Personalentwicklung -

Traineeprogramm Knappschaft Kliniken bilden Klinikmanager von morgen aus

Fachkräftemangel betrifft nicht nur Pflegende. Das Klinikmanagement braucht weitsichtige und flexible Führungskräfte dringender denn je. Bei den Knappschaft Kliniken wurde dies 2017 zur Chefsache erklärt. Das Ergebnis: Ein Traineeprogramm, bei dem Ehemalige mittlerweile in Management-Positionen tätig sind.

Topic channels: XPersonalentwicklung und Fachkräftemangel

Beim Fachkräftemangel im Krankenhaus-Kontext denkt viele zuerst an die Pflege – so auch die Knappschaft Kliniken, die eine Strategie entwickelt haben, wie mehr ausgebildet und überzeugender rekrutiert werden können. Auch Ärzte sind in vielen Fachdisziplinen heiß begehrt. Weniger Beachtung finden in der Branche dagegen die Klinikmanager von morgen. Der Krankenhaus-Markt ist komplex, sehr dynamisch und in hohem Maße von schnellen Reaktionen auf politische Entscheidungen abhängig. Wo sollen die Nachwuchskräfte herkommen, die das alles überblicken und wirtschaftlich, aber zuvorderst zum Wohle der Patienten sowie der Mitarbeitenden handeln? Deshalb haben die Knappschaft Kliniken 2017 entschieden, sie selbst auszubilden. Nach inzwischen fast zwei durchlaufenen Trainee-Jahrgängen kann der Krankenhausträger heute sagen: mit Erfolg.

Die Knappschaft Kliniken GmbH als Führungsinstrument der zuvor relativ autonomen Kliniken steckte zu dieser Zeit noch in den Kinderschuhen und zählte zwar einige erfahrende Köpfe, hatte aber noch keinen hauptamtlich Personalverantwortlichen. Hauptgeschäftsführer Andreas Schlüter beschloss, die Förderung des Management-Nachwuchses voranzutreiben und dafür ein eigenes Programm zu konzipieren. Bestandteile der zwei Jahre sollten sein:

  • Rotation durch unterschiedliche Verwaltungs- und Leistungsbereiche der Kliniken mit Betreuung durch die jeweilige Geschäftsführung
  • Führungskräfteseminare
  • Fachartikel
  • Präsentationen
  • Kongressteilnahmen
  • Thementage mit Referatsleitern der Knappschaft Kliniken GmbH, z.B. zu Marketing oder Projektmanagement
  • Anbindung an den großen Verbund der Knappschaft-Bahn-See mit Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Ärztenetz, Reha-Kliniken, Minijobzentrale und Seemannskasse, zu dem auch die Knappschaft Kliniken GmbH gehören

"Auswahl des Management-Nachwuchses sollte Chefsache sein."

Obwohl die Knappschaft Kliniken mit ihren zwölf Standorten in Nordrhein-Westfalen und im Saarland kein bundesweit agierender Konzern sind und bei der Premiere natürlich noch Referenzen als Anbieter eines Traineeprogramms fehlten, erreichten das Unternehmen sogleich zahlreiche Bewerbungen aus der ganzen Republik. Zwei Tage blockte sich die oberste Ebene der Häuser, um in einem mehrstufigen Verfahren herauszufinden, wer am besten passen würde. "Diesen Aufwand würde ich auch immer wieder betreiben. Die Auswahl des Management-Nachwuchses sollte Chefsache sein", sagt Schlüter.

Im Oktober 2017 gingen neun junge Männer und Frauen an den Start, lernten und wirkten fortan, reisten und schrieben, rechneten und repräsentierten. Zu Beginn von Seiten der Knappschaft Kliniken GmbH noch quasi fachfremd betreut durch den Justiziar. Schon bald trug das spezielle Ausbildungskonzept Früchte. Eine der Kliniken übernahm eine Trainee zunächst als Assistentin der Geschäftsführung, dann wurde sie Kaufmännische Leiterin. Eine weitere Traineeprogramm-Teilnehmerin wurde Teil des Controlling-Teams. Nach Abschluss des ersten Programms ist ein Absolvent heute Verwaltungsleiter eines Hauses im Verbund, ein anderer stellvertretender Personalleiter des Universitätsklinikums – um nur einige Führungspositionen zu nennen.

Masterabschluss als Zugangsvoraussetzung

Die Hürden wurden bei der zweiten Ausschreibung der Traineestellen noch höher gesetzt, ein Master statt eines Bachelor-Abschlusses zur Voraussetzung gemacht. Doch dies tat dem Erfolg des Programms keinen Abbruch. Exemplarisch dafür stehen die beiden Nachwuchskräfte, die die Knappschaft Kliniken GmbH übernommen hat.

Die Corona-Pandemie stand 2020 den aktuellen Trainees beim Besuch von Kongressen und Fachvorträgen im Weg, dafür bekamen sie hautnah mit, wie sich das Gesundheitssystem seiner vielleicht größten Herausforderung stellte – eine lebenslang prägende Erfahrung für alle, die in Kliniken tätig sind.

Dritter Trainee-Jahrgang startet im Oktober 2021

Seit Ende letzten Jahres läuft bereits die dritte Ausschreibung des Traineeprogrammes. Hier stellte der Klinikverbund fest, wie attraktiv und sicher die Branche als Arbeitsplatz ist. Im Oktober 2021 sollen die neuen Trainees starten, die Bewerbungsfrist läuft Ende März aus. Doch das Unternehmen haben bereits viele Bewerbungen erreicht, u.a. sogar mit Vorstellungsvideos. "Wir spüren, dass Menschen auch in Hemd und Anzug und vom Schreibtisch aus mit gegen das Virus anpacken wollen", erklärt Schlüter. "Die Pandemie mit Aufstockung der Intensiv- und Laborkapazitäten, Absage elektiver Eingriffe, Schließung von Kantinen und auf den Kopf gestellter Krankenhausfinanzierung braucht weitsichtige und zugleich flexible Manager dringender denn je", resümiert Schlüter.

© hcm-magazin.de 2021 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar angeben zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen