Rationierung & Priorisierung -

Kostendruck GKV: Offen Prioritäten diskutieren

Das Los der Briten soll den Deutschen erspart bleiben: Im Vereinigten Königreich wurden aufgrund Haushaltssanierungen wichtige medizinische Leistungen im Krankheitsfall gekürzt. Der Gesundheitswissenschaftler Fritz Beske fordert deshalb eine öffentliche Diskussion darüber, was künftig noch geleistet werden kann.

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Kostendruck GKV: Offen Prioritäten diskutieren

"Wir müssen uns endlich darauf vorbereiten, was auf Deutschland unweigerlich zukommt und offen Prioritäten diskutieren", fordert der Direktor des Kieler Instituts für Gesundheits-System-Forschung (IGSF) anlässlich der Vorstellung seiner neuen Studie. Angesichts des zunehmenden vorhersehbaren Geldmangels werde ein ganzes Bündel an Maßnahmen gebraucht. So müsse sich die gesetzliche Krankenversicherung endlich auf den Krankheitsfall konzentrieren. "Die Leistungen im Krankheitsfall werden um Schwangerenvorsorge, Leistungen zur Früherkennung von Krankheiten und zur Verhütung von Zahnerkrankungen sowie Schutzimpfungen ergänzt.“ "

Genau unter die Lupe nimmt Beske einzelne GKV-Leistungen. "In keinem Bereich medizinischer Maßnahmen liegen die Grenzen zwischen Medizin und Wellness so eng beieinander wie im Heilmittelbereich." Er regt zum Beispiel an, Massagen grundsätzlich aus dem Leistungskatalog herauszunehmen. Für medizinisch indizierte Massagen müssten in den Heilmittel-Richtlinien enge Grenzen vorgegeben werden. Weiter schlägt er vor, die Kosten der künstlichen Befruchtung zu je einem Drittel auf die öffentliche Hand, die GKV und die behandelten Paare aufzuteilen statt wie bisher zu je 50 Prozent auf GKV und behandelte Paare. Bei Hilfsmitteln müsse der unübersichtliche Leistungskatalog vollständig überprüft werden, so der IGSF-Direktor. Mit dieser Aufgabe sei der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen zu beauftragen.

Aus Beskes Sicht gibt es zwei Möglichkeiten des Umgangs mit dem Mangel. Entweder gehe man den Weg der stillen, der geheimen, der versteckten Rationierung und der rein zufallsbedingten Zuteilung und Einschränkung von Leistungen weiter oder den Weg einer geordneten Leistungszuteilung und -einschränkung - "transparent, begründet und im gesellschaftlichen Diskurs". Für Beske ist der letztere der einzige Weg zur Verteilungsgerechtigkeit. "Die Politik muss endlich den Mut haben, die Diskussion zu beginnen."

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