung für die dort erbrachte ambulante Versorgung benötigen und hier nicht mit der hausärztlichen ambulanten Versorgung gleichgestellt werden könnten. "Wenn wir über ambulantes Potenzial sprechen, müssen sich Bund und Länder zwingend zusammenfinden und Aussagen treffen, v.a. hinsichtlich der Verteilung der Zuständigkeiten."

Föderale Verantwortung soll bestehen bleiben

Grundsätzlich wolle man auch weiterhin auf eine föderale Verantwortung festhalten, um den Versorgungsbedarf in den Regionen aufzufangen.

Die Länder bleiben auch gefragt, wenn es um künftige Investitionsfinanzierung geht. "Es darf nicht sein, dass Krankenhäuser aus den Betriebskosten Gelder abzwacken müssen, um Investitionen tätigen zu können. Hier sind die Länder in der Verantwortung", betonte Gaß.

Kein Abschied von DRG

Den viel diskutierten Abschied vom DRG-System soll es nach Ansicht der DKG nicht geben. "Wir wollen das DRG-System weiterentwickeln – nicht aufheben", sagte Gaß. Es brauche den unternehmerischen Gestaltungsspielraum, den die DRG bieten. Ebenso brauche es aber eine Ergänzung um eine angemessene Finanzierung der Vorhaltekosten besonders für versorgungsrelevante Vorhaltungen sicherstellen zu können.

Abbau von "Kontrollwut" für Fachkräftesicherung

Zur Fachkräftesicherung und damit der Bekämpfung des Fachkräftemangels in deutschen Kliniken sagte Gaß: "Es ist notwendig, dass wir uns als große Arbeitgeber um die jungen Menschen bemühen und attraktive Arbeits- und Ausbildungsplätze anbieten. Das heißt für uns v.a. Abbau von Bürokratie und Kontrollwut sowie eine gute Personalausstattung zur leitliniengerechten Patientenbehandlung."

Insgesamt identifiziert das 32-seitige Positionspapier der DKG

  • sechs Positionen,
  • neun konkrete Handlungsbedarfe und
  • drei grundlegende Eckpunkte für eine Modernisierung der medizinischen Versorgung in Deutschland.

Diese sind auf der Website der DKG im Detail einsehbar.

Aktuelle Einschätzungen der DKG zur Corona-Lage

Zur Corona-Lage sagte Gaß: "Das Alter in den Intensivstationen hat sich verändert, es sind die Altersgruppen über 60- bzw. über 70-Jährigen, die dort aktuell behandelt werden." Diese Altersverschiebung zeige, dass das Impfen wirke. Das sei auch beim Personal spürbar. Auch hier gebe es weniger Infektionen und weniger Quarantänefälle. Gemeinsam mit den sich reduzierenden Todesfällen trage dies zur psychischen Entlastung der Mitarbeitenden bei.

Und dennoch: "Für das Gesundheitswesen und die Krankenhäuser ist die Pandemie die größte Herausforderung seit dem zweiten Weltkrieg", sagt Gaß. Und obwohl die Krankenhäuser weiterhin handlungsfähig seien, brauche es dringend ein "Brechen der dritten Welle", sonst drohe ein deutlich massiverer Lockdown im Bereich der Regelversorgung.

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