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Krankenhausstudie 2019 Kliniken wollen 30.000 neue Pflegestellen schaffen

Deutschlands Krankenhäusern fehlen aktuell rund 20.000 Fachkräfte in der Pflege. Die wirtschaftliche Situation der Kliniken verschärft sich deutlich u.a. bei den Umsätzen. Auch Investitionen in die Digitalisierung schlagen sich, laut der Krankenhausstudie 2019 von der Unternehmensberatung Roland Berger, bisher nicht positiv in den Bilanzen der Häuser nieder.

Die Krankenhäuser in Deutschland stehen unter großem wirtschaftlichem Druck: Knapp ein Drittel schrieb 2018 Verluste. 2019 rechnet fast jede zweite Klinik mit einem Defizit (47 Prozent). Und nur noch knapp zwei Drittel (65 Prozent) erwarten steigende Umsätze. Im vergangenen Jahr waren es noch 82 Prozent.

Trotz dieser Situation stehen der Fachkräftemangel und nicht Kosten- oder Ergebniszwänge ganz oben auf der Prioritätenliste verantwortlicher Krankenhausmanager. Deutschlandweit sollen bis Ende des Jahres rund 30.000 Pflegestellen aufgebaut werden. 2018 suchten jedoch nur rund 11.000 Fachkräfte eine Arbeitsstelle. Es fehlen also aktuell bereits rund 20.000 qualifizierte Arbeitnehmer. Dies geht aus der "Krankenhausstudie 2019" der Unternehmensberatung Roland Berger hervor. Im Rahmen der Analyse wurden Vorstände und Geschäftsführer der 400 größten deutschen Krankenhäuser befragt.

„Diese Zahlen verdeutlichen den akuten Personalmangel in deutschen Krankenhäusern“, sagt Peter Magunia, Partner bei Roland Berger. "Das ist aber nicht die einzige Herausforderung für die Kliniken. Der demografische Wandel und der medizinisch-technische Fortschritt haben die Umsätze bislang steigen lassen. Doch stagnierende Fallzahlen werden den Wettbewerb deutlich intensivieren und vermehrt zu Kooperationen oder Fusionen führen."

Attraktivere Ausbildung, gezieltes Marketing und ausländisches Personal für mehr Fachkräfte in der Pflege

Der Fachkräftemangel betrifft sowohl kleinere Häuser in ländlichen Gebieten als auch größere mit Wachstumsambitionen. Der geplante Stellenaufbau soll mit vielseitigen Maßnahmen vorangetrieben werden. „Verstärktes Marketing, attraktivere Konditionen, mehr Ausbildungsplätze sowie die Suche nach Personal aus dem Ausland stehen im Vordergrund", erklärt Oliver Rong, Partner bei Roland Berger.

Darüber hinaus könnte die "Generalistik"-Reform der Bundesregierung einen positiven Effekt mit sich bringen. In ihrem Zuge werden ab 2020 die drei Ausbildungen zusammengelegt. Dadurch sollen mehr junge Menschen für die Pflege begeistert werden.

Investitionen in Digitalisierung verfehlen die erhofften Effekte

Die Kliniken suchen noch nach den geeigneten Mitteln, um sich den finanziellen Spielraum für die Ausgaben für Personal und Infrastruktur zu verschaffen. In diesem Kontext blicken die Befragten skeptischer als im Vorjahr auf Digitalisierungsmaßnahmen. Nur 72 Prozent der Verantwortlichen versprechen sich einen positiven Niederschlag in der Bilanz. Im vergangenen Jahr waren es noch 93 Prozent.

„Diese Ergebnisse lassen vermuten, dass Investitionen in die Digitalisierung in den vergangenen Jahren noch nicht den erhofften Erfolg erzielt haben“, erläutert Rong. Die digitale Transformation stellt, nach Ansicht der Studienteilnehmer eine erhebliche Zusatzbelastung für die Organisation dar. Weiterhin bemängeln die Kliniken in diesem Kontext fehlende Standardisierung und politische Vorgaben.

„Interessant ist, dass die von uns befragten Krankenhäuser das größte Verbesserungspotenzial in ihrer strategischen Ausrichtung sehen. Das deckt sich auch mit unseren Erfahrungen“, erklärt Magunia. „Gerade Themen wie Standortwahl oder Medizinportfolio stehen hierbei im Fokus. Wollen die Kliniken diese Hebel zur Verbesserung ihrer Ergebnisse ausschöpfen, müssen sie v.a. ihre Ziele klar kommunizieren, um die eigenen Mitarbeiter als Unterstützer zu gewinnen.“

Die vollständige Studie von Roland Berger kann hier eingesehen werden. 

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