Projekt in Belgien Krankheiten beim Neugeborenen-Screening priorisiert

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International gibt es keinen Konsens über den Umfang und die Auswahl der Krankheiten, die mittels eines Neugeborenen-Screening entdeckt werden sollen. In Belgien hat ein Pilotprojekt zur Priorisierung stattgefunden. Darüber berichtet das Ludwig Boltzmann Institut für Health Technology Assessment (HTA).

Welche Krankheiten sollen mit dem Neugeborenen-Screening gefunden werden? Dazu gibt es derzeit keinen Konsens, aber eine Studie. – © ondrooo (Fotolia.com)

Ziel des Belgian Health Care Knowledge Centre (KCE) war es, mithilfe einer Multi-Criteria Decision Analysis (MCDA) Krankheiten für ein Neugeborenen-Screening-Programm transparent und nachvollziehbar zu priorisieren. Die belgischen Regionen sollten damit bei der Definition solcher Programme unterstützt werden.

Mittels der MCDA hat das Projektteam zunächst sieben Kriterien (z.B. Prävalenz, Schweregrad der Erkrankung ohne Behandlung, Verhältnis von „falsch-negativen“ bzw. „falsch-positiven“ Screening-Ergebnissen) identifiziert und gewichtet. Beteiligt waren daran auch: politische Entscheider, Kliniker, Patientenvertreter und Ethiker. Anschließend wurden sechs Neugeborenen-Erkrankungen (z.B. Galaktosämie, Homocystinurie, Adrenogenitales Syndrom) bewertet und Gesamtscores errechnet.

„Insgesamt wird vom KCE-Projektteam der Schluss gezogen, dass die Priorisierung auf Basis der MCDA-Methode ein äußerst komplexer und, in Hinblick auf die involvierten Stakeholder, ein kommunikativ aufwändiger Prozess war“, fasst das Ludwig Boltzmann Institut in seinem Newsletter zusammen. Die Gesamtscores zeigten nur geringe Variationen über die untersuchten Krankheiten hinweg und wurden daher als mäßig brauchbare Klassifikationsgrade für eine Reihe von Erkrankungen für ein Screening eingestuft. Die Auswahl der sechs Erkrankungen, aber auch die Skalierungsmaße zur Gewichtung der Kriterien werden im KCE-Bericht als potentielle Limitationen genannt.

Hier können Sie sich den KCE-Report downloaden.