Forschung -

Deutsches Herzzentrum Berlin Klinikaufenthalt von Kindern verkürzen: Neues Projekt gestartet

Wenn Kliniken die Familien herzkranker Kinder intensiver in die Behandlung einbinden, hat das Vorteile. Doch noch fehlt dafür eine wissenschaftliche Datenbasis. Ein neues Forschungsprojekt will das ändern – mit Kontaktschwestern und "offenen Teambesprechungen".

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Wenn Kliniken die Familien herzkranker Kinder intensiver in die Behandlungsprozesse einbinden, hat das erfahrungsgemäß Vorteile. Es verbessert die körperliche wie seelische Verfassung der kleinen Patienten und kann dazu beitragen, ihren Klinikaufenthalt zu verkürzen. Das Forschungsprojekt "Familienorientierte Versorgung", gefördert von der Stiftung Kinderherz, will diese Effekte wissenschaftlich untersuchen, um entsprechende Initiativen zu stärken. Eine Expertin, die dies bereits umsetzt, ist Prof. Katharina Schmitt, Oberärztin in der Kinderkardiologie am Deutschen Herzzentrum Berlin. Sie berichtet von ausgezeichneten Erfahrungen mit der familienorientierten Versorgung, die in Deutschland bald Schule machen könnten.

Familienorientierte Versorgung: Datenbasis fehlt

Bisher gibt es in Deutschland weder konkrete Richtlinien noch eine gesicherte Finanzierung für eine familienorientierte Versorgung schwerkranker Kinder. Eine belastbare Datenbasis zu den Effekten, die eine Einbindung der Familie in den Behandlungs- und Genesungsprozess der Kinder erzielt, könnte dies ändern. Das aktuelle, von der Stiftung Kinderherz geförderte Forschungsprojekt ist das erste seiner Art. In Zusammenarbeit mit der Kinderkardiologie am Deutschen Herzzentrum Berlin wird derzeit insbesondere untersucht, wie wirksam eine umfassende Begleitung durch die Eltern die anschließende Versorgung der Kinder nach der Entlassung unterstützt.

Eltern können die Bedürfnisse ihrer Kleinen – außerhalb des medizinisch Notwendigen – eher benennen. Ihre Zusammenarbeit mit der Klinik trägt also dazu bei, dass es den kleinen Herzpatienten schneller wieder besser geht. "Ein wichtiger Aspekt ist, die Eltern mit Würde und Respekt zu behandeln sowie Fakten und Wissen verständlich zu vermitteln. Nur dann können die Kinder auch zu Hause optimal betreut werden", betont Schmitt, die u.a. Kinder mit angeborenen Herzfehlern behandelt.

Kontaktschwestern begleiten Familien – schon vor Klinikaufenthalt

Die Klinik setzt sich dafür ein, dass sich die Eltern von Beginn an aktiv in den Behandlungsprozess einbringen können: "Ein Beispiel dafür sind die Kontaktschwestern, die die Familien schon vor dem Krankenhausaufenthalt kennenlernen und die sie während des Krankenhausaufenthaltes begleiten", so die Oberärztin. Je nach Bedarf wird auch ein Dolmetscher oder ein Psychologe hinzugezogen. Ein weiterer Ansatz ist die Teilnahme der Eltern an interdisziplinären Teambesprechungen, um den direkten Austausch zwischen Medizinern und Eltern zum Wohl des Kindes herzustellen.

Einschränkungen durch Corona

Im Hinblick auf die Pandemie haben sich die Abläufe im Herzzentrum so gut wie nicht verändert: Herzfehler, die so schnell wie möglich behandelt werden müssen, werden umgehend korrigiert. "Nur Operationen, die nicht lebensnotwendig sind, werden in enger Absprache mit den Eltern terminiert", ergänzt die Herzspezialistin. Was dennoch anders geworden ist: Corona schränkt den direkten Kontakt der herzkranken Kinder zu ihren Familien stark ein. Auch hier setzt die familienorientierte Versorgung an. Angebote, die derzeit nicht vor Ort stattfinden können, wurden nach Möglichkeit in den digitalen Bereich verlegt. Den Ärzten ist wichtig, mit der betroffenen Familie im Gespräch zu bleiben. "Kommunikation ist alles", betont Schmitt. Das gilt für die Behandlung eines herzkranken Kindes immer, im Zeichen der Pandemie aber ganz besonders.

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