Pflege -

Augsburger Perspektiven Klinikmanagement, Digitalisierung, Patientenzufriedenheit

Die „Augsburger Perspektiven“ fanden dieses Jahr zum fünften Mal statt. Experten aus unterschiedlichen Bereichen informierten auf dem Kongress in Podiumsdiskussionen, Vorträgen und Workshops über aktuelle Brennpunktthemen.

Die Uniklinik kommt nach Schwaben: Ab 1. Januar 2019 erhält die Universität Augsburg eine medizinische Fakultät. Das Städtische Klinikum wird dann in ein Universitätskrankenhaus umgewandelt. Eine Mammutaufgabe, die auch im Mittelpunkt des jährlich stattfindenden Kongresses „Augsburger Perspektiven“ stand. Doch nicht nur dieses Thema stand auf der Agenda.

Am 5. Dezember 2018 behandelten zahlreiche Referenten Themen quer durch die Bank: Von Fernbehandlung und Internetmedizin über Chancen und Risiken des Umgangs mit Gesundheitsdaten bis hin zur Bedeutung von Servicekultur und Geborgenheit im Krankenhaus.

Pflege neu denken im Pflegeforum

Den Auftakt des Kongresses bildete das „Pflegeforum“ mit Vorträgen und Diskussionen rund um die Pflege. Gleich die erste Präsentation wurde kontrovers diskutiert. Denn Holger Steudemann, Geschäftsführer der Agentur WOK für Kommunikation in der Gesundheitsbranche, fand in seinem Beitrag „Was läuft falsch? Strategien für ein besseres Image der Pflege“ klare Worte für Vertreter der Pflegebranche: „ Die Pflege hat kein schlechtes Image. Wenn das Glas aber immer halbleer statt halbvoll ist, fehlen der Optimismus und die Gestaltungskraft, Neues zu wagen.“ Steudemann betreut aktuell das Städtische Klinikum Augsburg bei seiner Umwandlung. Er warnte die Pflege davor, zu jammern und den eigenen Berufsstand schlechtzureden. Auch andere Berufe seien schwierig. Im Gegensatz zur Pflege würden andere Branchen jedoch nicht regelmäßig die Qualität ihres eigenen Berufes diskreditieren.

Prof. Dr. Inge Eberl, Leiterin der Stabsstelle Pflegewissenschaft und Praxisentwicklung der Pflegedirektion des Klinikums der Universität München, referierte über das Rollenverständnis und die Notwendigkeit von Pflegeforschung: „Es darf keine Frage sein, ob es Pflegeforschung braucht.“

Andreas Kocks, Pflegewissenschaftler des Universitätsklinikums Bonn (AöR), thematisierte, wie sich akademisch ausgebildete Pflegeexperten in der Praxis integrieren lassen: „Universitätskliniken sind eine geniale Chance für die Pflege.“ Bachelor- und Master-Absolventen ließen sich in vielen Bereich einbinden – sei es im Rahmen von Transitionssprechstunden in der Pädiatrie oder in der Pflegeforschung. Herausforderungen für Kliniken sieht Kocks keine, in anderen Ländern seien studierte Pflegekräfte längst gang und gäbe: „Es kann nicht viel passieren, außer, dass sich was ändert.“

Den Abschluss des Pflegeforums übernahm Torsten Rantzsch, Pflegedirektor und Mitglied des Vorstands des Universitätsklinikums Düsseldorf. In seinem Vortrag „Personaluntergrenzen – wird jetzt alles gut?“ bezog er klar Stellung. „Nein, es wird nicht alles gut.“ Die Untergrenzen würden nicht helfen und stimmten nicht mit der Realität überein. Die „1 zu 2“-Regel beispielsweise sei in dynamischen Unternehmen wie Krankenhäusern nicht realisierbar. „Man kann keine starren Beschäftigungsschlüssel festlegen“, so Rantzsch. Immerhin: Beim operativen Personal kommt laut Ranztsch prinzipiell an, dass sich etwas tut.  

Digitalisierung und Patientensicherheit

Im Anschluss an das Pflegeforum lag der Fokus der „Augsburger Perspektiven“ auf den Themen Digitalisierung und Servicekultur im Krankenhaus. In einer Podiumsdiskussion unter dem Titel „Patient lost in data – Chancen und Risiken des Umgangs mit Gesundheitsdaten“ diskutierten

  • Michael Franz, Head of Brand Communication der CompuGroup Medical SE,
  • Alexander Leßmann, Programmleiter Digitalisierung der AOK Bayern,
  • Hardy Müller, Generalsekretär des Aktionsbündnisses Patientensicherheit, und
  • Dr. Andreas Tecklenburg, Vizepräsident und Vorstand für das Ressort Krankenversorgung der Medizinischen Hochschule Hannover.
Augsburger Perspektiven

Patientendaten werden an vielen Stellen gespeichert – vom Impfpass über den Mutterpass bis zum Röntgenpass. Ist die verstreute Aufbewahrung sicher? Wie werden Patientendaten geschützt? Machen elektronische Patientenakten Sinn? Eine Stunde lang tauschten sich die Experten aus unterschiedlichen Bereichen darüber aus.

Franz sprach sich für eine zunehmende Digitalisierung aus, denn Kliniken, Ärzte und Patienten nutzten nach wie vor zu viel Papier. Den Patienten müsse deshalb aufgezeigt werden, dass es Sinn macht, die eigenen Daten zu teilen. In Deutschland gibt es in Sachen Patientensicherheit aber noch einiges zu tun – da waren sich alle Diskutanten einig. Für Leßmann ist der Rückstand Deutschlands jedoch erstmal kein Grund zur Sorge: „Wir könnten mit einem Sprung Weltmeister bei der Patientensicherheit werden.“

Es müsse allerdings mehr investiert werden als die von der Bundesregierung geplanten drei Milliarden. Tecklenburg stimmte dem nicht zu: „Drei Milliarden in deutschen Wissenschaftlerhänden sind vielleicht mehr wert als 17 Milliarden in China.“

Geborgenheit und Servicekultur im Krankenhaus

Der Nachmittag der „Augsburger Perspektiven“ stand mit einem Themenblock rund um Servicekultur und Kommunikation im Krankenhaus ganz im Zeichen der Patientenzufriedenheit.

Was z.B. das richtige Licht für das Wohlbefinden der Patienten leisten kann, erklärte Günter Hohensee, Business Manager und Lichtexperte bei Philips: „Die Umgebung macht eine ganze Menge aus.“  Für Patienten, die auf der Intensivstation ein Delir erleben, seien nicht-pharmakologische Maßnahmen sogar oft entscheidend. Die Delir-Lösung „Vital Minds“ von Philips orientiert sich am natürlichen Rhythmus des Menschen. So können an der Decke von Patientenzimmern u.a. Sonnenaufgänge und Naturszenarien visualisiert werden. Laut Hohensee wurde das Konzept an der Berliner Charité getestet. Die Anzahl der Delire sei um 39 Prozent gesunken.

Im Anschluss konzentrierte sich Martina Patz, Assistenz im Zentrumsmanagement des Klinikums Augsburg, auf mangelnde Kommunikation im Krankenhaus. Laut Patz liegt hier ein wesentlicher Faktor für die Patientensicherheit. Sie empfiehlt Ärzten und Pflegekräften, Patienten häufig Rückmeldungen zu geben, sie über weiteres Vorgehen zu informieren und dabei auf die positive Formulierung zu achten.

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