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Interview mit Prof. Dr. med. Jörg F. Debatin Know-how für das BMG

Deutschland hat einen Health Innovation Hub – kurz hih. Geleitet wird es von dem Mann, der das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf als ärztlicher Direktor „papierlos“ gemacht hat: Prof. Dr. Jörg F. Debatin. Gemeinsam mit weiteren Experten rund um das Thema Digitalisierung möchte er in den kommenden drei Jahren das Bundesgesundheitsministerium dabei unterstützen, das deutsche Gesundheitswesen effizient digital zu machen. Im Gespräch mit HCM gibt Prof. Debatin einen ersten Einblick.

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Prof. Debatin, wie entstand denn die Idee für den hih?

Debatin: Gottfried Ludewig, der Abteilungsleiter Digitalisierung, und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sind auf die Idee gekommen, dem Ministerium das Wissen und die Erfahrung von Digitalisierungs- und Healthexperten gebündelt zur Verfügung zu stellen. Vorbild war der Cyber Innovation Hub, der vor kurzem gegründet wurde, um dabei zu unterstützen, die Bundeswehr zu revolutionieren.

Wer bildet den hih?

Debatin: Der hih ist ein wachsendes Team aus Experten unterschiedlicher für die Digitalisierung relevanter Fachbereiche u.a. aus der freien Wirtschaft, mit Rechtsexpertise sowie Big-Data- und KI-Kompetenz. Bis zum 1. Juni 2019 wird das Team aus neun festen Mitgliedern bestehen; Wachstum nicht ausgeschlossen. (Anmerkung der Redaktion: Die Namen finden Sie im Kasten auf Seite 17.)

Das Budget, finanziert von der Bundesregierung, liegt bei jährlich 1,8 Millionen Euro. Wie sollen die Gelder eingesetzt werden?

Debatin: Zum einen werden damit bis zum vorläufigen Projektende 2021 die Personalkosten gedeckt. Zum anderen sind darin aber auch Ausgaben für das Marketing und Events wie der geplante Hackathon sowie Veranstaltungen in unseren Räumlichkeiten in einem ehemaligen Ladengeschäft in der Torstraße in Berlin inkludiert.

Träger ist die BWI GmbH, die u.a. für das Verteidigungsministerium arbeitet – wie kommt diese Struktur zustande?

Debatin: Aufgrund unserer zeitlich befristeten Anstellung. Wir sind keine Beamten.

Nun soll eine kleine Gruppe von Menschen – wenn auch Experten – einer in digitalen Themen oft ratlosen Regierung weiterhelfen, den Rückstand aufzuholen? Wie geht das?

Debatin: Diese Aufgabe liegt ja nicht nur im Hub. Das Timing für Taten ist jetzt richtig gut; wir haben eine politische Leitung, die Themen aktiv angeht. Und wir haben Technologien, die funktionieren. Außerdem – und das hoffe ich – kommt uns eine wachsende Begeisterung der Menschen zu Hilfe, die den Nutzen sieht und davon profitieren möchte.

Welche Themen stehen für 2019 auf Ihrer Agenda?

Debatin: Ein wichtiges Thema ist die Unterstützung der Einführung der E-PA, semantische Dateninterope­rabilität, die Datenspende sowie die Vernetzung zwischen Konsumenten und Dienstleistern. Es ist uns eine Herzensangelegenheit, dabei zu helfen, die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Auch das Thema Start-ups gehen wir an. Wir wollen Ideen sammeln und Wegbereiter dafür sein, innovative Lösungen als Medizinprodukte auf den Markt und in die Versorgung bringen. Wir werden als Dialogplattform für die widerstrebenden Interessen der Akteure im Gesundheitswesen agieren und nach Strategien suchen, Brücken zwischen diesen zu bauen.

Wie können wir uns die tägliche Arbeit des hih-Teams vorstellen?

Debatin: Man findet uns in Fulltime-­Jobs als Know-how-Träger in einem Co-Working-Space, das eine offene, kommunikative Arbeitsweise ermöglicht und externe Expertise zum Dialog einlädt. Wir vermitteln z.B. zu den Entscheiderpositionen in die Kammern und Kassen und treiben u.a. damit das gegenseitige Verstehen voran. Auch in Zusammenarbeit mit Einrichtungen, die sich digital entwickeln möchten. Wir sind in der Szene gut verdrahtet, haben den Überblick, verfügen aber auch über den Blick nach draußen, z.B. ins Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum.

Werden Sie auch unabhängig vom Ministerium agieren?

Debatin: Das hih dient nicht dem Selbstzweck. Wir entwickeln keine eigene Digitalisierungsstrategie; wir machen uns Gedanken darüber, wie das für das deutsche Gesundheitswesen möglich ist. Wir wollen Know-how und Erfahrung im BMG einbringen.

Was treibt Sie persönlich an?

Debatin: Das Miterleben der Umstellung auf ein papierloses Krankenhaus am UKE hat mich geprägt. Ich glaube an die Digitalisierung und ihren immensen Nutzen. Die Fragen stellte Bianca Flachenecker.

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