Nierenlebendspende Klinik zahlt Schmerzensgeld wegen unzureichender Aufklärung

Das Universitätsklinikum Essen und die mitverklagten Mediziner müssen wegen nicht korrekter Aufklärung zur Organentnahme an eine geschädigte Nierenlebendspenderin 100.000 Euro zahlen.

Risikoaufklärung Urteil
Fehlen in der Aufklärung zur Organentnahme bekannte Risiken, ist die Entnahme der Niere rechtswidrig. – © Volker Witt(stock.adobe.com)

Die Klägerin hatte 2009 ihrem Vater eine Niere gespendet, im Mai 2014 kam es bei ihm zum Transplantatverlust. Die Spenderin leidet seit ihrer Spende an einem chronischen Fatigue-Syndrom und an Niereninsuffizienz und macht eine formal wie inhaltlich ungenügende Aufklärung geltend. Auf die Summe haben sich die Parteien in einem Vergleich geeinigt, teilt die Interessengemeinschaft Nierenlebendspende mit.

Die erste Klage vor dem Landgericht Essen und die Berufung vor dem Oberlandesgericht Hamm (OLG) blieben ohne Erfolg. Das OLG stellte zwar Fehler bei der Aufklärung fest, ging aber davon aus, dass die Spenderin auch bei korrekter Aufklärung einer Spende zugestimmt hätte.

Inhalt der Risikoaufklärung wichtigstes Kriterium

Im Revisionsverfahren urteilte der Bundesgerichtshof, dass die von der Klägerin erteilte Einwilligung in die Organentnahme unwirksam und der Eingriff rechtswidrig gewesen ist. Die beklagten Mediziner können auch nicht mit der sogenannten „hypothetischen Einwilligung“ exkulpieren. Es kommt allein auf den Inhalt der Risikoaufklärung an. Fehlen in der Aufklärung bekannte Risiken, ist die Entnahme der Niere rechtswidrig. Die Richter erkannten der Klägerin Schmerzensgeld und Schadenersatz zu, über dessen Höhe vergangenen November das OLG befinden sollte (Az. I-3 U 6/16). Der Fall wurde gemeinsam mit der Klage eines weiteren Lebendnierenspender verhandelt, dessen Urteil noch aussteht.