Klinik in Henstedt-Ulzburg wird nicht verkauft

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Die Paracelsus-Klinik in Henstedt-Ulzburg wird nicht verkauft. Das gab das Management des europaweit tätigen Konzerns heute bekannt. „Wir haben immer betont, dass wir zu dem Standort stehen“, sagte Alfred Felscher, Sprecher der Geschäftsführung.

Während des Bieterverfahrens musste ein möglicher Käufer den Fortbestand der Klinik gewährleisten. „Die Herausforderungen für das Haus in Henstedt-Ulzburg sind immens, das haben uns fast alle Interessenten bestätigt. Aber kaufen, um dann zu reduzieren, zu verlagern oder zu schließen, damit ein Wettbewerber vom Markt verschwindet, war mit uns nicht zu machen“, sagt Felscher. Mehrere Angebote hat es nach Bekanntgabe der Verkaufsabsichten im Januar dieses Jahres gegeben. Am Ende des Auswahlprozesses stand für den Konzern mit Sitz in Osnabrück jedoch fest, dass keines der Angebote für Paracelsus akzeptabel war.

„Wir stehen vor einer anstrengenden Zeit“

„Mit dieser Entscheidung ist klar, dass wir in Henstedt-Ulzburg vor einer anstrengenden Zeit stehen“, sagte Felscher. Auf internen Sitzungen hat das Management den Mitarbeitern in Henstedt-Ulzburg bereits tief greifende Veränderungen angekündigt. „Wir prüfen derzeit jeden Bereich und jede Abteilung genauestens auf Abläufe, Leistungszahlen und Personalschlüssel. Wir werden das Leistungsangebot ausweiten, den ambulanten Zugang zu uns erleichtern und für verschiedene Abteilungen den Personalschlüssel verändern – kurz: Ressourcen heben, wo immer es möglich ist – jedoch keinesfalls unter Beeinträchtigung der medizinischen Qualität.“

Im Vordergrund der Personalarbeit stehe die Umstrukturierung, angepasst an die künftige strategische Ausrichtung. Felscher betont: „Kürzungen ohne Plan, egal in welchem Bereich, wird es nicht geben. Die Sicherheit der Patienten und das hohe Versorgungsniveau stehen trotz wirtschaftlichem Druck an oberster Stelle. Das weiß auch der Betriebsrat, der in alle Entscheidungen strategischer Art involviert ist.“

2011 musste die Klinik ein Defizit von 7,5 Millionen Euro verbuchen. Im laufenden Jahr zeichnet sich eine Verringerung des Defizits ab. „Wir rechnen mit einer deutlichen Trendwende in 2013 – vorausgesetzt, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ziehen mit“, sagt Felscher. „Allen muss klar sein: dieser Anlauf kann der letzte sein, um die Klinik zukunftsfähig zu machen.“

Bedarf für Akutkrankenhaus in der Region ist deutlich

Trotz der Herausforderungen, die die Klinik zu bewältigen habe, sei der Bedarf in der Region deutlich. Felscher: „Ohne uns müssten viele Menschen zahlreiche Kilometer zum nächsten Krankenhaus fahren. Wir nehmen unseren Versorgungsauftrag ernst, wir haben immer gesagt, dass wir den Standort nicht fallen lassen.“ Nach der Neueröffnung im April 2011 seien die Erwartungen möglicherweise zu hoch gewesen, dass die Klinik in Henstedt-Ulzburg sofort wieder auf das wirtschaftliche Niveau von vor der Umbauphase gelange. Diese Erwartung habe die Entscheidung, die Klinik zum Verkauf anzubieten, mit beeinflusst.

Mittlerweile zeige sich, dass sich die Klinik langsam wirtschaftlich nach vorne entwickelt. „Trotzdem zählt neben maximalem Engagement aller Beteiligter Ausdauer zu den Haupttugenden, die wir brauchen“, betont Felscher. Auch wenn der Standort Henstedt-Ulzburg seit geraumer Zeit das Gesamtbetriebsergebnis von Paracelsus belaste. „Klar ist, dass das Gesamtunternehmen die Verluste in Henstedt-Ulzburg nicht ewig ausgleichen kann und will. Die Klinik kann nicht dauerhaft am Tropf des Unternehmens hängen.“

Kein Krankenhaus-Gigant, sondern ein überschaubares Unternehmen

In Schleswig-Holstein gibt es kaum noch ein Krankenhaus, das nicht in einem Verbund organisiert ist. Der Wettbewerb und damit der Konzentrationsprozess unter den Krankenhausketten schreiten bundesweit voran; jüngstes spektakuläres Beispiel ist der geplante Übernahmeversuch von Rhön durch Fresenius. Bereits zuvor hatte die Fresenius-Tochter Helios die norddeutsche DAMP-Gruppe übernommen und der SANA-Klinikkonzern die Regio-Kliniken. Auch im Norden von Schleswig-Holstein wird an der Fusion der Westküstenkliniken mit den nordfriesischen Krankenhäusern gearbeitet.

Die Klinik aus der Verlustzone zu führen wird nicht einfach sein

Trotz der ursprünglichen Verkaufsabsichten sind medizinische Innovationen und die erforderlichen Investitionen in der Klinik weiter gegangen. Neue Chefärzte wurden eingestellt, notwendige Neuanschaffungen getätigt. Einschnitte oder tief greifende Veränderungen wurden jedoch nicht vorgenommen, um dem neuen Eigentümer nicht vorzugreifen. Das werde nun nachgeholt. „Wir scheuen die Herausforderung nicht. Aber die Klinik aus der Verlustzone zu führen und zukunftsfähig zu machen, wird nicht einfach sein“, sagte Felscher. Nur wenn die bereits getätigten und die künftigen Investitionen ausgelastet und genutzt werden, hat die Paracelsus-Klinik Henstedt-Ulzburg auch eine gesicherte Zukunft.