Entscheiderfabrik -

Entscheider-Werkstatt KIS weiterentwickeln: Ideen und Herausforderungen

Bei der Entscheider-Werkstatt am 13. und 14. Oktober 2021 mit dem Westpfalz-Klinikum haben die Teilnehmenden diskutiert, wohin sich Krankenhausinformationssysteme (KIS) und IT-Landschaften entwickeln – was die Strategie fordert und wie die Rahmenbedingungen für die Umsetzung aussehen.

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Den Weg vom Monolithen zur Plattform zu schaffen: Dafür hat das Westpfalz-Klinikum das sogenannte "Consumer KIS" in seiner Digitalisierungsstrategie als Soll-Zustand definiert. Frank Ebling, Leitung Referat IT am Westpfalz-Klinikum und Vorsitzender der Orbis-Anwendergruppe e.V., stellte das in seinem Vortrag klar.

Das Zielbild Consumer KIS diente als Blaupause für die weiteren Diskussionen auf der Entscheider-Werkstatt, organisiert von der Entscheiderfabrik um Dr. Pierre-Michael Meier. In zwei verschiedenen Workshops debattierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über innovative Szenarien für die Entwicklung bzw. Weiterentwicklung des KIS bzw. der ganzen IT-Landschaft, Archiv- und Interoperabilitätsplattformen sowie des Consumer KIS. Zusammengefasst wurden folgende Fragen diskutiert:

  1. Welche strategischen Konzepte braucht es für die Zukunft der KIS und welche kritischen Erfolgsparameter müssen definiert werden?
  2. Wie müssen die Rahmenparameter wie Infrastrukturen und rechtliche Aspekte aussehen und wie gelingt die Umsetzung einer Digitalstrategie?

Consumer KIS: Inhalt und Begriff wurden in Frage gestellt

"Was ist der beste Begriff für den idealen kommunikativen Transport der Summe der interoperablen Informationssysteme eines Krankenhausträgers – also der Plattformstrategie bzw. des Consumer KIS?" Diese Frage brachte eine große Diskussion nach dem richtigen Wort und dem darunter zu verstehendem Inhalt. Es wurden Begriffe wie Consumer ePA, Consumer-Informationssystem, Krankenhausinformationsökosystem (KIÖ) oder Gesundheitsakte diskutiert. Es stand die Frage im Raum, ob User die Systeme überhaupt verstehen. Aus dem Plenum kam der Hinweis, dass es die Nutzer vielmehr interessiere, ob das System die Aufgaben ausführe, die z.B. in der Pflege gebraucht werden.

Peter Förster, Geschäftsführer des Westpfalz-Klinikums und Landesvorsitzender Rheinlandpfalz-Saarland des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) e.V., kommentierte die Diskussion aus Sicht einer Klinik: Nicht nur einer Pflegefachkraft, sondern allen Mitarbeitenden könne man erklären, was eine Plattform und deren Strategie ist. Man solle viel mehr Wert darauflegen, die Berufsgruppen dafür zu begeistern und zwar mit hausinterner Motivation. Förster forderte Offenheit für Veränderung bei allen Beteiligten. Zum Thema KIS-Begriffe sagte er, dass ihm keiner der Begriffe gefiele. Er schlug eine Kombination aus dem Wort "Informationssystemen" und einem "zweiten Teilnamen" vor, eine finale Lösung hatte auch er nicht.

In einem waren sich die Diskutierenden einig: Das KIS der Zukunft solle " die Summe der interoperablen Informationssysteme eines Krankenhausträgers" sein. Das Zielbild des 'althergebrachten' KIS ist die administrative Patientenverwaltung und -steuerung, das müsse sich unter Mitnahme aller Stakeholder weiterentwickeln.

Entscheider-Werkstatt 2. Halbjahr 2021

Viele Herausforderungen, aber auch Maßnahmen

In den Diskussionen zeigte sich, dass der Weg zum Consumer KIS sowohl auf strategischer als auch operativer Ebene viele Herausforderungen zu bewältigen hat. Von Meier und Ebling wurde festgehalten, was strategisch u.a. zu berücksichtigen ist:

  • Personalressourcen für den IT-Betrieb
  • Datenschutz und -sicherheit
  • Funktionale Anforderungen an Sprachsteuerung oder Mobilität
  • Digitale Transformation: Prozesse oder Geschäftsmodelle ändern sich
  • Change und kultureller Wandel brauchen Zeit und Motivation
  • Veränderungen in der Gesetzgebung
  • Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) als Rahmen für zeitliche und finanzielle Vorgaben
  • Der Krankenhausträger muss definieren, was er erreichen will

Die Herausforderungen auf der Umsetzungsebene ergänzten die strategische Sicht:

  • Handling von Gesundheitsdaten
  • Durchgängige Interoperabilität
  • Vielzahl der Subsysteme
  • Richtige KIS-Strategie finden
  • Wirtschaftlichkeit gewährleisten
  • Fehlender Austausch mit Personal
  • Intersektorale Kommunikation und Kooperation

Um die Herausforderungen zu meistern, wurden von den Diskutierenden einige Top-Maßnahmen auf strategischer Seite definiert. Zum einen wurde mehrfach betont, dass die Sicht auf Patienten und Patientinnen besonders wichtig ist. Ebenso die Orientierung am Behandlungsprozess. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass es sowohl eine Klinikstrategie, als auch Plattformstrategie und Deploymentstrategie geben muss. Über alle wurde die Verständlichkeit gefordert. Die Maßnahmen wurden nach Dringlichkeit und Wichtigkeit priorisiert (einen Überblick gibt's in der Anforderungsanalyse in der Bildergalerie – Bild 2).

In der Arbeitsgruppe, die sich mit den Rahmenparametern für die Umsetzung beschäftigte, wurde ein gezielter Plan für die Strategie festgehalten, der von Dr. Andreas Zimolong, Geschäftsführer Synagon, vorgestellt wurde:

  1. Zielbild identifizieren
  2. Cybersecurity: Software muss gesetzliche Anforderungen erfüllen
  3. Interoperabilität und Integration sicherstellen
  4. Gründliche Ist-Analyse und Soll-Konzept
  5. Cloud-Ansatz als Alternative betrachten: Beschaffung bindet Personal, SaaS oder Cloudlösung, Lösung dahingehend gestalten, dass Beeinträchtigung auf Betrieb minimal ist, Problem: Datenschutz
  6. Umfassende Schulungen: zur Einführung, für Migrationsprozess
  7. Verschlüsselte Datenablage
  8. E-Learning: Module erweiterbar
  9. Changemanagement: Menschen mitnehmen
  10. Digitalisierungsmarketing
  11. KPIs messen
  12. Migrationskonzept erstellen
  13. Prozessuale Integration
  14. Order Entry
  15. Identitätsmanagement: Authentifizierung
  16. Berechtigungsmanagement: Autorisierung
  17. MPI: Master Patient Index

Alle Ergebnisse im Detail sowie weiterführende Veranstaltungen der Entscheiderfabrik gibt es unter: www.entscheiderfabrik.com

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