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HSH-Gesundheitsstudie Kümmern Sie sich endlich um Prävention!

Um zehn Milliarden Euro Gesundheitskosten pro Jahr einzusparen, müsste sich die deutsche Bevölkerung durch Prävention um ein Jahr biologisch verjüngen – mit dem entsprechenden Einsatz in die Vorsorge gar nicht so abwegig. Aber: Immer noch werden chronische Krankheiten zu spät entdeckt und nicht systematisch verhindert. Durch eine aktuelle Studie der HSH-Nordbank wurde wieder einmal deutlich, dass – um die Gesundheitswirtschaft (und nicht nur diese) voranzubringen – unter Gesundheit Prävention verstanden werden muss und nicht Krankenhäuser, Ärzte und Medikamente.

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„Deutschland und gesundheitliche Vorsorge, das ist ein schwieriges Thema. Dabei sind die Vorteile der Prävention enorm. Wer sich ‚biologisch verjüngt‘, erhält sich bis ins hohe Alter eine hohe Lebensqualität und spart viel Geld: Beispielsweise könnte die Verjüngung der Gesamtbevölkerung um ein Jahr die deutschen Gesundheitskosten um zehn Milliarden Euro reduzieren“, schreibt die HSH-Nordbank in einer aktuellen Pressemitteilung in der die neue Studie Gesundheitswirtschaft vorgestellt wird.

Spart Prävention Gesundheitskosten?

Sich wirklich verjüngen können wird wohl ein Traum bleiben, aber durch Vorsorge und Früherkennung das biologische Altern in gewissem Maße aufhalten können, das geht. Der Gewinn an Lebensqualität dadurch kann enorm sein. Aber lohnt sich mehr Prävention auch volkswirtschaftlich, sparen wir dadurch Gesundheitskosten? Ja, sagt die HSH Nordbank und rechnet vor: Gerade im Alter steigen die Ausgaben für Krankheiten des Stoffwechsels (z.B. Diabetes), Kreislaufs (z.B. Bluthochdruck), Muskel-Skelett-Systems (z.B. Osteoporose) sowie bei Neubildungen (z.B. Krebs). Diese vier Bereiche kosten 2017 in der Altersgruppe über 65 Jahren 84,4 Milliarden Euro – das ist fast ein Viertel der gesamten deutschen Gesundheitskosten. Hochgerechnet auf 2025 wachse dieser Wert auf 106,9 Milliarden Euro. Und gerade bei diesen Erkrankungen würden Vorsorge und Früherkennung am effektivsten gegensteuern. Gelänge es laut der HSH-Nordbank also, zehn Prozent dieser Kosten via Prävention zu vermeiden, ergäben sich jährliche Einsparungen von etwa zehn Milliarden Euro. Davon abgesehen komme ein hohes Plus an Lebensqualität dazu.

Bei Vorsorge und Früherkennung ist noch Luft nach oben

Die HSH hat ebenfalls ermittelt, welcher biologischen Verjüngung dieser Wert von zehn Milliarden Euro in etwa entsprechen würde. Basis dafür ist der rapide Anstieg der Pro-Kopf-Gesundheitskosten mit steigendem Alter. Bei Personen über 85 Jahren ermittelte die HSH Nordbank Pro-Kopf-Kosten von circa 25.000 Euro für das Jahr 2025. In der Altersklasse von 15 bis 30 Jahren dagegen sind es nur 2.137 Euro. Gesundheitskosten nach Lebensalter kombinierte die HSH-Nordbank mit der vom Statistischen Bundesamt für das Jahr 2025 ermittelten Alterspyramide. Das Ergebnis: Um zehn Milliarden Euro Gesundheitskosten pro Jahr einzusparen, müsste sich die deutsche Bevölkerung durch Prävention ceteris paribus um ein Jahr biologisch verjüngen. Das klingt machbar. Denn bei Vorsorge und Früherkennung ist noch „Luft nach oben“, wie die HSH-Studie zeigt.

Die Vorsorgelücke

Eine Forsa-Umfrage aus Mai 2017 habe ergeben, dass die Gesundheit und ihre Erhaltung mit großem Abstand wichtigste Priorität der Deutschen ist. Im Widerspruch dazu steht, dass der Anteil Prävention der Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung nur ein Prozent beträgt. Es verwundert daher kaum, dass in der HSH-Gesundheitsstudie die Prävention Verbesserungsvorschlag Nummer Eins bei den befragten Experten war. Beispielsweise sagte darin Christian Teig, CFO des Medizinsoftwareunternehmens CompuGroup: „Heute investieren wir nicht genug in einfache präventive Maßnahmen. Chronische Krankheiten werden im aktuellen System nicht systematisch verhindert und zu spät entdeckt.“

„Andere Kulturen machen es besser“, sagte Christian Strauch, Mitglied der Geschäftsführung der Onlineapotheke apo-rot, und schlägt in der Studie vor: „Aus Asien lernen wir, dass dort die Menschen unter Gesundheit eher Prävention verstehen: Hygiene, gesundes Essen, gesundes Trinken. In unserer Kultur assoziiert man mit Gesundheit eher Krankenhäuser, Ärzte und Medikamente – also das, was glücklicherweise hilft, wenn es eigentlich schon zu spät ist.“

Wo man ansetzen kann

Viele Unternehmen haben den hohen Wert der Prävention übrigens schon erkannt, denn gesunde Mitarbeiter entlasten die Firmenkasse. In der HSH-Studie nennt Prof. Dr. Bernd Siegemund, Sprecher der Geschäftsführung des führenden Anbieters für betriebliches Gesundheitsmanagement, B.A.D. GmbH, eine Amortisationsdauer von anderthalb bis zweieinhalb Jahren für Vorsorgemaßnahmen im Unternehmen. „Die Auswirkungen reichen von reduzierter Fehlzeit über eine verbesserte Motivationslage bis zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens, ähnlich wie bei Sportlern.“

Aus technischer Sicht seien die Präventionsmöglichkeiten heute so gut wie noch nie. Für wenige hundert Euro habe heute jedermann die Möglichkeit, durch Gen-Analyse individuell vorzusorgen – also gezielt Risikofaktoren vermeiden, Ernährungsgewohnheiten anpassen, ein effektives Bewegungsprogramm erstellen.

Lobbyisten für Prävention gesucht

Woran liegt es also, dass die Gesellschaft insgesamt zu wenig für Prävention tut? Dazu Prof. Dr. Siegemund in der Studie: „Es gibt dafür leider zu wenig Lobbyisten. Das System verdient an Krankheit, nicht an Gesundheit.“

Die Gesundheitswirtschaftsstudie der HSH-Nordbank können Sie mit einem Klick auf den Link im Kasten downloaden.

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