Neubau & Sanierung -

Lesetipp Klinikplanung: Die Sicht aus dem Krankenbett

Eine Klinik vereint viele Funktionen. Sie ist Arbeitsplatz und gleichzeitig Raum für Heilung kranker Menschen – hohe Ansprüche an Gebäude und Ausstattung. Wie sollten Krankenhäuser und Seniorenheime also gestaltet werden? „Kopfkissenperspektiven“ lädt zur philosophischen Betrachtung ein.

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Wie erleben Patienten, Mitarbeiter und Besucher das Gebäude Krankenhaus? Dasselbe gilt für Seniorenheime? Räume beeinflussen Laune, Wohlbefinden und damit Gesundheit. Autorin Charlotte Uzarewicz arbeitet in „Kopfkissenperspektiven“ zentrale Raumtheorien aus ihrer pflegewissenschaftlichen Perspektive auf. Schon als Kind habe sie immer wieder ihr Zimmer umgestaltet und in ihrer Pflegeausbildung musste sie sich erst einmal an die Räume im Klinikum und ihre besondere Atmosphäre gewöhnen. Sie zeigt Lesern neue und philosophische Betrachtungsweisen des multifunktionalen Gebäudes auf.

Eine Klinik ist gleichzeitig Arbeitsplatz und Schutzraum  

Neben der allgemeinen Raumtheorie beleuchtet Uzarewicz auch Kliniken und Seniorenheime und stellt fest: „Altenheime und Krankenhäuser sind ganz besondere Räume, weil an ihnen widersprüchliche Aufgaben, Funktionen, Intentionen wirken. Das kann man atmosphärisch spüren. Was hat in einem Krankenhaus Priorität? Ist es in erster Linie ein Arbeitsplatz, ein Arbeitgeber, eine Jobmaschine oder primär ein Raum der Geborgenheit und des Schutzes für kranke Menschen, die wieder gesund werden wollen? Ähnliches gilt für Altenheime: Kann man hier wirklich wohnen oder ist es eher ein Aufbewahrungs- und/oder Sterbeort für alte Menschen?“

In die Horizontale: Das Krankenbett

Auch das Krankenbett spielt eine große Rolle in ihrer Betrachtung, denn es ist der zentrale Aufenthaltsort der Patienten. Und genau hier verzahnen sich öffentliche und private Bereiche so sehr, dass das Spannungsfeld deutlich wird. Was ist wichtiger: Der Patient, der sich in einem wohlbehüteten Nest auskurieren möchte oder die Mitarbeiter, die schnell alle Seiten des Bettes erreichen müssen.

Aus diesen Beobachtungen folgert Uzarewicz zum Schluss des Buches wie Krankenhäuser und Altenheime besser gestaltet werden können. Dabei geht sie auf das Gebäude an sich (Übergänge, Treppen, Flure etc.) aber auch auf die Raumausstattung im Speziellen ein. Welches Material ruft welche Wirkung hervor. Begleitet werden Planer und Entscheider mit Tabellen und Checklisten im Anhang.

Fazit

Das Krankenhaus ist ein besonderer Ort, der viele Funktionen vereint, darunter Sterben und neues Leben willkommen heißen. Kann ein Gebäude wirklich allen gerecht werden? Wenn ja, wie? Eine spannende Frage und ein lohnender Perspektivwechsel.

Über die Autorin

Pflegewissenschaftlerin Charlotte Uzarewicz ist Ethnologin (M.A.), Soziologin (Dr. disc. pol.), und Professorin für Pflegewissenschaft an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München sowie Honorarprofessorin für Kultur und Ästhetik in der Pflege an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar.

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