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Künstliche Intelligenz

Unter dem Begriff Künstliche Intelligenz (KI) versteht man die Nachahmung höherer Leistungen biologischer Gehirne durch Maschinen. Mittels Computerprogrammen und Hardware werden Fähigkeiten im kognitiven, sozialen, emotionalen und sensomotorischen Bereich hervorgebracht.

1. Synonyme:

Ein Synonym ist der Begriff „Maschinelle Intelligenz“. Auch im deutschen Sprachraum trifft man häufig die englischsprachigen Ausdrücke „Artificial Intelligence“, kurz „AI“, bzw. „Machine Intelligence“ an.

2. Kurzhistorie:

Der Ausdruck „Artificial Intelligence“ geht auf den amerikanischen MIT-Forscher John McCarthy zurück, der den Begriff im Jahr 1956 prägte. Einen Meilenstein der Anwendung künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen stellte 1966 das ELIZA-Programm des in Berlin geborenen und in die USA emigrierten Wissenschaftlers Joseph Weizenbaum dar. Es verarbeitet natürlichsprachliche Eingaben und simuliert mit seinen Ausgaben das Verhalten eines Psychotherapeuten nach Rogers. Seit den 2010er Jahren erlebt das Feld einen rasanten Aufschwung, der ermöglicht wird durch die Entwicklung immer leistungsfähigerer Computerprozessoren, insbesondere von sogenannten Grafikchips, verbunden mit der bezahlbaren Speicherung großer Datenmengen.

3. Ziel:

Das Ziel von künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen ist die Verbesserung der Diagnose und Therapie von Krankheiten. Die Wissensexplosion in der Medizin wird beherrschbar gemacht. Die richtige Diagnose kann schneller und sicherer erstellt werden, zusammen mit einem patientenindividuellen Therapieplan. Therapeuten werden insbesondere von Routineaufgaben entlastet und haben mehr Zeit für die Patienten. Das aktuellste medizinische Wissen steht rund um die Uhr an jedem gewünschten Ort zur Verfügung.

4. Wesentliche Merkmale:

Systeme künstlicher Intelligenz können verschiedene Intelligenzkomponenten enthalten. Kognitive Fähigkeiten erlauben es, zu lernen, zu planen, kausale Zusammenhänge zu erkennen, Schlussfolgerungen zu ziehen und sich auf neue Situationen einzustellen. Sozial/emotionale Fähigkeiten erfassen und bewerten menschliche Stimmungen und Sozialverhalten. Zu den sensomotorischen Fähigkeiten zählen die Bereiche visuelle, sprachliche und manipulative Intelligenz. Mit visueller Intelligenz wird medizinisches Bildmaterial ausgewertet und auf pathologische Merkmale hin untersucht. Systeme, die natürliche Sprache verstehen und antworten können, sind Grundlage der sogenannten intelligenten Assistenten oder Chatbots, wie man sie in Mobiltelefonen, Computern und intelligenten Lautsprechern findet. Manipulation von Gegenständen mittels Fühlen, Greifen und Bewegen gehört zu den Fähigkeiten von Robotern.

5. Wesentliches Einsatzgebiet (Beispiel):

Chatbots werden eingesetzt, um den Entlassprozess im Krankenhaus zu unterstützen. Bildverarbeitungssysteme erkennen u.a. Knochenbrüche auf Röntgenbildern, Krebserkrankungen, durch Diabetes verursachte, krankhafte Veränderungen im Augenhintergrund und Anomalien im Darm. Smarte Uhren helfen beim Erkennen von Vorhofflimmern, Roboter unterstützen die Pflege und intelligente Symptomchecker-Apps helfen bei der Krankheitsdiagnose.

6 Unterscheidung von ähnlichen Begriffen:

keine

Prof. Dr. med. Dipl.-Inform. Klaus Juffernbruch

Prof. Dr. med. Dipl.-Inform. Klaus Juffernbruch

Professur für Gesundheits- & Sozialmanagement

FOM Hochschule

klaus.juffernbruch@fom.de 

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