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Knappschaft: Elektronische Behandlungsinformation für Kliniken

Bislang haben Krankenkassen im Fall einer Klinikeinweisung ihr Wissen über spezifische Patientendaten wie z.B. Vorerkrankungen nicht zur Verfügung gestellt. Das will die Knappschaft mit dem Projekt elektronische Behandlungsinformation (eBI) nun ändern.

Das Projekt hat Knappschaft-Direktor Dr. Georg Greve auf dem 4. Kongress für Patientensicherheit bei medikamentöser Therapie in Berlin vorgestellt.

Die Erfahrung zeige, dass viele Patienten bei einer Krankenhauseinweisung nicht angeben könnten, welche Arzneimittel sie einnehmen, sagt Grewe. Diese Informationsmängel könnten bei der Behandlung in der Klinik zu vermeidbaren Risiken führen. "Wir brauchen mehr Transparenz", betont er. "Wir brauchen eine elektronische Patientenakte, die jedem Behandler zur Verfügung steht."

Daten auf Knopfdruck zur Verfügung stellen

Die Krankenkassen hätten zwar das Wissen über Vorerkrankungen, Arzneimittelverordnungen, frühere stationäre Behandlungen und ambulant betreuende Ärzte, stellten es aber bisher nicht zur Verfügung. Das will die Knappschaft mit dem Projekt elektronische Behandlungsinformation (eBI) nun ändern. Das Einverständnis der Betroffenen vorausgesetzt, bereitet sie die aus verschiedenen Quellen stammenden Daten auf und kann sie bei einer Klinikeinweisung auf Knopfdruck zur Verfügung stellen. Dies bedeute eine Zeitersparnis für die aufnehmenden Ärzte und vermindere das Risiko von Wechselwirkungen durch verschiedene Arzneimittel.

Bereits zwei Kooperationen geschlossen

Mit zwei Krankenhäusern hat die Knappschaft bereits einen Kooperationsvertrag geschlossen, auf weitere 50 bis 100 soll das Projekt ausgeweitet werden, so Grewe. Die Kliniken müssten dazu die technischen Voraussetzungen für einen sicheren Datenaustausch schaffen. Langfristig ist auch beabsichtigt, niedergelassene Ärzte miteinzubeziehen.

Krankenkassen können Ärzte erheblich unterstützen

Die Multimedikation ist eine besondere Herausforderung bei der Knappschaft: Von den 1,7 Millionen Versicherten der Knappschaft seien über eine Million über 60 Jahre alt. "Wir haben die Struktur, die die Gesetzliche Krankenversicherung etwa in 30 Jahren haben wird", konstatiert Grewe. Jeder stationär behandelte Versicherte werde im Durchschnitt von sieben niedergelassenen Ärzten ambulant betreut und erhalte Arzneiverordnungen für rund neun Wirkstoffe pro Tag. Fast die Hälfte dieser Patienten werde zwei Mal pro Jahr stationär behandelt. Eine Krankenkasse als Informationsgeber könne hier Ärzte erheblich unterstützen, Informationsdefizite zu beheben. Zugleich bestehe ein hohes Einsparpotenzial, so Grewe.

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