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Kongress für Gesundheitsnetzwerker 2021 Ist Digital das neue Normal?

Patientendokumentation, Künstliche Intelligenz, Datenschutz. Der Kongress für Gesundheitsnetzwerker stand ganz im Zeichen der Digitalisierung. Auch bei den diesjährigen Preisträgern und der prominent besetzten Keynote-Speech war die digitale Gegenwart das Thema.

Topic channels: Auszeichnungen & Awards, Digitalisierung und Telemedizin

Passend zum Motto: "Das neue Normal: digital?" war auch der 16.  Kongress für Gesundheitsnetzwerker zum zweiten Mal nach 2020 eine rein digitale Veranstaltung. Die Corona-Krise beschleunigt zwar den digitalen Wandel, zeigt aber auch auf, was in der Vergangenheit versäumt wurde. So fungierte der Kongress als Plattform, auf der sich verschiedenste Vertreterinnen und Vertreter der Gesundheitsbranche über die Gestaltung der digitalen Zukunft austauschen konnten.

Keynote von Alena Buyx

Nach prominenten Keynotespeekern der vergangenen Jahre, wie dem Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie Dr. Volker Busch oder dem Journalisten und Blogger Sascha Lobo, hielt in diesem Jahr die Vorsitzende des deutschen Ethikrates, Alena Buyx, die eröffnende Grundsatzrede.

Buyx rief dazu auf, die Digitalisierungswelle als Chance zu sehen unter Berücksichtigung der Datensouveränität: "Wir dürfen mit den Daten nicht sorglos werden aber wir dürfen auch nicht, aus Sicherheitsdenken zu Zauderern werden." Vielen Menschen, vielen Startups und auch der Politik habe die Pandemie den nötigen Schwung verliehen, erwähnt die Ethikrat-Chefin und verweist auf viele digitale Innovationen, die auf den Weg gebracht worden seien.

Virtuelle Preisverleihung

Mit dem Gesundheitsnetzwerker-Preis wurden in diesem Jahr drei Menschen ausgezeichnet, die sich digitaler Innovationen bedienen, um die medizinische Versorgung zu verbessern. Der Arzt und Medizinrechtler Prof. Dr. Alexander Ehlers übergab die Preise virtuell an die die diesjährigen digitalen Projekte:

  • Entlastung der Notaufnahmen
    Ausgezeichnet wurde Prof. Sabine Blaschke von der Universitätsmedizin Göttingen für ihr Projekt Optinofa. Immer mehr Menschen kommen in die Notaufnahmen der Krankenhäuser. Dabei steigt die Zahl derer, die auch hausärztlich versorgt werden könnten. Ziel von Optinofa ist eine Steuerung von Patienten in die ambulante und stationäre Behandlung in der Notaufnahme. Dabei setzt man hier auf eine digitale webbasierte Plattform, die den behandelnden Ärzten in der Notaufnahme auf Tablets zur Verfügung steht.
  • Flüssigkeitshaushalt im Blick
    Einen weiteren Preis konnte Alessandro Faragli, Geschäftsführer des Berliner Unternehmens BOCA HealthCare entgegennehmen. Dort wurde für das optimale Flüssigkeitsmanagement von Menschen mit chronischen Nierenerkrankungen oder Herzinsuffizienz eine portable Diagnostik entwickelt. Über eine Smartphone-App kann der Flüssigkeitshaushalt der Menschen überwacht werden.
  • Erster Preis für Louisa
    Der mit 10.000 Euro dotierte erste Preis ging an Admir Kulin. Kulin entwickelt mit dem Kölner Unternehmen m.Doc die Spiel-, Lern- und Informations-App Louisa. Louisa wird für junge Patientinnen und Patienten der Kinderkrebsstation am Universitätsklinikum Essen und deren Angehörige entwickelt. Ziel ist es, Angst, Unsicherheit und Isolation der Kinder und ihrer Eltern zu reduzieren und Vertrauen in die Behandlung aufzubauen.

Kurzvorträge in verschiedenen Räumen

Wie bei nicht-virtuellen Kongressen auch, gab es neben den Vorträgen auf der "Hauptbühne" parallel mehrere Vorträge und Diskussionsrunden in einzelnen Räumen. Themen waren u.a. die elektronische Patientenakte (ePA), die Videosprechstunde oder den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI).

Die ePA ist außer für Ärzte auch für Patienten interessant. Davon ist Dr. Siiri Ann Doka überzeugt. Die Leiterin des Referats Gesundheitspolitik der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe meint, dass gerade Menschen mit chronischen Krankheiten über die ePA an der Behandlung ihrer eigenen Krankheiten mithelfen können sollten. Zudem würde das die Complience erhöhen, wenn Erkrankte Einblick in die Behandlungsmethoden der behandelnden Mediziner hätten.

KI für die Versorgung von morgen

KI und Gesundheit ist eins der wichtigsten Themen der nahen Zukunft überhaupt, da ist sich Prof. Dr. Antonio Krüger vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) sicher. Neben maschinellem Lernen z.B. bei Exoskeletten, Robotik in Pflege und Medizin oder KI-unterstützter Diagnostik, kann KI durch Digital Phenotyping bei der Früherkennung z.B. von Demenz helfen.

KI baut auf einem hohen Digitalisierungsgrad auf. Ohne den kann sIe ihre Vorteile nicht ausspielen. Aber "KI muss immer patientenorientiert sein, sie ist nur ein Tool, ein Werkzeug", sagt Krüger.

Finanzierung nach dem Ende der Förderung

Bei der digitalen Ausstattung der Krankenhäuser und der dazugehörigen Infrastruktur scheinen die USA Deutschland weit voraus zu sein. Gerade was die digitale patientenbezogene Pflegedokumentation angeht, ein elektronisches Krankheitsregister oder Patientenportale in Krankenhäusern, die ihre Patienten miteinbeziehen, muss man in Deutschland nachziehen, findet Dr. Pierre-Michael Meier von der Hospitalgemeinschaft Hosp.Do.IT.

Doch wie trägt sich ein Patientenportal, das durch Mittel aus dem KHZG finanziert wurde nach Ende der Förderung? Katrin Keller vom E-Health Anbieter Samedi sieht das in erster Linie durch Entlastung von Praxen oder Notaufnahmen. Videosprechstunden, Online-Aufklärungsgespräche und genaue Online-Terminvergaben, könnten die Arbeit in Klinik und Praxis effizienter machen und ein Bindeglied sein zwischen der Praxis auf dem Land und der Uniklinik in der Stadt.

"Die Pandemie hat viel bewirkt. Neue Dinge wie die Videosprechstunde, sind gekommen um zu bleiben", ist Dr. Peter Gocke von der Berliner Charité überzeugt. Aber Gocke mahnt auch: "Wir müssen uns durch die bessere Medizin unterscheiden und nicht durch die bessere Ausstattung."

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