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Building Information Modelling (BIM) Krankenhausbau digital

Sindelfingen und Böblingen sollen ein gemeinsames Klinikum bekommen: das Flugfeldklinikum. Für das 700-Betten-Haus ist ein Investitionsvolumen von rund 550 Millionen Euro vorgesehen. Davon werden voraussichtlich 0,3 Prozent für BIM ausgegeben. Eine Ausgabe, die sich rechnen soll.

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2020 geht es los, dann startet der Bau des Flugfeldklinikums. Es soll zwischen Sindelfingen und Böblingen zur neuen Anlaufstelle der medizinischen Versorgung unter kommunaler Trägerschaft für rund 380.000 Menschen aus der Region werden. Als Auftraggeber hat der Landkreis eine Machbarkeitsstudie durchführen lassen, um die beste Realisierungsmethode zu definieren. Eindeutiges Ergebnis: Building Information Modelling, kurz BIM.

Was ist BIM?

BIM ist eine integrale Methode der digitalen Gebäudeplanung auf Basis einer Software, über die der Bau entworfen, simuliert und transparent begleitet werden kann. Allen Beteiligten steht ein digitales 3-D-Modell des Gebäudes zur Verfügung, an dem gemeinsam gearbeitet werden kann. In sämtlichen Bauphasen können Informationen, z.B. zu Wartungszyklen, Änderungen oder Verzögerungen, hinterlegt werden. Im Vergleich zum klassischen Planzeichnen können z.B. der Verlauf in Echtzeit dargestellt sowie Bau- und Lebenszykluskosten berechnet werden.

Grundlegendes Ziel von BIM ist es, während des Planungs- und Bauprozesses schneller, besser und frühzeitiger Entscheidungen treffen zu können. (Quelle: thinkproject.com, www.bim.geze.de, letzter Zugriff 27. Juli 2018.)

BIM am Beispiel Flugfeldklinikum

„Bei der Realisierung eines neuen Krankenhauses muss bei der Planung auf unterschiedlichste Anforderungen geachtet werden. Das muss übersichtlich überwacht werden, sonst entstehen im Bauprozess bzw. bei Inbetriebnahme Schwierigkeiten“, erklärt Harald Schäfer, Projektgeschäftsführer des Neubau Flugfeldklinikum. Perfekte Voraussetzungen für BIM, das für das Projekt v.a. durch seine Eigenschaften der übersichtlichen Projektkoordination und -überwachung wie geschaffen ist.

Eine entsprechende Software erlaubte es, für das Flugfeldklinikum ein effizientes Raum- und Funktionsprogramm in Verbindung mit dem BIM-Modell umzusetzen – unter „stringenter Einbindung“ der späteren Nutzer, also der Ärzte, Pflegekräfte und Mitarbeiter der Versorgungsbereiche.

„Wir haben hohe Erwartungen an BIM“, sagt Schäfer. Dazu gehört z.B.:

  • Effizienzsteigerung der Planung,
  • Effizienzsteigerung der Bauausführung,
  • Risikominimierung und Reduktion der Nachträge,
  • Datenübernahme in den Betrieb,
  • weniger Informationsverlust,
  • hohe Entscheidungsqualität durch modellbasierte Visualisierung, Simulation und Mengensicherheit.

Um all diesen Apsekten nachkommen zu können, musste BIM nach Aussage von Schäfer ab dem Moment des Planungsbeginns in die auf mehrere Jahre ausgelegte Errichtungsphase integriert werden. Nur so könnten Planungs- und Controllinginformationen Qualitäts-, Kosten- und Terminsicherheit garantieren und für eine technische, wirtschaftliche Optimierung des Gebäudebetriebes sorgen.

Das Projekt befindet sich aktuell in der Leistungsphase 3. Heißt: „Wir haben sämtliche spätere Funktionsstellen des Krankenhauses in einem Grundriss von innen nach außen abgebildet und können das in 2- bzw. 3-D-Plänen betrachten“, erklärt Schäfer. Durch die detaillierte digitale Datengrundlage werde es möglich, dass Kosten und Termine exakt durch das zuständige Architektenteam ermittelt werden können. Diesem kommt beim Bauen mit BIM eine Hauptrolle zu.

Als direkter Ansprechpartner für sämtliche Akteure am Bau, die Zugriff auf die Software haben, agiert der BIM-Manager. Er koordiniert die Zusammenarbeit und sorgt dafür, dass auch analoge Treffen und Abstimmungen stattfinden. Von Bauherrenseite ist der BIM-Manager Teil des Kernteams, das die Phasen zur Initiierung, Bedarfsermittlung und Vertragsgestaltung überwacht

  • von der Grundlagenermittlung,
  • der Vor- und Entwurfsplanung,
  • der Genehmigungs- und Ausführungsplanung,
  • über die Vorbereitung und Mit­wirkung zur Vergabe,
  • bis hin zur Bauüberwachung und Dokumentation
  • sowie der Betreuung im Betrieb.

„Als Controller ist der BIM-Manager für die Bauherrenseite dafür verantwortlich, zu koordinieren, ob der digitale Bauplan eingehalten wird. Außerdem beherrscht er sämtliche Anwendungen der Software“, sagt Schäfer. Nach Abschluss der Vorplanung arbeiten die BIM-Experten des Flugfeldklinikums an der finalen Entwurfsplanung. Auch steht die Vergabe bzw. öffentliche Ausschreibung der einzelnen Arbeiten über BIM an. Die Vergabephase soll Ende 2018 starten und die jeweiligen ausführenden Betriebe sollen direkt ins BIM integriert werden. „So können wir später genau sehen, wer mit seiner Arbeit wie weit ist und ob der Fortschritt auf der Baustelle den Plänen entspricht“, erklärt Schäfer. Für den Fall, dass zu einem Zeitpunkt Arbeitsprozesse angepasst werden müssen, steht den Koordinatoren ein Ticketsystem zur Verfügung. So sind Transparenz und Kontrolle gewährleistet. Ebenso durch das Raumbuch, in dem die insgesamt 2.800 Räume verzeichnet sind.

So geht es weiter

Nachdem die Vorplanungsphase des Flugfeldklinikums abgeschlossen ist, geht es bis Ende Februar 2019 in die finale Entwurfsplanung, die im Baubeschluss enden soll. Danach soll dann der Förder- bzw. Bauantrag gestellt und entsprechend mit den Ausschreibungen begonnen werden. „Bisher sind wir vom Erfolg und der Rentabilität von BIM überzeugt“, betont Schäfer. Vor allem das Engagement des Planerteams überzeugt die Klinikseite. Was man bisher im digitalen Bau- bzw. Planungsprozess gelernt habe: Dank BIM entsteht ein transparentes Fundament für den anstehenden Bau und weitere strategischen Entscheidungen. HCM wird über die weitere Entwicklung berichten. bf

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